Partizipation – mehr als nur ein Handabdruck

Partizipation – mehr als nur ein Handabdruck

12.02.2016 – Den Handabdruck auf ein Klettergerüst drücken, beim Bau einer Sandkiste mithelfen und bestimmen, welche Spielgeräte auf dem Spielplatz zu finden sein sollten – bei der Gestaltung von Spielplätzen und Jugendveranstaltungen ist die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen gerne gefragt. Aber ist das wirklich ausreichend, um von Partizipation sprechen zu können?

Mit dieser Frage beschäftigen sich Erstsemester-Studierende der Leuphana Universität Lüneburg im Seminar „Partizipation von Kindern und Jugendlichen an der Stadtentwicklung“. Es ist Teil des Projekts „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“. Gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinnen der Stadt wollen sie im nächsten Jahr Vorschläge für eine breitere Beteiligung von Jugendlichen an der Gestaltung ihres eigenen Lebens und des Gemeinwesens vorlegen. Denn sie sind davon überzeugt: Das Wissen und die Sichtweisen von Jugendlichen haben ein großes Potential für viele Alltagsfragen. Und dieses wird noch nicht so genutzt, wie im Niedersächsischen Kommunalverwaltungsgesetz vorgesehen. Dort heißt es „Gemeinden und Samtgemeinden sollen Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die deren Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen“.

Nachdem sie sich mit den rechtlichen und wissenschaftlichen Grundlagen von Partizipation beschäftigt haben, luden die Studierenden jetzt gemeinsam mit ihrer Dozentin, Prof. Dr. Ute Stoltenberg, neben Experten aus der Jugendpolitik auch Vertreter aus anderen Fachausschüssen des Rats der Hansestadt Lüneburg in ihr Seminar ein. Im Rahmen eines „Dialog-Cafés“ tauschten Marie Frenkel als Vorsitzende des Stadtjugendrings Lüneburg, Eugen Srugis als Vertreter des Fachausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung, Eberhard Manzke als Vertreter für Bauen und Wohnen, Holger Nowak für Soziales und Gesundheit und Jan Franke als Vertreter der Dezernenten für Bildung, Jugend und Soziales ihre Erfahrungen und Sichtweisen zur Partizipation von Jugendlichen mit den Studierenden aus.

Als Ergebnis konnte bereits festgehalten werden: Eine Beteiligung von Jugendlichen u.a. an Fragen der baulichen Entwicklung, des Gesundheitswesens oder an Energiefragen ist für viele noch ein sehr neuer Gedanke. Aber es gibt großes Engagement auf Seiten der Jugendlichen. Am Beispiel der Mithilfe der Bürger Lüneburgs im Rahmen der Flüchtlingshilfe wurde deutlich, dass Jugendlichen Gelegenheiten aufgezeigt werden können, wie man sich mit seinen Kompetenzen und Ideen einbringen kann. Und es sollen weitere Ideen dazu entwickelt werden, wie man Jugendlichen Raum und Zugang zur Beteiligung an wichtigen Zukunftsaufgaben geben kann. Dabei werden auch bereits bestehende Strukturen einbezogen wie die Stadtteilhäuser oder das Konzept der HanseCard.

Die „Tischdecken“ des Dialog-Cafés waren nach zwei Stunden dicht beschrieben. Sie werden Grundlage für die Weiterarbeit der Studierenden sein. Und der Dialog wird auch künftig einen festen Platz im Seminar und den Arbeitsgruppen der Studierenden einnehmen: Die Vorsitzende des Stadtjugendrings und ihre Mitarbeiterinnen werden anwesend sein und Studierende in ihre Arbeit einbeziehen. Engagierte Jugendliche und erfahren Bürgerinnen und Bürger mit Ideen für die künftige Beteiligung Jugendlicher an der Gestaltung der Stadt sind willkommen! Da die Landeszeitung Partner des Projekts „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ ist, haben sich zwei Studierende bereit gefunden, gemeinsam mit ihrer Dozentin über ihre Arbeit zu schreiben – in der Hoffnung, dass auch dieser Artikel zu dem gewünschten Dialog beitragen kann.

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Gepostet am

12. Februar 2016