Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
Lest diese verdammte Zeitschrift und empfehlt sie gefälligst weiter, denn es ist immer eine Heidenarbeit bis das Ding endlich in den Druck geht!
So wird man ein Editorial ja wohl noch beginnen dürfen. Oder etwa nicht? Nein, eigentlich nicht. Und warum? Weil es unangebracht ist und nicht der Norm entspricht.
Die Gesellschaft klebt uns in vielen Dingen ein imaginäres Pflaster über den Mund. So ist es häufig Gang und Gebe nicht zu sagen beziehungsweise zu schreiben, was einem gerade wirklich durch den Kopf geht. Wahrheiten werden beschönigt oder vollkommen verschleiert und Lügen sind an der Tagesordnung. Denn manche Themen sind einfach völlig tabu. Reißt man die Klappe dann zu weit auf, bringt einem das nicht nur eine Rüge ein – in manch einem Land geht es gleich schnurstracks ins Gefängnis. Getreu dem Motto: Schweigt still und fügt euch!
Auf der anderen Seite stehen die Stammtischparolen – Faust auf den Tisch, denn „das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“. Was Ilse und Heinz jetzt wo sagen oder fragen dürfen, beschreibt Eva Lisa Königshofen in einem kritischen Kommentar zum Thema. In dieser Ausgabe lest ihr außerdem über Menschen und Initiativen, die sich von ihrem imaginären Pflaster gelöst haben. So hat Daria Radler ein exklusiv Interview mit der New Yorker Occupy Bewegung geführt, während Linda Schulzki die Demokratiebewegung in Myanmar aufrollt. Außerdem rücken wir Thematiken in den Vordergrund, die ansonsten gerne unter den Tisch fallen oder als Tabu gebranntmarkt werden. Informiert euch also über verschiedene sexuelle Fetische und lest, warum wir vor Freunden und Familie gewisse Themen nicht ansprechen.
Doch bevor ihr euch ins Lesevergnügen stürzt, werden wir eines ja wohl noch loswerden dürfen: Nirgendwo kann man sich so gut selbst zum Ausdruck bringen, wie in einer Geschichte oder in einem Gedicht. Dementsprechend gibt es jetzt in der Univativ eine neue Rubrik, in der wir ab sofort Kurzgeschichten, Gedichte und Kunst drucken. Wenn also ein kreatives Herz in eurer Brust schlägt, zögert nicht und schickt uns euer Material! In diesem Sinne: Fangt sofort an zu lesen, empfehlt uns weiter und macht gefälligst mit!
Eure Redaktionsleiterinnen, Julia, Linda und Rike


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