Medien
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Der Begriff "Medium" lässt sich vereinfachend mit "Bedeutungsvermittler" übersetzen. Alltagssprachlich werden unter Medien Kommunikationsmittel verstanden. In den Geistes- und Sozialwissenschaften, insbesondere auch den Medien- und Kulturwissenschaften, wird der Begriff Medium uneinheitlich verwendet und umfasst verschiedene Konzepte und Dimensionen. In Medientheorien werden häufig jeweils eigene Medienbegriffe eingeführt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] 1 Eingrenzung des Medienbegriffs
Im Rahmen des MedienKulturWikis wird der Begriff Medium in seiner medien- und kommunikationswissenschaftlichen Bedeutung verwendet. Daneben gibt es noch weitere Bedeutungen des Wortes, die hier zum Zwecke der Abgrenzung angeführt werden sollen.
[Bearbeiten] 1.1 Bedeutungen des Begriffs Medium
Mock (2006: 185) unterscheidet insgesamt sieben "prototypische Bedeutungen":
- die wörtliche Bedeutung, die als Grundlage für weitere Bedeutungen dienen kann:
- "Mitte, Mittleres, Mittelglied",
- "(Hilfs-)Mittel" und
- "vermittelndes (Element)"
- die hier relevante Bedeutung als
- "Kommunikationsmittel", "Einrichtung zur Kommunikation" etc.
- im Spiritismus, Okkultismus und z.T. der Psychologie
- "(Versuchs-)Person", "(Ver-)Mittler"
- zudem die Übersetzung von Medium als
- "Stoff", wobei eine weitere Unterscheidung in die Bedeutung der Physik (Träger von Vorgängen, z.B. Luft als Träger für Schallwellen) und der Versorgungstechnik (zu transportierender Stoff, z.B. Wasser durch Leitungen) erfolgen kann
- und zuletzt
- in der Grammatik ein Genus verbi ("Medium" als dritte Möglichkeit neben "Aktiv" und "Passiv").
[Bearbeiten] 1.2 Medien in den Kommunikations- und Medienwissenschaften
Auch in den Kommunikations- und Medienwissenschaften ist der Begriff nicht klar definiert. Mock (2006: 189ff.) arbeitet Unterscheidungsmerkmale heraus, anhand derer sich eine Unterscheidung in vier Ebenen wie folgt vornehmen lässt. Ein Medium umfasst dabei alle diese Ebenen.
- Medien sind zunächst Mittel von Kommunikation: Sie sind
- Mittel der Wahrnehmung: Hierbei wird der physikalische Aspekt des Medienbegriffs bezeichnet (zum Beispiel Luft als Medium für akustische Schallwellen, elektromagnetische Felder, ...).
- Mittel der Verständigung: Hiermit sind Zeichen und Zeichensysteme gemeint. Mediale Kommunikation ist in diesem Sinne symbolisch vermittelte Interaktion.
- Mittel der Verbreitung: Medien dienen in diesem Sinne der "Übermittlung von kommunikativen Äußerungen über die räumlichen oder (raum-)zeitlichen Grenzen direkter Kommunikation hinaus." (Mock, 2006: 191)
- Neben dieser Rolle als Mittel von Kommunikation umfasst der Begriff Medium aber auch die Form von Kommunikation: Medien sind nicht nur technische Mittler, sondern zugleich ein soziales Phänomen. Der Begriff "Medien" bezeichnet daher auch "spezifische und mehr oder weniger stabile Verwendungsweisen bestimmter Kommunikationsmittel (...) für bestimmte kommunikative Zwecke." (Mock, 2006: 194) Einer Medientechnologie ist ihre Verwendungsweise noch nicht inhärent, diese wird vielmehr im Laufe der Nutzung, Etablierung und Einbindung in den Alltag festgelegt und kann auch Änderungen unterworfen werden.
[Bearbeiten] 2 Verschiedene Definitionsmöglichkeiten
Da es keine allgemein anerkannte Definition des Begriffs "Medium" oder "Medien" gibt, sollen im Folgenden einige unterschiedlich komplexe und weit reichende Definitionen, was unter Medien zu fassen sei, vorgestellt werden. Es wird dabei deutlich, dass der Begriff Medium nicht ausschließlich die reine Medientechnik umfasst, sondern in unterschiedlichem Maße auch die Verwendung dieser Techniken und die sozialen Konstellationen, in denen oder für die Medien eine Rolle spielen. Die folgende Aufstellung orientiert sich an Burkart (2002: 35-46).
[Bearbeiten] 2.1 Primär-, Sekundär-, Tertiär- und Quartärmedien
Harry Pross (1972) schlägt eine mittlerweile vielfach übernommene Gliederung von Einzelmedien in Primär-, Sekundär- und Tertiärmedien vor. Die Unterteilung erfolgt dabei nach dem Grad des Technikeinsatzes. Die Primärmedien sind Menschmedien beziehungsweise Face-to-face-Kommunikation, Sekundärmedien jene Medien, bei denen auf Produktionsseite Technik erforderlich ist, nicht jedoch für die Rezeption, und Tertiärmedien sind jene Medien, bei denen auch für die Rezeption Technik nötig ist. Faßler (1997) erweitert das Modell um die Kategorie der Quartärmedien, worunter er die digitalen Netzmedien fasst. (siehe ausführlicher: Medien/Systematisierung von Medien nach Technikeinsatz)
[Bearbeiten] 2.2 Medien erster und zweiter Ordnung
Kubicek/ Schmid/ Wagner (1997) gliedern Medien in zwei Ordnungen. Die Medien erster Ordnung lassen sich dabei als eine Art Rohform verstehen, die nur die Technik zum Austauschen, Speichern und Abrufen von Botschaften bereitstellen.
- "Sie bestimmen [aber] nicht, was kommuniziert werden soll und welche Bedeutung verschiedene Kommunikationspartner der Bedeutung zukommen lassen sollen". (Kubicek/ Schmid/ Wagner, 1997: 32)
Die gesellschaftlichen Konventionen zum Umgang mit diesen Medien sind noch nicht ausgeprägt; ob sie der Unterhaltung oder der Nachrichtenbeschaffung dienen, dem Öffentlichen oder Privaten, ist noch offen. Medien erster Ordnung haben ein technisches Potenzial, aber noch kein inhaltlich-kulturelles Profil. (vgl. Kubicek/ Schmid/ Wagner, 1997: 32) Beispiele hierfür sind das Telefonnetz, die Satellitenübertragung oder das Internet als Infrastruktur.
Bei den Medien zweiter Ordnung hingegen haben sich um das Medium Institutionen gebildet und die Übertragung ist in hohem Maße konventionalisiert. Das geht in der Regel einher mit einer Aufteilung in Anbieter/Produzent und Nutzer/Reproduzent. Im übertragenen Sinn gießt die Gesellschaft die Medien also in eine Form. Nach Kubicek/ Schmid/ Wagner (1997) geschieht das vor allem, um die Verständlichkeit der Botschaften zu gewährleisten - die um so bedeutender wird, je größer und damit unterschiedlicher das Publikum ist. Das gilt vor allem für Massenmedien wie die Zeitung. Medien zweiter Ordnung bauen auf jenen der ersten auf, so baut zum Beispiel die Online-Zeitung auf dem Internet auf.
[Bearbeiten] 2.3 Doppelnatur der Medien
Ulrich Saxer (1975) erkennt unter Begzugnahme auf die Systemtheorie eine "Doppelnatur des Systems Medium". Demnach sind Medien durch zwei Elemente gekennzeichnet, zwischen denen es enge Zusammenhänge gibt:
- Jedes Medium verfügt über ein bestimmtes kommunikationstechnisches Potential. So zeichnet sich zum Beispiel das Buch durch Materialität, Druck, Schrift, seine Schreib- und Lesefähigkeit sowie weitere Eigenschaften aus (vgl. Saxer, 1975: 209).
- Zudem ist jedes Medium durch dazugehörige Sozialsysteme charakterisiert. Bezogen auf das Buch können das zum Beispiel Autorenorganisationen, Verlage, Sortimente, Lesezirkel sowie eine weitgehend anonyme Lesergemeinde sein (vgl. Saxer, 1975: 209).
So können sich zwei Medien, die auf einer sehr ähnlichen Kommunikationstechnik basieren, hinsichtlich ihrer Sozialsysteme unterscheiden. Das Hardcover-Buch und der Groschenroman basieren beide auf Drucktechnik, versammeln aber dennoch unterschiedliche Sozialsysteme um sich herum. Gleichzeitig können Medien, die auf unterschiedlichen Techniken basieren, ähnliche Sozialsysteme um sich aufbauen: Das Buch und die CD sind technisch sehr unterschiedlich (visuell/akustisch, analog/digital, ...), haben aber vergleichbare Vertriebsstrukturen, die vom Abhol- oder Bestellprinzip geprägt sind.
Medien sind nach Saxer nicht nur danach zu unterscheiden, wie sie sich hinsichtlich ihrer zugrunde liegenden Technik unterscheiden, sondern eben auch hinsichtlich ihrer Institutionalisierung, also danach, "wie Gesellschaften Medien in ihren Dienst nehmen" (Saxer, 1975: 210). Der Begriff des "Mediums" geht damit auch über die bloße Medientechnologie hinaus und umfasst auch ihre Eigenschaft als Institution bzw. Teil der Gesellschaft.
[Bearbeiten] 2.4 Versuch einer Realdefinition
Es gibt zahlreiche Versuche, eine umfassende und prägnante Definition des Begriffs "Medium" oder "Medien" vorzunehmen. Sie erfüllen aber bisher nicht die Anforderungen einer Realdefiniton, also alle zentralen Eigenschaften des Begriffs einzubeziehen und ihn von anderen Begriffen klar abzugrenzen. Relativ weit verbreitet ist der folgende Versuch von Ulrich Saxer, der von Werner Faulstich erweitert worden ist: "Medien sind komplexe institutionalisierte Systeme um organisierte Kommunikationskanäle von spezifischem Leistungsvermögen mit gesellschaftlicher Dominanz." (Saxer; Faulstich zit. n. Burkart, 2002: 44)
[Bearbeiten] 3 Spezielle Medienbegriffe in bedeutenden Medientheorien
In zahlreichen Medientheorien gibt es besondere Medienbegriffe, die unterschiedlich weit oder speziell sein können. Einen sehr weiten Medienbegriff hat zum Beispiel Marshall McLuhan. (siehe auch Medientheorien)
[Bearbeiten] 4 Literaturempfehlungen
- Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. 4. Aufl., Wien: Böhlau. 35-46.
- Mock, Thomas (2006): Was ist ein Medium? In: Publizistik 51; H. 2, S. 183-200.
- Roesler, Alexander; Münker, Stefan (Hrsg.) (2005, Dezember): Was ist ein Medium? Dokumentation einer Tagung. Verfügbar unter: http://www.formatlabor.net/Mediendiskurs. [28. Januar 2008]
- Faulstich, Werner (Hrsg.) (2004): Grundwissen Medien. 5. Aufl. München: Fink.
[Bearbeiten] 5 Literaturverzeichnis
- Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. 4. Aufl., Wien: Böhlau, S. 35-46.
- Faßler, Manfred (1997): Was ist Kommunikation? München: Fink.
- Kubicek, Herbert; Schmid, Ulrich; Wagner, Heiderose (1997): Bürgerinformation und Medieninnovation. Opladen: Westdeutscher Verlag.
- Mock, Thomas (2006): Was ist ein Medium? In: Publizistik 51; H. 2, S. 183-200.
- Pross, Harry (1972): Medienforschung. Darmstadt: Habel.
- Saxer, Ulrich (1975): Das Buch in der Medienkonkurrenz. In: Herbert G. Göpfert u. a. (Hrsg.): Lesen und Leben. Frankfurt a.M.: Buchhändler-Vereinigung.
Autor(en): Stefan Großmann & Jens Gehrke – Version vom 19.5.2010
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