Univativ testet: Merkel Phone Light (BlackBerry DTEK50)

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Das BlackBerry DTEK50 wirbt damit eines der sichersten Android Smartphones auf dem Markt zu sein. Wir haben das Telefon, das in ähnlicher ausführung auch bei der bundeskanzlerin in gebrauch ist, für den Studi-Alltag getestet.

Das BlackBerry DTEK50 / Copyright: BlackBerry

Was macht das BlackBerry Smartphone so besonders? Kurz gesagt: das umfassende Sicherheits-Konzept für Hardware und Software in Kombination mit dem Android-Betriebssystem. Hintergrund: 2014 übernahm BlackBerry die Firma Secusmart, die sich auf die Verschlüsselung von mobilen Daten- und Sprachdienste spezialisiert hat und Lieferant für die Bundesregierung für abhörsichere Handys ist.

Weitere Besonderheit: Setzte BlackBerry früher auf ein eigenes, proprietäres Betriebssystem und riskierte so, dass viele Apps mit BlackBerry nicht kompatibel waren, wurde nun auf Android und damit auf eines der gängigen und quellenoffenen Systeme umgestellt.

Klingt gut? Dachten wir uns auch – und bestellten uns deshalb ein Testgerät. Es folgt: Unser Testbericht.

Benutzung

Nachdem wir von BlackBerry ein Testgerät angefordert hatten, erhielten wir ein DTEK50. Leider war das Gerät noch mit dem Account unseres Vorgängers verknüpf und durch eine PIN gesichert. Nachdem wir zehnmal eine beliebige PIN eingegeben hatten (wovon keine die richtige war) löschte das Smartphone alle auf sich befindlichen Daten. Automatisch. In der Hand hielten wir nun einen 135 Gramm Briefbeschwerer mit den Abmessungen 147 x 72,5 x 7,4 Millimeter. Erster Test Diebstahlschutz: bestanden.

Alles im Grünen Bereich sagt die App – (C) Christopher Bohlens

Für den zweiten Versuch bekamen wir ein neues Gerät zugeschickt, welches nach dem ersten Einschalten zunächst mit einem Google Account verbunden werden wollte, um alle Funktionen nutzen zu können. Bildschirmsperre und Start-Up-PIN legten wir anschließend selbst fest.

Schließlich wurden über WLAN die BlackBerry-Apps installiert und ein 1,5 GB System-Update durchgeführt. Nach einer Dreiviertelstunde war das Smartphone endlich einsatzbereit, nebenbei wurden noch ein paar App-Updates geladen.

Software macht den Unterschied

Während andere Smartphones mit Android-Betriebssystem von den Herstellern oft schon nach einem Jahr nicht mehr regelmäßig mit Updates und Sicherheitspatches versorgt werden, erhalten die BlackBerry-Geräte diese Updates immer direkt von Google.
Hinzu kommt, dass der Zugriff von Apps auf Kamera, Kontakte, Mikrofon, Ort, SMS, Telefon, Speicher usw. immer manuell bestätigt werden muss. Für erhöhte Sicherheit sorgt außerdem die Möglichkeit Apps auf Betriebssystem-Ebene je nach Bedarf einschränken zu können, ein Produktionsprozess der besonderen Sicherheitsbestimmungen unterliegt, ein speziell gesicherter Boot-Prozess, der überprüft, ob Manipulationen vorliegen und ein speziell gehärteter Linux-Kernel, um Angriffsvektoren zu minimieren.

Jeder App müssen erst einmal Berechtigungen erteilt werden – (C) Christopher Bohlens

 

Sicherheit bis in den Kern

Sicherheitszentrale

Zentralen Stellenwert nimmt die App „DTEK by BlackBerry“ ein. Diese zeigt den aktuellen Gerätesicherheitsstatus in Form eines Tachos an. Hierbei spielen die Apps und Berechtigungen, die App-Websites, das Betriebssystem, eine Bildschirmsperre, die Datenverschlüsselung, mögliche Entwickleroptionen, Überprüfung der Gerätehardware, die Integrität des Betriebssystems usw. eine Rolle. Sobald sich eine Einstellung ändert, wird man informiert, indem ein erläuternder Text angezeigt wird und Maßnahmen empfohlen werden.

Zusätzlich wird im Hintergrund überwacht, ob Apps möglicherweise Screenshots machen, das Mikrofon einschalten oder einen Anruf tätigen. In diesem Fall schickt das Gerät seinem Besitzer eine Mitteilung in Form einer Push-Up auf die Oberfläche.

DTEK App sagt: alles ist in Ordnung – (C) Christopher Bohlens

Nicht mehr 100 %tig in Ordnung

Eigenheiten

Natürlich bleibt bei so viel Sicherheit nicht aus, dass die Benutzung teilweise eingeschränkt wird. Beispielsweise lässt sich nicht mal eben ein alternativer App-Store wie der Amazon Underground installieren. Wenn man die Datei (APK) herunterlädt, erscheint eine Fehlermeldung, dass die Datei nicht geöffnet werden kann. Bei einem Aufruf der Webseite zur Installation der App wies uns das Gerät dann darauf hin, dass erst der Zugriff auf solche Dateien eingerichtet werden muss, da die Datei aus unbekannten Quellen komme. Warnungen wie „Dateien dieses Typs können Schäden auf Ihrem Gerät verursachen“ verunsichern zusätzlich. So war die Installation der App schließlich nur nach Konfigurationsänderungen und einem Neustart des Smartphones möglich.

Problem wird angezeigt, es gibt auch andere Quellen als den Google Play Store

Auf unserem Testgerät läuft derzeit das Android Betriebssystem in der Version 6.0.1. Ende Juni war noch immer die Android-Sicherheitspatch-Ebene vom 05.05.2017 aktiv – obwohl bereits von Google und BlackBerry eine neuere Version freigegeben worden ist. Auch mittels manueller Suche lies sich das DTEK50 nicht zur Installation der neuen Version überreden.

Spezielle Features

  • Nach der Installation von Apps können vom Nutzer individuell Rechte für die einzelnen Apps vergeben werden. Hierzu wird direkt zum ersten Start der App nach den Zugriffsrechten auf Standort, Kontakte, Kalender usw. gefragt.
  • Für Nutzer von anderen Android-Geräten oder iOS-Systemen steht ein Assistent zur Inhaltsübertragung bereit, der je nach Betriebssystem vom vorherigen Smartphone Daten und Dateien übertragen kann.
  • Mittels der App „Privacy Shade“ ist es möglich einen Bereich auf dem Display hin und herzuschieben, der den Bildschirm nur an bestimmten Stellen ausleuchtet. Dies hat den großen Vorteil, dass alle anderen Bereiche nahezu dunkel bleiben. Dieses Feature soll verhindern, dass Dritte zum Beispiel Nachrichten mitlesen können, wenn das Smartphone auf dem Tisch liegt.

Der BlackBerry Privacy Shade

  • Ein Kennwort-Manager mit dem Namen „Passwort Keeper“ steht zur Verfügung um Kennwörter von Webseiten, Apps oder anderen Dingen zu speichern. Hierbei kann auch ein Zufallskennwort nach Regeln generiert werden und vorhandene Kennwörter werden auf einer Skala nach ihrer Komplexität bewertet.
  • Zudem gibt es den BlackBerry Hub: einen einheitlichen Posteingang für E-Mails, Soziale Medien, Nachrichten, Anrufe, SMS usw.

Die Hardware

Für ein aktuelles Smartphone ist die Hardware zeitgemäß, lässt sich jedoch Features wie einen Fingerabdrucksensor vermissen. Die wichtigsten technischen Rahmendaten sind:

  • 100 % Android
  • Zugriff auf über eine Million Apps auf Google Play
  • 13,2 cm (5,2 Zoll/DTEK50) kratzfestes Display – 424 PPI bei 1920×1080 Pixel Auflösung
  • Qualcomm Snapdragon 617 Octa Core, 64 Bit – Adreno 405, 550 MHz GPU
  • 3 GB RAM, 16 GB Flash
  • Steckplatz für microSD-Speicherkarte (bis zu 2 TB)
  • Anschluss: micro USB
  • Akku: 2.610 mAh 4,4 V fest eingebauter Lithium-Ionen-Akku QC 2.0 – 50 % Aufladung in 51 Minuten
  • Bis zu 17 Stunden Akkulaufzeit bei gemischter Nutzung aller Funktionen
  • Programmierbare Komforttaste
  • 8 Megapixel Frontkamera mit Blitz
  • 13 Megapixel Hauptkamera (rückseitig) mit Autofokus
  • BlackBerry Sicherheit schützt Privatsphäre vor Hackern
  • Abmessungen: Höhe 147 mm, Breite 72,5 mm, Tiefe 7,4 mm
  • Gewicht: 135 Gramm

Fazit

Kennzeichnend für die Oberfläche im DTEK50 sind die zahlreichen Benachrichtigungen, die Möglichkeit Widgets und Verknüpfungen einzurichten und die frei konfigurierbare „Komforttaste“ auf der rechten Seite des Gehäuses. Für die erste Benutzung steht zudem ein Einführungs-Assistent bereit, der die Funktionen vom Smartphone vorstellt.

Der BlackBerry Hub kann alle Kommunikation an einem Ort verwalten – (C) Christopher Bohlens

Die Sicherheitsfunktionen und das Versprechen auf aktuelle Updates machen das Blackberry DTEK50 zu einem besonderen Telefon. Insbesondere in Sachen Update-Bereitstellung können sich hier andere Hersteller eine Scheibe von BlackBerry abschneiden.

Die Funktionen des DTEK50 machen es vor allem für den beruflichen Einsatz besonders geeignet. Hervorzuheben sind auch die guten Beschreibungen der einzelnen Funktionen und Optionen. Nahezu alle BlackBerry-Apps haben eine Einführung und helfen bei der Erst-Einrichtung, weiterhin stehen entsprechende Hilfe-Texte zur Verfügung. Mehrfach wird auch daran erinnert, kein Kennwort wie „1234“ zu verwenden – möglich ist es trotzdem.

Hinweis wenn eine App einen Hintergrundbefehl, hier Screenshot ausgeführt hat – (C) Christopher Bohlens

Der Akku hat eine angemessene Laufzeit und die Kamera eignet sich für Fotos und Videos, stellt jedoch keine Besonderheit dar. Bei schlechten Lichtverhältnissen hat die Kamera Probleme. Das Design ist klassisch in mattem schwarz gehalten, wirkt stabil und wertig, jedoch nicht hochwertig. Die Rückseite ist angeraut und liegt dadurch gut in der Hand. Das DTEK50 lässt sich als schön flach beschreiben. Manchmal stört ein wenig die Gedenk-Millisekunde bei der Benutzung, es könnte ein manches Mal etwas flüssiger laufen in der Bedienung.

Der Straßenpreis liegt bei ca. 250 Euro. Ein neues Display für den Austausch kostet ca. 80 Euro ohne Einbau.

Autor: Christopher Bohlens
(Die Firma BlackBerry stellte für diesen Artikel ein DTEK50 kostenfrei zur Verfügung)