Von der Frauen-Frage zum Vorsorgenden Wirtschaften

02.08.2010

Tanja Mölders fragt in ihrem Beitrag nach der Gender-Dimension von Agrarpolitik. Damit untersucht sie ein Politikfeld, das sich – wie alle europäischen Politiken – dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben hat und zugleich konkurrierenden Anforderungen wie der globalen Wettbewerbsfähigkeit genügen muss. In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie deutsche agrarpolitische Akteure die Gender-Relevanz von Agrarreformen einschätzen. Dazu wird eine empirische Untersuchung aus den Jahren 2005 und 2006 vorgestellt. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie die Geschlechterrelevanz agrarpolitischer Maßnahmen von Seiten derer eingeschätzt wird, die Politik beeinflussen und gestalten und entlang welcher Begründungsmuster die unterschiedlichen Positionen vertreten werden. Zur Interpretation der empirischen Ergebnisse wendet die Autorin den von Adelheid Biesecker und Sabine Hofmeister entwickelten Ansatz der (Re)Produktivität an. Damit führt sie ein Konzept ein, das ausgehend von dem Kategorienpaar Produktion und Reproduktion nach der Struktur und Legitimation von Trennungen fragt. Darüber hinaus eröffnet die (re)produktionstheoretische Interpretation eine visionäre Perspektive, indem die kritisierten Trennungen überwunden und in der Kategorie (Re)Produktivität zusammengeführt werden. Das so begründete Nachhaltigkeitsverständnis ermöglicht, die Frage nach den Verbindungen von Geschlechterverhältnissen und Nachhaltigkeit sowie die damit verbundenen Herausforderungen für (Agrar-)Politik neu zu stellen: Welche Konsequenzen hat z. B. die viel beschworene Aufwertung marginalisierter Arbeitsbereiche für das Verhältnis von produktiven und reproduktiven Tätigkeiten? Tanja Mölders schlussfolgert, dass sich hinsichtlich der besprochenen Reformen nicht eindimensional von positiven oder negativen Effekten für Frauen sprechen lässt, sondern diese Diskussion verbunden werden muss mit Fragen nach einer nachaltigen Gestaltung von Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsverhältnissen. Eine (re)produktive Agrarpolitik wäre in diesem Verständnis keine Agrarpolitik speziell für Frauen, sondern eine Agrarpolitik, die die sozial-ökologischen Konsequenzen ihrer Maßnahmen reflektieren würde.

 

Mölders, Tanja (2010): Von der Frauen-Frage zum Vorsorgenden Wirtschaften – eine (re)produktionstheoretische Interpretation empirischer Befunde zur Gender-Dimension von Agrarpolitik. Femina Politica, 19. Jg., H. 1, S. 43-55.

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