Lünefood – wie und was wollen wir 2030 essen?

Wie Städte ihre Bürger_innen auf ökologisch und sozial nachhaltige Weise mit Lebensmitteln versorgen können, ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Auch Lüneburg is(s)t regional sowie global eingebunden in Produktion, Handel, Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln – wie wir 2030 essen, wirkt also über den Tellerrand hinaus. Auch auf das zweite UN-Ziel zur nachhaltigen Entwicklung: Hunger zu eliminieren? Wir sagen ja! Und zwar durch unsere Vision: ein Lüneburg frei von Lebensmittelverschwendung – ein hochaktuelles Thema, das gerade hier bei uns im reichen Deutschland einen großen Beitrag zu einem nachhaltigen Ernährungssystem und damit zu globaler Ernährungssicherheit leisten kann.

In jedes Lebensmittel sind enorm viele Ressourcen investiert worden: In einem Käsebrot stecken zum Beispiel ca. 90 Liter Wasser, dazu kommt Ackerboden für Getreide und Viehfutter, Energie und Emissionen für Transport und Kühlung, sowie viel Arbeitskraft. Diese sind nun wirklich “zu gut für die Tonne”! Also werden wir sie im Lüneburg 2030 nicht mehr achtlos wegwerfen, sondern wertschätzen. Nur noch zu kaufen, was wir wirklich ganz verbrauchen, schont Ressourcen – ein Großteil davon wird importiert, grade auch aus Ländern, in denen Ernährungsunsicherheit herrscht – und lässt schlichtweg mehr davon für Andere übrig, die damit gute Lebensmittel da anbauen können wo sie gebraucht werden.

Die Wertschätzung von Lebensmitteln und ihren Produzent_innen führt auch zu anderen Kaufentscheidungen: 2030 wählen Lüneburger_innen Lebensmittel, die nicht nur aus Ressourcen-regenerierendem, also ökologischem Anbau kommen, sondern auch aus überwiegend lokalem, aber immer fairem Handel. Das fördert regionale Wirtschaft und sorgt für gute Arbeits- und Lebensbedingungen von Bauern und Arbeiter_innen, hier und überall auf der Welt. Können wir uns das leisten? Aber ja, denn nichts mehr wegwerfen spart viel Geld!

Lebensmittel verwenden statt verschwenden leistet einen Beitrag zu ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit – Charakteristika eines nachhaltigen Ernährungssystems und einer Welt ohne Hunger.

Wie hat Lüneburg das geschafft? Vertreter_innen von Verwendungsorten (z.B. Haushalte, Einzelhandel), Produktionsorten (z.B. Landwirtschaft, Bäckereien) und Einflussorten (z.B. Politik, Bildung) haben sich zu einem Akteursnetzwerk (s. Visualisierung) zusammengetan, sich auf die Hierarchie der Strategien geeinigt und es angepackt! Denn wenn systemisch gedacht und Handeln im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel aufeinander abgestimmt wird, dann lassen sich echte Veränderungen realisieren.

Unsere Seminarprojekte haben mit einigen dieser Orte gemeinsam geforscht und sehen Beiträge für eine positive Zukunft: Schon an der Grundschule wird Wertschätzung und Verwendung von Lebensmitteln vermittelt. Der Genuss wirklich guten Essens führt zu besserer Gesundheit und mehr Lebensqualität von klein auf. Menschen in der Stadt sind sozial viel stärker verbunden, verabreden sich über’s Internet zum gemeinsam Kochen, teilen Lebensmittel, Mahlzeitenkultur und gute Nachbarschaft. Einheimische und Touristen genießen eine nachhaltige Gastronomie, die die Vielfalt unserer landwirtschaftlichen Region widerspiegelt, nichts verschwendet und daher auch preiswerte Gerichte anbieten kann. Unvermeidbare Abfälle werden zu wertvollem Kompost, der in die Lüneburger Stadtgärten ausgebracht wird, wo Menschen verschiedener Generationen und Kulturen gemeinsam säen und ernten. Kund_innen arbeiten aktiv mit Produzent_innen wie Bäckereien zusammen, z.B. durch Vorbestellen, um Lebensmittelverschwendung von Vornherein zu vermeiden. Jeglicher Überschuss wird fair-teilt, z.B. durch “die Tafeln”. Und die Lüneburger Politik beteiligt sich aktiv, indem sie die notwendigen Rahmenbedingungen für eine Stadt ohne Lebensmittelveschwendung schafft: die richtigen Anreize, z.B. durch Gebühren, sowie klare Gesetzesvorgaben (die z.B. in Frankreich schon enorme Erfolge erzielt haben).

Aus dem Seminar:
Lünefood: Wie und was wollen wir 2030 essen? Der Herausforderung begegnen, Städte nachhaltig zu versorgen.

Seminarleitung:
Leonie Bellina

Seminarteilnehmer_innen:
Bettina Piontek, Violeta Lüdtke, Maya Jaeger, Lisa Schulz, Leon Handke, Fentje zum Felde, Franiska Welzien, Antonia Rohweder, Linnea Rüter, Heide-Sophie Benz, Lucie Hain, Fenia Vesper, Greta-Linn Karcher, Verena Nüchter, Kachina Barmbold, Leonie Jurowski, Karin Havemann, Juliane Gallersdörfer, Anne Paul, David Aksöz, Nadine Steinhof, Seher Koc, Stascha Kirchner, Jan Krüger, Lotte Tetzlaff, Emily Roberts, Nick Dreyer, Patrick Rodenborg, Monisha Moreau, Luisa Firsching

Pat_innen:
Gruppe „BackAware“: Bäckerei Der Dinkelmeister: Herr Konetzki und Herr Goldenbaum, Bäckerei Kruse: Steffi Kruse; Gruppe „Foodturetown“: Bürgerverein Lüneburg: Herr Balzer, Herr Schulz, Lutz Kosack (Landschaftspflege/Naturschutz Stadt Andernach); Gruppe „Retter der Tafelrunde“: Yumwe.de: Sven Lorenz, Slowfood Lüneburg, Herr Dieckmann; Gruppe „Nachhaltige Gastronomie Lüneburg“: Greentable Verlag: Matthias Tritsch; Gruppe „Bildung“: Heiligengeistschule: Daniel Ihmels, André Schneider, Kirsi Laczka

Diese Vision trägt dazu bei, die folgenden Sustainable Development Goals in Lüneburg umzusetzen und zu fördern:

Weiterarbeit an der Vision

Seit der Entwicklung der Vision Lünefood im Rahmen der ersten Phase vom Wettbewerb Zukunftsstadt 2030+, wurde weiter mit und an der Vision gearbeitet. Von Oktober 2016 bis April 2017 haben sich 17 Masterstudierende der Leuphana mit den Möglichkeiten zur Umsetzung der Vision näher beschäftigt. Dabei wurden durch einen Runden Tisch und einen Workshop diverse Praxisakteur_innen des Bereichs Lebensmittel einbezogen und es wurde erneut eng mit der Stadt zusammengearbeitet. Das Projektteam untersuchte die vorhandene und gewünschte Vernetzung zur Thematik der Lebensmittelverschwendung, aber auch die Potentiale eines sogenannten Ernährungsrates für die Hansestadt. Um an diese Arbeit anzuknüpfen und die Umsetzung der Vision in partizipativer Art und Weise weiterzuführen, hat das Masterstudierenden-Team ein Forum zum Austausch erstellt. Es soll für alle Interessierten Koordinations- und Austauschmöglichkeiten bieten und somit zu einer gemeinsamen Erarbeitung der nachhaltigeren Gestaltung des Ernährungssystems in Lüneburg führen.

Das Forum finden Sie unter folgendem Link: http://luenefood.xobor.de/

Die Projektergebnisse werden bald auf dieser Seite zu finden sein.