rudirockt in Lüneburg: Protokoll eines kulinarischen Abends
Ausprobiert, Titelblatt

rudirockt in Lüneburg: Protokoll eines kulinarischen Abends

Die WG-Küche erstrahlt in noch nie gesehenem Glanz, der Tisch ist adrett gedeckt, alle Zutaten sind eingekauft und liegen bereit. Es ist der 14.11.2015 und heute Abend findet das running dinner Projekt „rudirockt“ zum zweiten Mal in Lüneburg statt.

Auch wenn die Teilnehmerzahlen mit gut 100 genussbereiten Hobbyköchen noch lange nicht denen der Gründerstadt Aachen gleichen, der Trend hat auch uns erreicht.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Nach der Anmeldung im Zweier-Team und unter Angabe einiger relevanter Daten zur Person, bekommt man – einen Tag vor besagtem Samstag – einen von drei Gängen sowie eine Route zugewiesen. Während man in zwei meist völlig fremden Haushalten entspannt schlemmen kann, bewirtet man zu gegebener Zeit wiederum selbst vier Unbekannte. So kommt man nicht nur in den Genuss von (in der Regel) leckerem, selbst gekochten Essen, sondern trifft ganz nebenbei gleich auch noch 12 neue, nette Leute.

So viel zur Theorie.

16:53 Uhr: Der Wein steht kalt, die Küche ist bereit, der Tisch gedeckt. Vorbereiten tun wir nichts außer uns selbst, man will ja keinen schlechten Eindruck hinterlassen.

17:52 Uhr: Inzwischen hat es sich eingenieselt, aber mein Mitbewohner und ich lassen uns nicht die Laune verderben. Wir sind motiviert. Wir sind hungrig. Und ein bisschen spät dran.

18:06 Uhr: Fast zeitgleich mit dem anderen Team treffen wir bei „Den Kurzen“ ein. Ronja und Charlie, unsere Gastgeberinnen für die Vorspeise, empfangen uns herzlich in ihrer wunderschönen Altbau-WG.

18:24 Uhr: Es ist angerichtet. In gemütlicher Atmosphäre serviert man uns Kürbisquiche an Feldsalat. Bei Wein und Kerzenlicht essen wir zwar sehr gut, aber das Tischgespräch gerät immer wieder ins Stocken. Vielleicht müssen wir alle erst warm werden.

Es ist angerichtet / (c) Louisa Weidemann
Es ist angerichtet / (c) Louisa Weidemann

18:55 Uhr: Uns fällt auf, dass die anderen Teams ihre Gänge vorbereitet haben. Hätten wir das vielleicht auch tun sollen? Wir beschließen, etwas früher zu gehen, um unsere Ausgangslage zu verbessern.

19:22 Uhr: Wir sind wieder Zuhause und so langsam kommen wir in Wallung. In weniger als 25 Minuten sollen unsere Gäste auf der Matte stehen. Es fließen die Tränen – daran ist allerdings nur die Zwiebel schuld. Wird schon, sagen wir uns.

19:53 Uhr: Die Nudeln kochen, die Soße (Weißwein-Senf mit Erbsen und Huhn) ist irgendwo im Prozess. Es klingelt. Zum Glück nehmen es unsere Gäste mit der Pünktlichkeit nicht zu ernst. Wir verwischen hektisch die Spuren des Chaos.

20:11 Uhr: Die Soße will nicht so recht fertig werden. Das Dinner mutiert mehr und mehr zur Live-Cooking Show. Zum Glück hält sich ein angeregtes Tischgespräch über Eventmanagement, das wir vor allem unserem berufstätigen Gast-Duo zu verdanken haben.

20:20 Uhr: Wir können endlich auftischen. Es scheint allen zu schmecken und wir ernten Lob für die angeblich feine Senfnote im Abgang (danke an Penny für deine Köstlichkeiten).

21:24 Uhr: Die Gäste sind weg und die Küche ähnelt einem Schlachtfeld. Wir lassen alles stehen und liegen, denn wir sind schon wieder spät dran. Der dritte Gang wartet!

21:43 Uhr: Einiges an ungeplantem Herumgeirre später, finden wir uns im Dessert-Paradies wieder. Tessa und Johanna beglücken unsere Gaumen mit Schokokuchen, Vanille-Eis und (meinem persönlichen Highlight) schwedischem Zimt-Brötchen. Die Stimmung ist sehr gut und später sind wir uns einig, dass dies der beste Part des Abends war.

23:45 Uhr: Bei all den Geschichten haben wir die Zeit vergessen. Ab 22:30 Uhr hätten wir bei der After-Party im Mälzer der Band Kota Connection zuhören können.

00:01 Uhr: Wir betreten das Mälzer, die Band spielt ihre letzten Töne. Die Meisten sind gerade dabei zu gehen. Ein bisschen schade, aber vielleicht auch gar nicht so schlimm. Immerhin haben wir die Quintessenz der Aktion ausgekostet.

02:50 Uhr: Langsam klingt der Abend aus. Wir trinken die letzten Schlücke unseres Biers, verabschieden uns und treten den Heimweg an.

Wenn ich mir jetzt vorstellen sollte, ich wäre in einer (wahrscheinlich von VOX gecasteten) Dinnershow und müsste eine Bewertung abgeben, würde der Abend 7 von 10 möglichen Punkten bekommen.
Das Essen war gut und aus Studentensicht wahrscheinlich das Beste, was ich seit langem gegessen habe. Wir haben, wie gewünscht, 12 teils sehr unterschiedliche Lüneburger kennengelernt. Es wurde gekocht, spaziert und diniert. Wir haben uns willkommen gefühlt.

Schade fand ich, dass man nur eine relativ kurze Zeit in der jeweiligen Gruppe verbringt. Das Prinzip erinnert ein bisschen an speed-dating. Ist man gerade warm geworden, is(s)t man schon wieder beim Nächsten.

Sollte es nächsten Sommer eine Fortsetzung von rudirockt in Lüneburg geben, sind wir als Team trotzdem auf jeden Fall wieder dabei. Der kulinarische Aspekt und die Vielfalt überwiegen.
Wir haben Blut geleckt und runnig dinner ganz offiziell für uns entdeckt.

Von: Louisa Weidemann

4. Dezember 2015

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Louisa Weidemann Louisa mag Käse, Livemusik und Friedrich Dürrenmatt.


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