Gemeinsam von Visionen zu Taten – Das Lüneburger Zukunftsstadt-Projekt auf internationaler Bühne

28. Jul. 2017

Von uns lernen: Eine Einladung nach Chicago

Zukunftsstadt Lüneburg 2030+: Ein gemeinsamer Blick in die Zukunft unserer Stadt, die Entwicklung von Lüneburger Lösungen als Beitrag zu globalen Herausforderungen. Was hier passiert, befand die International Society for Industrial Ecology für so spannend, dass sie uns einluden, unser Projekt auf ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz den dort aus aller Welt versammelten Wissenschaftler*innen vorzustellen. Gesagt, getan – auf nach Chicago! Was wir dort erlebten, und was wir von da wieder mitgebracht haben, darüber möchten wir hier berichten.

Voneinander lernen: Zusammenarbeit in Lüneburg und eine Vision für Chicago

Im Lüneburger Zukunftsstadt-Projekt geht es ja in erster Linie um die Inhalte: Wie soll unsere Stadt im Jahr 2030 und darüber hinaus aussehen? Also zum Beispiel: Wie vermeiden wir Lebensmittelverschwendung, und wie erhalten wir ein angenehmes Stadtklima für alle? Diese und ähnliche Fragen stellen sich Menschen auf der ganzen Welt. Aber es geht auch um die Art und Weise, wie wir uns mit diesen Inhalten beschäftigen: Wie können wir das Vorhaben „Nachhaltige Stadt“ ganz konkret angehen? Also zum Beispiel: Wie gestalten wir die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Initiativen und der Universität? Wie können wir alle so miteinander vernetzen, dass dabei etwas Neues, Fruchtbares, entsteht? Das fragen sich sicher auch viele – und wollten von unseren Erfahrungen hören.

Ideen für andere: Was wir einbrachten

Der Schwerpunkt der Konferenz, die Ende Juni 2017 auf dem Campus der University of Illinois in Chicago stattfand, lag diesmal auf der Frage, wie Wissenschaft die Entwicklung nachhaltiger Städte unterstützen kann. Als Antwort darauf haben wir in unserer Präsentation vor allem zwei Punkte betont:

1. Ein langfristig angelegtes, innovatives und gut durchdachtes Kooperationsmodell ist die halbe Miete.

 

Durch alle Projektphasen im Zukunftsstadt-Projekt zieht sich ein roter Faden der Zusammenarbeit, der vor allem aus den folgenden Bausteinen besteht:

  • Vertreter*innen aus Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft, Medien und Wissenschaft sind gleichberechtigte Mitglieder der Steuerungsgruppe des Projekts. Sie haben gemeinsam den Prozess geplant und koordinieren fortwährend seine Umsetzung.
  • Von diesem kleinen Kreis schlägt der starke Einbezug von Studierenden eine Brücke hin zu einer gezielten, breiteren Öffentlichkeitsbeteiligung. Das fängt an bei der Kontaktherstellung zu möglichen Praxispartnern und geht bis hin zu einer fokussierten gemeinsamen Arbeit an bestimmten Themen.

Im Ergebnis ist das, was wir so erarbeiten, kreativ, praxisnah und vor Ort relevant, aber ebenso wissenschaftlich fundiert und in sich schlüssig.

2. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen können viel mehr sein als eine reine Orientierungshilfe.

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir unser Stadtprojekt im globalen Kontext betrachten. Sich darüber im Klaren zu sein, was wir vor Ort tun können, um auch anderswo unseren Beitrag zu leisten, ist an sich schon gut und nötig. Diese Orientierung bildet den inhaltlichen Rahmen für unser Tun. Aber die Auseinandersetzung damit erfüllt mehr als diesen einen Zweck. Die 17 Nachhaltigkeitsziele sind die Werte, auf die wir uns für unsere Arbeit einigen können – der normative Rahmen sozusagen. Und sie helfen uns, den Arbeitsprozess zu strukturieren, Themen auszuwählen und zusammenzufassen – damit leiten sie auch unser Vorgehen.

Viele Menschen haben uns zurückgemeldet, dass sie diesen Ansatz für vielversprechend und zukunftsweisend halten und interessieren sich dafür, wie es weitergeht. Wer weiß, vielleicht finden wir Teile unseres Modells zur Zusammenarbeit bald in Utrecht, Lissabon oder Chicago wieder?

Erfahrungen im Gepäck: Was wir mitnehmen

Apropos Chicago – auch wir haben allerlei neue Erfahrungen und Eindrücke von der Reise mitgebracht. Und da sind wir dann wieder bei den Inhalten. Natürlich hatten wir auch auf unseren Streifzügen durch die Stadt unsere 2030-Brillen auf. So ist uns zum Beispiel nicht entgangen,

  • dass das Radwegenetz ziemlich gut ausgebaut ist,
  • dass wirklich viele Menschen Hochbahn, Bus und U-Bahn nutzen,
  • dass man immer mal wieder über Urban Gardening-Projekte stolpert,
  • dass die Stadt insgesamt wirklich viel Grün und nett gestaltete öffentliche Plätze bietet,
  • oder dass es ein hohes kulturelles Angebot gibt, das alle nutzen können, z.B. das Grant Park Music Festival.

Wie wir feststellten, kommt das nicht von ungefähr: Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich der Unternehmer Aaron Montgomery Ward über viele Jahre für den Erhalt der an den Lake Michigan angrenzenden Areale ein, die sich heute als für alle zugängliches grünes Band am See entlang ziehen. Und auch der heutige Bürgermeister der Stadt Chicago hat eine Vision: Chicago soll die grünste Stadt der Welt sein, und Nachhaltigkeit fester Bestandteil des täglichen Lebens. Darum gibt es hohe Umweltstandards für öffentliche Gebäude und das Teerdach des elfstöckigen Rathauses wurde im Jahr 2000 durch einen Dachgarten ersetzt, der nun für ein besseres Stadtklima sorgt, Regenwasser aufnimmt und das Gebäude im Sommer herunterkühlt. Der Chicago Streets for Cycling Plan 2020 sieht einen intensiven weiteren Ausbau des Radwegenetzes vor. Mangelnde Abstellmöglichkeiten, gefährliche Kreuzungen oder eine schlechte Anbindung an die Nutzung der Bahn sollen künftig für den Umstieg aufs Rad kein Hindernis mehr sein. In der gezielten Förderung des Ausbaus von Urban-Farming-Ansätzen sieht der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Stadt Chicago, Christopher Wheat, nicht nur einen Beitrag zur regionalen Lebensmittelproduktion, sondern betont auch den wirtschaftlichen Beitrag und die Möglichkeit, die Menschen in der Nachbarschaft über das Gärtnern zusammenzubringen.

Das bestätigt, was wir ohnehin schon lange ahnten: Beharrlichkeit und langfristiges Engagement zahlen sich aus, und auch aus den Visionen einiger weniger kann eine Realität erwachsen, die für alle einen Mehrwert hat.

Weiterlernen: Inspiration für die nächsten Schritte auf dem Weg zur Zukunftsstadt

Es war also in vielerlei Hinsicht eine lehrreiche Woche in Chicago. Wir kehren wieder mit Inspirationen aus der Stadt, aber auch aus Projekten, von denen wir von anderen Wissenschaftler*innen gehört haben. Und wir bringen das gute Gefühl mit, dass wir Anderen ebenso Inspiration bieten können. Das gibt direkt noch einmal Schwung für die nächsten Schritte – mit der Arbeit in den Feldteams schlagen wir ein weiteres Kapitel unserer engen Zusammenarbeit auf. Und sicher werden wir auch hier wieder Erfahrungen sammeln, die wir mit anderen teilen können, mit anderen Städten genauso wie mit anderen Forscher*innen. Darauf freuen wir uns!

Mehr über das Projekt Zukunftsstadt Lüneburg 2030+, die beteiligten Akteur*innen und Möglichkeiten zur Mitwirkung erfahren Sie auf unserer Projektseite.


Zum Weiterlesen:


Eindrücke