29. Jun. 2018

Die Segel sind gesetzt! Mit ordentlich Rückenwind von zahlreichen Lüneburger*innen und einem einstimmigen Votum aus der gestrigen Stadtratssitzung geht die Hansestadt nun in die Bewerbung um Phase III im Wettbewerb Zukunftsstadt. Welche der 17 #LüneburgerLösungen den größten Zuspruch erfahren haben, wie sich die Bewertungen vom Zukunftsstadt-Tag und aus der Aktion #LüneburgGehtWeiter unterscheiden und was die nackten Zahlen letzten Endes für die Bewerbung um Phase III im Wettbewerb bedeuten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Ergebnisse im Detail

Schon die erste Auswertung der Befragung am Zukunftsstadt-Tag hatte es angedeutet: Der Einfluss der Studierenden auf die Ergebnisse von Befragungen, die auf dem Campus der Universität durchgeführt werden, ist nicht zu unterschätzen.

So lag an diesem Tag alles rund um das Thema Grün in der Innenstadt klar vorn, sowohl “nach Erbsen” als auch in Punkto Wichtigkeit und Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Lüneburgs – wenig verwunderlich, stellten doch die Erstsemesterstudierenden des Moduls Wissenschaft trägt Verantwortung einen sehr großen Anteil der Befragten. Lediglich als es darum ging, wie dringend die einzelnen #LüneburgerLösungen umgesetzt werden sollten, rückte das Thema Wohnen auf den ersten Platz vor. Auch diese Bewertung war nachvollziehbar, denn für Studierende ist die Wohnraumsuche zu Beginn des Studiums in Lüneburg schon seit jeher eine ziemliche Herausforderung.

Vergleicht man nun die Ergebnisse des Zukunftsstadt-Tages mit der Online-Umfrage der Aktion #LüneburgGehtWeiter, ergibt sich in Bezug auf die Bewertung von Wichtigkeit, Zukunftsfähigkeit (jeweils Zustimmungswerte) und Dringlichkeit (Anzahl der Nennungen) das folgende Bild.

Zukunftsstadt-Tag

(durchschnittliche kumulierte Prozentpunkte)

Online-Umfrage

(durchschnittliche kumulierte Prozentpunkte)

Im Vergleich zum Zukunftsstadt-Tag rücken in den Ergebnissen der Online-Umfrage Maßnahmenvorschläge unter die am höchsten bewerteten, die dem Alltag der nicht studierenden Lüneburger*innen näher sind: ein Arbeitsplatz vor Ort und die Befriedigung der persönlichen Konsumbedürfnisse spielen hier eine stärkere Rolle als Klimaanpassungsmaßnahmen. Entsprechend höher bewertet werden Maßnahmen zu den Themen Arbeiten, Wohnen und Leben in der Stadt, Onlineshopping und Kaufhaus Lüneburg sowie innerstädtischer Verkehr.

Trotz der hier schon sichtbaren Unterschiede berücksichtigen beide Darstellungen noch nicht, wie hoch der Anteil der Studierenden an der Gesamtbevölkerung Lüneburgs ist. Tatsächlich waren am Zukunftsstadt-Tag zwei Drittel aller Befragten Studierende der Leuphana Universität; an der Online-Umfrage nahmen immerhin noch knapp 7 % Studierende teil. Insgesamt haben 444 Menschen online oder offline an den Befragungen teilgenommen. Bezieht man die Bewertungen der Studierenden, die etwa 10 % aller Lüneburger*innen ausmachen, anstelle ihrer absoluten Zahlen nur gewichtet entsprechend ihres tatsächlichen Bevölkerungsanteils in die Gesamtbewertung ein, so verschiebt sich das Bild etwas:

Gesamtergebnis

(kumulierte Prozentpunkte, gewichtet)

Wohnen für alle: Der Schlüssel zum gerechten Wohnen

Bunt ist das neue Grün: mehr Biodiversität auf Lüneburgs Grünflächen

Work and not travel: Lokal arbeiten in Lüneburg

#WohnenFürAlle liegt dabei in allen drei Kategorien – Wichtigkeit, Beitrag zur Zukunftsfähigkeit und Dringlichkeit – vor allen anderen Lüneburger Lösungen und schneidet schon ohne Kumulation der positiven Bewertungen, d. h. wenn nur die Extremwerte “sehr wichtig” und “ganz entscheidend” betrachtet werden, als Gewinner ab. Das heißt, auch wenn knapper Wohnraum natürlich auch für Studierende ein Problem ist, hat dieses Thema für die nicht (mehr) studierenden Lüneburger*innen offenbar eine noch viel größere Bedeutung.

Das Gesamtergebnis nach Punkten haben wir in der folgenden Grafik einmal zusammengestellt.

Ergebnis nach Schwerpunkten

Um die Lösungsvorschläge besser kommunizierbar und zugleich Schnittmengen deutlicher sichtbar zu machen, hatten wir die 17 #LüneburgerLösungen im Rahmen der Aktion #LüneburgGehtWeiter zu vier Schwerpunktbereichen zusammengefasst. Sortiert man die Lösungsvorschläge innerhalb dieser Schwerpunkte einmal nach der Bewertung der Dringlichkeit (d. h. nach der Frage, welche der Lüneburger Lösungen zuallererst umgesetzt werden sollen), bestätigen sich einige der Ergebnisse aus der Gesamtbetrachtung, teils rücken aber auch weitere Maßnahmen in den Fokus.

Hier leben und hier bleiben:

  1. #WohnenFürAlle (11 % der Nennungen)
  2. #LokalArbeiten (10 % der Nennungen)
  3. #Wohnprojektekontor (5 % der Nennungen)
  4. #Medienkompetenz (2 % der Nennungen)

Grün und zukunftsfähig

  1. #Ernährungsrat (8 % der Nennungen)
  2. #Klimaanpassung (6 % der Nennungen)
  3. #GrünWirdBunt (6 % der Nennungen)
  4. #Grünoasen (6 % der Nennungen)
  5. #Quartierstrom (4 % der Nennungen)

Lokal einkaufen und mobil sein

  1. #DasRadBringts (9 % der Nennungen)
  2. #Lieblingsplätze (7 % der Nennungen)
  3. #GrünerGiebel (7 % der Nennungen)
  4. #LüneburgMaps (3 % der Nennungen)

Füreinander und miteinander

  1. #EhrenamtVernetzen (6 % der Nennungen)
  2. #Servicestelle (4 % der Nennungen)
  3. #Ganztagsschule (4 % der Nennungen)
  4. #Werkzeugkasten (3 % der Nennungen)

Und nun?

Klar ist: Auch wenn es #LüneburgerLösungen gibt, die ganz klar vorn liegen, verschiebt sich das Ergebnis je nach Betrachtung mal in die eine, mal in die andere Richtung. Offensichtlich haben also die zahlreichen Beteiligten des Projekts Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ mit ihren Ideen und Vorschlägen die Themen getroffen, die den Lüneburger*innen für ihre Zukunft wirklich von Bedeutung sind.

Jetzt heißt es: Nägel mit Köpfen machen. Maßnahmen, die hoch bewertet, in ihrer Entwicklung weit vorangeschritten und/oder von vielen Akteur*innen getragen werden, also auf den Stärken Lüneburgs aufbauen, sind Bestandteil des Antrags um Weiterförderung in Phase III des Wettbewerbs Zukunftsstadt. Neben Lüneburg bewerben sich noch 22 weitere Kommunen und regionale Zusammenschlüsse um die weitere Förderung, d. h. um die Möglichkeit, die entwickelten Ideen ab 2019 im Rahmen sogenannter Reallabore umzusetzen. Bis Ende 2018 sollen voraussichtlich acht dieser Bewerbungen den Zuschlag erhalten – der Wettbewerb, der im Jahr 2015 mit rund 160 Teilnehmern gestartet war, geht damit also in die richtig heiße Endphase!

Die Lüneburger Reallabore können sowohl einzelne Lösungen beinhalten (z. B. #GrünWirdBunt ) als auch ein Pilotprojekt, das mehrere Lösungen einbezieht (z. B. #Servicestelle , #EhrenamtVernetzen , #Werkzeugkasten und #Ganztagsschule , also den Bereich Füreinander und miteinander). Reallabore liefern z. B. Antworten auf Fragen wie diese: Was ändert sich an der Wohnraumsituation in Lüneburg, wenn das #Wohnprojektekontor ein Jahr lang als Auskunftsstelle zur Verfügung steht, um Möglichkeiten des “(anders) Wohnens” bekannter machen? Und wie muss ein solches Kontor aussehen, wenn es langfristig sowohl für Wohnraumsuchende als auch für Anbieter*innen von Wohnraum gedacht ist, die ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und #WohnenFürAlle machbar machen wollen? Oder: Funktioniert der Lüneburger Wochenmarkt anders oder besser, wenn man den Lüneburger*innen einmal für eine Testphase von sechs Wochen eine Zulieferung der dort gekauften Waren per Lastenrad anbietet (und für diese Zeit den Autoverkehr vom Marktplatz fernhält)? Ein solcher Versuch liefert erste Anhaltspunkte für die tatsächliche Umsetzbarkeit der Lösung #DasRadBringts . Oder auch: Welche Variante der CO2-Kompensation wird von den Lüneburger*innen bevorzugt: der direkte Ausgleich z. B. beim Kauf der klimaneutralen, aber etwas teureren Praline (der “Klimaline”) oder die offene, aber regelmäßige Kleinspende (z. B. per Gutscheinbon beim Einkaufen im Supermarkt) an lokale Klimaschutzprojekte? Und welche Variante hat hier die größten tatsächlich messbaren Klimaschutzeffekt? Unter der Überschrift #GrünerGiebel sollen auch diese Fragen ab 2019 im Rahmen eines Reallabors beantwortet werden.

Die Reallabore bilden das Grundgerüst für die dritte Phase des Projekts Zukunftsstadt Lüneburg 2030+. Allen Reallaboren gemeinsam ist ein vorab definierter Zeitrahmen, ein tatsächlich existenter “Ort” in Lüneburg, an dem das Experiment methodisch und geplant durchgeführt werden soll, sowie eine leitende Fragestellung. Die tatsächliche Ausgestaltung und Umsetzung der Reallabore sind Sache der mitwirkenden Akteur*innen aus Hansestadt, Universität und Stadtgesellschaft. Die Details können sich also durchaus von Reallabor zu Reallabor unterscheiden: Ist “der Ort”, der als Labor fungieren soll, ein Büro, eine Nachbarschaft, ein Quartier oder die ganze Stadt? Wiederholt man das Experiment mehrfach unter gleichen Bedingungen oder probiert man es einmal an verschiedenen Orten aus? Braucht die Laborsituation mehrere Jahre, um zu wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen zu gelangt oder reicht eine Testphase von einigen Wochen oder Monaten hierfür aus? Diese Details werden teils bereits jetzt, spätestens aber zu Beginn der Phase III im Projekt Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ ausgearbeitet, sodass die Umsetzung dann zügig beginnen kann. Am Ende jeder Laborphase steht im besten Fall die Erkenntnis “Wir haben das Prinzip verstanden” und das Ergebnis “Das Experiment funktioniert tatsächlich in der realen Welt”. Mit dem so generierten Wissen kann die Stadt Lüneburg in Richtung nachhaltiger Zukunft ins Jahr 2030 steuern – auf Seekarten, die wir eigentlich schon kennen, nur eben über ganz neue Routen.

Wir freuen uns, wenn Sie (weiterhin oder ab jetzt) mitsegeln – seien Sie dabei und gestalten Sie die Zukunft von Lüneburg mit!

Das Titelfoto des Lüneburger Salzprahms wurde uns von Morten Strauch für diesen Blogbeitrag zur Verfügung gestellt. Wir danken für die Unterstützung!