Ausgangspunkte und Problembeschreibung

 

Im Forschungsprojekt „PoNa – Politiken der Naturgestaltung“ analysieren wir die wechselseitigen Beziehungen zwischen Natur und Politik. Wir fragen danach, wie Natur bzw. die vielfältigen Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft durch Politik gestaltet werden. Von besonderem Interesse ist dabei auch der Einfluss ökonomischer Rationalitäten und Mechanismen auf die Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse.

Die Widersprüche und Zielkonflikte, die in Bezug auf die Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse auftreten, werden in den seltensten Fällen zum Gegenstand politischer Aushandlung gemacht. Vielmehr stehen auch in solchen politischen Programmen, die sich explizit dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichten, unterschiedliche Positionen, Annahmen und Rationalitäten unverbunden nebeneinander. Sozial-ökologische Krisen werden so nicht gelöst, sondern zum Teil noch verstärkt.

Im Forschungsprojekt PoNa gehen wir davon aus, dass eine systematische Aufarbeitung der jeweils vertretenen und zugrunde liegenden Natur-und Politikverständnisse notwendig ist, um sozial-ökologische Krisen zu verstehen und Transformationswissen für eine nachhaltige Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse zu erarbeiten. In Bezug auf Natur fragen wir insbesondere danach, inwiefern das Verhältnis von Natur und Gesellschaft als Vermittlungsverhältnis verstanden wird. Unser Ziel ist es, bewusst zu machen, dass Natur das mithergestellte Produkt sozio-ökonomischer Entwicklungen ist. In Bezug auf Politik fragen wir u. a. danach, wer welche Natur – mit Hilfe welcher Technik – zu gestalten vermag. Unser Ziel ist es, demokratische Aushandlungsräume zu identifizieren, in denen diese Fragen diskutiert werden (können).

Ausgehend von einem kritisch-emanzipatorischen Nachhaltigkeitsverständnis untersuchen wir dazu folgende neun Kategorien als konstitutive Elemente nachhaltiger Entwicklung: Natur, Politik, Ökonomie, Macht und Herrschaft, Geschlechterverhältnisse, Effizienz-, Suffizienz- und Konsistenzstrategien, Zeit, Wissen und Reflexivität.

Diese Aufarbeitung wird anhand der beiden Politikfelder Ländliche Entwicklung und Agro-Gentechnik geleistet.

Ziel von PoNa ist es, aus den Forschungsergebnissen Empfehlungen abzuleiten und dabei Inhalte, Strukturen und Prozesse zu beschreiben, die für eine nachhaltige Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse geeignet sind. PoNa leistet damit auch einen Beitrag zur Theoretisierung nachhaltiger Ökonomie und nachhaltiger Politik und trägt so zur Fundierung der Sozial-ökologischen Forschung bei.

Den Schwerpunkt der Analyse und der Gestaltungsvorschläge bildet die Situation in Deutschland und Polen.