Zukunftsstadt Lüneburg 2030 – Der Kampf gegen die Klimaerwärmung beginnt vor Ort

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Die Stadtbewohner_innen sind auf einer kleinen Fläche besonderen klimatischen Gegebenheiten ausgesetzt – aufgrund von Bebauung sowie fehlender Vegetation und Wasserflächen. Im Hinblick auf kommende klimatische Veränderungen muss sich auch die Lüneburger Bevölkerung auf ein verändertes Stadtklima mit Auswirkungen auf Ihr Wohlbefinden einstellen.

Sie befinden sich auf der Erde. 53° nördlicher Breite, 10° östlicher Länge. In Europa, Deutschland. Dort in Niedersachsen, in der Hansestadt Lüneburg. Wir schreiben das Jahr 2030, es ist August. In diesem Moment laufen Sie durch die Kleine Bäckerstraße. Es ist warm, der heißeste Tag in diesem Jahr. Schwüle Luft hängt zwischen den Häuserzeilen und strengt jede Bewegung an. Sie erreichen das Zentrum „Am Sande“. Trotz der Hitze herrscht ein reges Verkehrsaufkommen. Passanten suchen Schutz an den wenigen schattigen Plätzen der Fassaden. In den letzten Wochen fiel kaum Regen. Feinstaub verschmutzt die Luft und die Straßenzüge. Sie schauen über den Platz. Wände aus Backsteinmauern, Beton, Glas, Pflastersteinen und Asphalt. Das brennende Sonnenlicht wird von den Gebäuden reflektiert und Sie wünschen sich augenblicklich etwas, das der Hitze entgegenwirkt.

Szenenwechsel. Gleicher Ort,  gleicher Zeitpunkt. Doch es hat sich Einiges verändert. Die Temperatur liegt deutlich niedriger als zuvor. Der versiegelte Platz wurde aufgebrochen, ist nun partiell mit Grünflachen bedeckt, von Wasserflächen durchzogen und von Bäumen gesäumt. Es fährt kein Fahrzeug mehr, die Fläche ist verkehrsberuhigt und dient als Erholungsort. Fassaden, Dächer und Laternen sind begrünt. Sie nehmen die kühlende Wirkung der Pflanzen und des Wassers war. Die Luft erscheint Ihnen viel klarer und frischer. Sowohl Temperatur, Wind als auch Luftqualität und –feuchtigkeit haben Auswirkungen auf Ihr Wohlbefinden. Sie bemerken, dass eine veränderte Innenstadt Ihre Wahrnehmung und das Stadtklima positiv beeinflussen können.

Städte verursachen im Vergleich zum weniger bebauten Umland spezielle klimatische Effekte: das Stadtklima. Die dichte Bebauung hat zur Folge, dass Sonneneinstrahlung von Fassaden oder in Straßenschluchten- man spricht von einer Strahlungsfalle – aufgefangen und nur reduziert reflektiert wird. Dadurch erfolgt eine Erwärmung. Es handelt sich hierbei um städtische Wärmeinseln, wobei die Stadtzentren gegenüber ihrer unmittelbaren Umgebung überwärmen. Die Bebauung verursacht zudem ein modifiziertes städtisches Windfeld mit starken Verwirbelungen. Ein Luftaustausch zum Umland wird so erheblich erschwert. Emittierte Luftschadstoffe verbleiben aufgrund dessen im Stadtgebiet. Versiegelte Flächen beschleunigen den horizontalen Abfluss und verhindern die Versickerung des Niederschlags in den Stadtzentren. Grün- und Wasserflächen fehlen nahezu vollkommen im Altstadtkern Lüneburgs. Hinzu kommen zu erwartende regionale Veränderungen, angetrieben durch den globalen Klimawandel. Bereits heute zeichnet sich eine überdurchschnittliche Erwärmung ab, insbesondere in den Wintermonaten und eine Zunahme der Jahresniederschläge.

Als Anpassung ist ein Eingriff in die Problemfelder Luftqualität, Stadtgrün, Versiegelung, Wasser und Stadtplanung  notwendig. Zur Erhaltung der Luftqualität werden in Lüneburg Fußgängerzonen ausgeweitet, Luftleitbahnen erhalten und bei Bedarf Fahrverbote ausgesprochen. Messstationen für Feinstaub kontrollieren die innerstädtische Luftqualität. Der Anteil an Dachbegrünungen wird erhöht. Somit wird der Versiegelung entgegengewirkt und die Wärmespeicherung verringert. Begrünte Fassaden und Laternen erhöhen den Vegetationsbestand innerhalb der Stadt. Niederschlag kann versickern, anstatt abzufließen und sich zu stauen. Aufgrund klimatischer Veränderungen ist von zunehmenden Extremniederschlägen und Trockenperioden auszugehen. Um Überschwemmungen durch Starkregen entgegenzuwirken, werden Plätze entsiegelt und Notwasserwege geschaffen. Es sollen Speichersysteme für Wasserknappheit in der Stadt geschaffen werden. So wird ein funktionierender urbaner Wasserkreislauf aus Niederschlag, Versickerung und Verdunstung geschaffen.

Wasser- und Grünflächen sind entscheidend für ein gesundes Stadtklima. Sie dienen als Ausgleich der städtischen Wärmeinsel und des Windfeldes. Ein bioklimatisch lebenswertes Stadtklima wird nur durch das Zusammenwirken aller Faktoren erreicht. Die Stadtplanung bildet das wichtige Bindeglied zwischen Ist-Zustand und der Zukunft. Unsere Vision ist ein bioklimatisch lebenswertes Stadtklima im Jahr 2030 (+) für die Lüneburger Bevölkerung. Allen Bewohnerinnen und Bewohnern soll ein gutes Leben ermöglicht werden – ohne negative Auswirkungen des Stadtklimas auf die Gesundheit zu riskieren.

Aus dem Seminar:
Stadtklima im Wandel

Seminarleitung:
Markus Quante, Daniela Jacob, Marcel Schwill

Seminarteilnehmer_innen:
Sarah Marie Buck, Wiebke Schwenn, Fritzi Weitzenegger,  Jonas Brammer, Ellaha Aryubi, Paul Warnecke, Minousch-Sarai Raabe, Frederic Budniok, Maike Moeller, Luisa Schmoock, Kevin Ploetzing, Revis E. Holsten, Simon Adrian Kanis, Steven Kneiseler, Niklas B. Roth, Ann-Kathrin Horstmann, Jonathan Kalauch, Katharina Wawerek, Maike Kristina Inga de Buhr, Paul Warnecke, Cedric Labusga, Pascal Czisch, Sinan Asci, Nina Stalikas, Sinan Gultekin, Adrian Schulz

Pat_innen:
Susanne Puschmann, André Novotny, Stephan Seeger, Franziska Hapke

Diese Vision trägt dazu bei, die folgenden Sustainable Development Goals in Lüneburg umzusetzen und zu fördern: