Teilprojekt 1 – Ländliche Entwicklung

 

Ausgangspunkte und Problembeschreibung

Ländliche Räume sind vielfältig und unterliegen verschiedenen sozial-ökologischen Transformationsprozessen. Dieser Wandel ist immer auch politisch induziert, wobei es unterschiedliche, sektorale Politiken sind, die die Entwicklung ländlicher Räume steuern. Aufgrund der großen Bedeutung, die der Agrarsektor traditionsgemäß für ländliche Räume hat bzw. hatte, wird mit der Politik für ländliche Räume nach wie vor ein stark landwirtschaftsorientierter Ansatz verfolgt. In der aktuellen EU-Agrarpolitik (Förderperiode 2007 bis 2013) bestimmt die "Verordnung über „die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ (ELER)" die wesentlichen Rahmenbedingungen für die Politik für ländliche Räume.

Um die Entwicklung ländlicher Räume mit einer nachhaltigen Entwicklung in Einklang zu bringen, wird – insbesondere von der europäischen Agrarpolitik – das Multifunktionalitätskonzept verfolgt. Dabei wird anerkannt, dass durch die landwirtschaftliche Produktion nicht allein Waren („food and fibre“), sondern zugleich verschiedene nicht-warenbezogene Leistungen, die „Non Commodity Outputs“ (NCOs), bereitgestellt werden. Diese NCOs dienen vielfach dem Erhalt gesellschaftlich wertgeschätzter ökologischer und sozialer Wesensmerkmale ländlicher Räume (z. B. Erhalt der Agrobiodiversität, Pflege der Kulturlandschaft, Fortführung ländlicher Lebens- und Arbeitsweisen). Insbesondere in Anbetracht des Strukturwandels stellt sich deshalb die Frage, ob und wie Landwirte und Landwirtinnen für die Erzeugung dieser öffentlichen Güter staatlich entlohnt werden sollen.

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Forschungsfragen 

  • Welche Verständnisse in Bezug auf Natur, Politik, Ökonomie, Macht und Herrschaft, Geschlechterverhältnisse, Effizienz-, Suffizienz- und Konsistenzstrategien, Zeit, Wissen und Reflexivität werden in den zentralen politischen Dokumenten zur ländlichen Entwicklung auf EU- und nationaler Ebene (Deutschland und Polen) zugrunde gelegt?   Welche Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse wird darüber implementiert?
  • Welche Positionen lassen sich in Bezug auf das zugrunde gelegte Nachhaltigkeitsverständnis herausarbeiten?
  • Welche Konflikte ergeben sich für die ländliche Entwicklung aus unterschiedlichen und widersprüchlichen Positionierungen und wie wird mit diesen Konflikten umgegangen?
  • Welche gesellschaftlichen Naturverhältnisse bringt eine Politik hervor, die sich am Konzept der Multi-funktionalität orientiert?
  • Welche Ansätze und Maßnahmen ermöglichen die nachhaltige Erhaltung und Gestaltung von Natur als Teil der sozio-ökonomischen Entwicklungen der ländlichen Räume?

 

Qualifizierungsarbeiten

Tanja Mölders

Arbeitstitel der Habilitation: „Die Natur des Ländlichen. Zur Konzeption gesellschaftlicher Naturverhältnisse in ländlichen Räumen“

Annemarie Burandt

Arbeitstitel der Dissertation: „Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse in der ländlichen Entwicklung am Bsp. der nachhaltigen Nutzung von Agrobiodiversität“

Anna Szumelda

Arbeitstitel der Dissertation: „Der Beitrag von Semi-Subsistenzwirtschaft zur nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume. Eine Untersuchung in ausgewählten Regionen Polens“

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