Medienproduktion

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Die Medienproduktion ist Teil des sogenannten Kreislaufs der Medienkultur, der sich auf Überlegungen von Stuart Hall (1999, 1973), Richard Johnson (1999, 1986) und Paul du Gay (1997) stützt. Die drei Komponenten des Kreislaufs sind bei Hepp neben der Produktion von materiellen und immateriellen Kulturprodukten deren diskursive Repräsentation und Aneignung (vgl. Hepp, 2005: 138-139). Medienproduktion wird bestimmt von den Elementen Technik, Inhalt und Organisation.


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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] 1 Einordnung des Begriffs

Medienprodukte sind das Ergebnis des engen Zusammenspiels von Inhalt (Content) mit Technik und Organisation. Die Medienproduktion befasst sich mit der Herstellung medialer Vermittlungssysteme (Radio, Fernsehen, Film) von Informationen. Bei der Medienproduktion werden verschiedene Produktionsprozesse durchlaufen: Die Preproduktion (Prozess der Contentplanung und -erzeugung), Produktion (Prozess der Inhaltsanpassung an die unterschiedlichen Systeme), Postproduktion (Prozess der Bearbeitung und Verfeinerung) und Distribution (Prozess der Zugänglichmachung der Inhalte). Dabei spielen Einflussgrößen wie Wirtschaft, Politik, Recht und Gesellschaft ebenfalls eine wichtige Rolle (vgl. Klimsa/Vogt, 2007: 9; vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 18-19).


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[Bearbeiten] 2 Einführung: Wissenschaftliche Perspektiven

Medienproduktion umfasst ein sehr heterogenes Feld und berührt verschiedene wissenschaftliche Teildisziplinen:

  1. Gestaltung und Kunst: Erzeugung, Bearbeitung und Verarbeitung künstlerischer und gestalterischer Elemente
  2. Journalismus und Journalistik: Erstellung und Verbreitung von Nachrichten
  3. Ingenieurwissenschaften: Technische Entwicklung und Konstruktion
  4. Informatik: Eingabe, Verarbeitung und Ausgabe von Daten
  5. Betriebswirtschaftslehre: Ökonomische Organisation der Produktionsfaktoren; Produktions- und Organisationstheorien in Bezug auf Medien
  6. Kommunikationswissenschaften durch Medien vermittelte Kommunikation; Produktions-, Verarbeitungs- und Rezeptionsprozesse; Individual- und Massenkommunikation
  7. Medienwissenschaften Inhalt, Erscheinungsform und Strukturen der Medien; Bedeutung der Medienprodukte hinsichtlich sozialer, politischer, juristischer und weiterer Aspekte

(vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 15-17)

[Bearbeiten] 3 Elemente der Medienproduktion

Die Medienproduktion lässt sich in die drei Phasen Medientechnik, Medieninhalt und Medienorganisation aufteilen.

[Bearbeiten] 3.1 Medientechnik

Der Begriff Medientechnik ist ein zusammengesetzter Begriff und bezieht sich auf die Nutzung von Technik in Bezug auf Medien.

Krömker und Klimsa (2005) haben folgende Definition für Technik: Bei Technik handele es sich um die „Gesamtheit der Mittel, Verfahren und Maschinen, die dazu dienen, die Natur dem Menschen nutzbar zu machen.“

Die Technik für einen Film wird beispielhaft wie folgt von ihnen definiert: Filmtechnik umfasst „sämtliche Mittel, Verfahren und Maschinen […] die bei der Erstellung und Projektion eines Films zum Einsatz kommen" (Krömker/Klimsa, 2005: 65).

[Bearbeiten] 3.1.1 Technik und Medien

In diesem Abschnitt geht es um den Einfluss, den Technik und technische Möglichkeiten auf unterschiedliche Medien ausüben. Einfluss auf Entstehung von Medien: Durch die Entwicklung neuer technischer Funktionen und Geräte werden erst die Voraussetzungen für das Entstehen neuer Medien geschaffen. Moderne Medien kommen ohne Technik nicht mehr aus. Fernsehen, Rundfunk, Telekommunikation oder das Internet konnten nur auf Grundlage zuvor entwickelter technischer Anwendungen entstehen (vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 21f.). Besonders die Erfindung des Buchdrucks und der darauf folgende Aufstieg des Buchs zum Massenmedium zeigt die große Bedeutung und Verbindung zwischen Medien und Technik.


Einfluss auf Genres: Innerhalb bereits bestehender Medien kann technische Entwicklung zur Herausbildung neuer Genres führen. Dies gilt vor allem für tertiäre Medien. Mit Hilfe von Computer- und Animationstechnik haben sich beispielsweise im Film Animationsfilme, bis hin zu vollständig computererstellten Filmen (Toy Story) entwickelt.


Einfluss auf Inhalt: Technik und Inhalt sind eng miteinander verbunden. Technische Aufbereitung ist eine Voraussetzung der medialen Darstellung des Inhalts. Was und wie etwas darstellbar ist, hängt auch von der verfügbaren Technik ab. Besonders beim Film wird das Zusammenspiel von Inhalt und Technik deutlich. Durch bewegliche Kameras können Verfolgungen dargestellt werden, durch den Tonfilm erstmals Gespräche und Töne und auch die technische Entwicklung des Farbfilms beeinflusste und veränderte die Inhalte und Ästhetik der Filme (Krömker/Klimsa, 2005: 69f.). Gerade die Verwendung von modernen Computern als maßgebende Produktionstechnik veränderte den Inhalt von Medien nachhaltig. Die daraus entstehenden Möglichkeiten der Visualisierung zeigen sich beispielsweise bei Fernsehnachrichten, wo bereits mit digitalen Studios (Bluebox) sowie am Computer entworfenen Karten und Grafiken gearbeitet wird (Segeberg, 2004: 458). Auch der Zuschauer kann möglicherweise in Zukunft mit Hilfe neuer Technik interaktiv den Inhalt des Programms beeinflussen.

[Bearbeiten] 3.1.2 Technik und Gesellschaft

Zwischen Gesellschaft und Technik besteht eine Wechselwirkung. Zum einen beeinflusst die Rezeption die Technik. So ist beispielsweise der Teletext auf Grund geringen gesellschaftlichen Bedarfs in Deutschland kaum mehr von Bedeutung. Technische Neuerungen können sich nur durchsetzen, wenn gesellschaftlicher Bedarf besteht. Zum anderen beeinflusst die technische Weiterentwicklung der Medien unter anderem die gesellschaftlichen Kommunikationswege und es können durch den technischen Fortschritt intrakulturelle Konflikte entstehen, wie es etwa die Wissenskluft-Hypothese besagt (vgl. Schwenk, 2002: 69-70).


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[Bearbeiten] 3.2 Medieninhalt

Medieninhalt kann auch als Mediencontent bezeichnet werden. Er beschreibt die inhaltliche Zusammensetzung medialer Produkte. Die redaktionelle Inhaltserzeugung und das Zusammenwirken technischer Systeme sind zentrale Bestandteile der Medienproduktion. Es ist eine enge Verknüpfung von Inhalten mit der Technik sowie der Organisation erkennbar. Technische Veränderungen der Medien führten stets zu ästhetischen Veränderungen (siehe Beispiel Film). Der Inhalt ist meist kulturgebunden und bedarf einer entsprechenden Anpassung (vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 30).

Der Inhalt gestaltet sich je nach dem betreffenden Medium (Print, Hörfunk, Musik, Film, Fernsehen, Internet und Mobilfunk) unterschiedlich, doch nähern sich die einzelnen Mediengattungen technisch, ökonomisch, produktiv, inhaltlich und funktionell langsam einander an (vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 30-33).

Wichtige Begriffe: Vorlage:Anker


[Bearbeiten] 3.3 Medienorganisation

Organisation ist im Zusammenhang das dritte bestimmende Element, da erst der gelenkte Einsatz von Produktionsfaktoren in einem Herstellungsprozess von Inhalt und Technik zu einem Produkt führt (vgl. Krömker/Klimsa, 2004: 21).

Die organisatorische Ausgestaltung der Produktionsprozesse teilt sich in drei Grundformen. Die Mensch-Systeme meinen die soziale Integration von Menschen in Produktionsprozessen, so zum Beispiel die Interaktion von Journalisten in der Redaktion. Mensch-Maschine-Systeme meinen die Integration von Menschen und technischen Systemen der Medienproduktion, zum Beispiel die Interaktion von Journalist und Computer. Die Maschine-Systeme meinen schließlich die Integration von technischen Produktionssystemen unter technologischen Gesichtspunkten, hier sei der computergenerierte Content genannt (vgl. Krömker/Klimsa, 2004: 26). Heute ist es bezogen auf alle Aktivitäten, die unter den Begriff Web 2.0 fallen, auch möglich, von Mensch-Maschine-Mensch-Systemen zu sprechen. Bei diesen Systemen werden vom Produzenten durch Maschinen öffentlich gemachte Inhalte vom Nutzer weiterbearbeitet. Die Rolle des Produzenten hat sich im Laufe der Mediengeschichte stark gewandelt. Für die klassischen Medien wie Buch, Zeitschrift oder Film ist der Produzent weiterhin klar definierbar. Es gibt zum einen den Produzenten des Medieninhalts, den Autor, zum anderen den Produzenten im ökonomischen Sinn, den Unternehmer oder die Produktionsgesellschaft, die den Produktionsprozess leiten und als Verbindung zwischen der künstlerischen Medienproduktion und ökonomisch orientierter Distribution dienen (vgl. Faulstich, 2002: 260). Das Internet erlaubt die klare Trennung von Nutzer und Produzent jedoch nicht mehr. Der technische Fortschritt ermöglicht jedem die Rolle des Produzenten einzunehmen, dafür sind weder umfangreiche technische und organisatorische Voraussetzungen zu erfüllen, noch wesentliche Finanzmittel nötig, wie sie etwa ein Fernsehsender bereitstellen muss.

  • Ein aktuelles Beispiel für die Einheit von Produzent und Rezipient ist das [eScript-Projekt des ZDF], bei dem Internetnutzer interaktiv werden können, indem sie online Beiträge zum Drehbuch erarbeiten, welche mit den Sendungsverantwortlichen bearbeitet und in eine Comedy-Serie umgesetzt werden.

Medienunternehmen als wirtschaftliche Organisationen streben die Planung, Vorbereitung, Produktion, Nachbereitung und Distribution von medialen Inhalten an. Von Bedeutung sind dabei auch nationale Gegebenheiten etwa durch staatliche Regulierungen.

[Bearbeiten] 4 Entwicklungen und Trends

Medienprodukte und deren Produktion sind einem steten Wandel unterworfen. Diese Veränderungen werden vor allem durch neue technische Entwicklungen herbeigeführt, wodurch wiederum Inhalt und Organisation eine konzeptionelle Beeinflussung erfahren. So lassen sich einige Tendenzen wie beispielsweise die Internationalisierung und Konvergenz in der Medienproduktion feststellen. Ebenso ist ein Trend zur Regionalisierung und Ausdifferenzierung zu erkennen, die sich teilweise als Folge der medialen Digitalisierung herauskristallisiert haben (vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 25-26, 33-34; Hepp, 2005: 139-146).

[Bearbeiten] 4.1 Konvergenz

Die einzelnen Medien nähern sich sowohl inhaltlich als auch technisch weiter einander an. Die Abläufe und Produktionsprozesse laufen nicht mehr linear ab, sondern können sich überschneiden. Ein Medium soll heutzutage vielfach aus dem Kerngeschäft hinaus verwertbar sein (Mehrwert). Es erfolgt die Aufbereitung des Inhalts in neuen Darstellungsformen (vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 25). Beispiele für Konvergenzen:

  • Film und Fernsehen: Entstehung des Fernsehfilms, Pay-TV-Sender
  • Fernsehen und Internet: Internetfernsehen
  • Hörfunk/Fernsehen und Internet: Bildungssendungen im Internet

(vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 25-26). Siehe auch Cross-Media.

[Bearbeiten] 4.2 Internationalisierung

Bei der Internationalisierung handelt es sich um die technische, inhaltliche und organisatorische Anpassung der Medien an die veränderten Gegebenheiten über Branchen- und Staatsgrenzen hinweg. In Deutschland zum Beispiel orientieren sich die Medienunternehmen mittlerweile verstärkt nach Osteuropa, da die traditionellen Medienmärkte in Deutschland bereits zunehmend gesättigt sind (vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 33-34).

Der mediale Inhalt ist oftmals kulturgebunden. Deshalb muss eine spezifische Vermarktung des Inhalts in den verschiedenen Kulturgebieten stattfinden - vorher hatte Medienkultur vornehmlich eine nationalstaatliche Ausrichtung. Heutzutage gibt es verschiedene kulturelle Gemeinschaften, die nicht auf einem bestimmten Gebiet verankert sind. Es werden geographische Territorien aufgeweicht, eine Aufweichung von kommunikativen Prozessen sowie geografischen und sozialen Territorien findet statt, was Hepp als "kommunikative Deterritorialisierung" (2005: 139) bezeichnet. Viele Medienkonzerne agieren mittlerweile international, um so ihren (Absatz-)Markt auszudehnen. Die Zusammenarbeit von Strukturen aus unterschiedlichen Ländern bei der Produktion lässt nicht mehr ein einzelnes Land bei der Mitwirkung hervortreten (vgl. Krömker/Klimsa, 2005: 33-34; vgl. Hepp, 2005: 139).

Hierbei spielen globale Medienstädte eine wichtige Rolle: Sie sind der Knotenpunkt der Netzwerke deterritorialer Medienproduktion. Sie sind Orte der kulturellen Produktion in der globalen Gesellschaft (vgl. Hepp, 2005: 142-143).

[Bearbeiten] 4.3 Ausblick: Regionalisierung und Ausdifferenzierung

Durch die Angebotsvielfalt der unterschiedlichen Medien müssen die einzelnen Unternehmen reagieren, um ihr Angebot attraktiv zu halten und sich von den anderen Anbietern abzusetzen. Dies geschieht durch die Spezifizierung und Individualisierung der Medienangebote, die sich in der Regionalisierung und Ausdifferenzierung des Angebots ausdrücken. Die Produktion von Nischenprogrammen ist beispielsweise ein Trend in den Medien, ebenso wie die Digitalisierung und Interaktivität.


[Bearbeiten] 5 Literaturverzeichnis

  • du Gay, Paul u. a. (1997): Doing Cultural Studies. The Story of the Sony Walkman. London: Sage.
  • Faulstich, Werner (2002): Einführung in die Medienwissenschaften. Probleme – Methoden – Domänen. München: UTB.
  • Hepp, Andreas (2005): Medienkultur. In: Hepp, Andreas; Krotz, Friedrich; Winter, Carsten (Hrsg.): Globalisierung der Medienkommunikation: Eine Einführung. Wiesbaden: VS, S. 137-161.
  • Klimsa, Paul; Vogt, Sebastian (2007, Januar): Europäische Tagung zur Medienproduktion. [Digitale Bibliothek Thüringen]. Verfügbar über: http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-12734/Europaeische_Tagung_Medienproduktion.pdf [Datum des Zugriffs: 26.02.2008].
  • Krömker, Heidi; Klimsa, Paul (Hrsg.) (2005): Handbuch Medienproduktion. Produktion von Film, Fernsehen, Hörfunk, Print, Internet, Mobilfunk und Musik. Wiesbaden: VS.
  • Segeberg, Harro (Hrsg.) (2004): Die Medien und ihre Technik. Theorien - Modelle - Geschichte. Marburg: Schüren.
  • Schwenk, Johanna (2002): Cyberethik. Ethische Problemstellungen des Internets und Regulierungsansätze aus Sicht der Online-Nutzer. München: Verlag Reinhard Fischer.

Autor(en): Friederike Albrecht, Viola Finger & Lion Grote – Version vom 18.5.2008

Diesen Artikel zitieren:

Albrecht, Friederike; Finger, Viola; Grote, Lion (18.5.2008): Medienproduktion. In: MedienKulturWiki. Verfügbar über: http://www.leuphana.de/medienkulturwiki/medienkulturwiki2/index.php?oldid=608 [Datum des Zugriffs: Tag, Monat, Jahr].
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