ANALOG III - Verlagsbranche im Wandel

4. Juni 2014

Haben die gedruckte Zeitung und das gedruckte Buch eine Zukunft? Wie gehen Verlage und Redaktionen mit dem digitalen Wandel um? Fragen, über die rund 60 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der Region Niedersachsen im Rahmen der Veranstaltungsreihe ANALOG im Stadtarchiv Lüneburg diskutierten. Auf Einladung des Innovations-Inkubator Forschungsprojekts Hybrid Publishing Lab am Centre for Digital Cultures trafen sich Fachleute aus allen Bereichen der Medienbranche sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger, um sich über die Digitalisierung der Medien auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und den Blick für aktuelle Herausforderungen zu schärfen.

Nach einer Begrüßungrede von Andreas Bernhard, Sprecher des Centre for Digital Cultures, erläuterte Mercedes Bunz, Leiterin des Hybrid Publishing Lab, eindrucksvoll wie tiefgreifend die Veränderungen durch die Digitalisierung für das Verlagswesen sind. Die elektronischen Alternativen stellen das gedruckte Wort vor einzigartige Herausforderungen und das klassische Druckgewerbe gerät in Bedrängnis. Dennoch, so Bunz, bieten Technologien wie Print-On-Demand und Onlinevertrieb auch viele neue Chancen.

 Auf diese Herausforderungen und Chancen ging Ulrike Teschke, kaufmännische Leiterin der ZEIT Verlagsgruppe, in ihrer Keynote-Rede am Beispiel des ZEIT Verlags ein. „In Zeiten der Digitalisierung wächst der Bedarf an Einordnung und Orientierung. Das bietet neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle“, so Ulrike Teschke. Was sie für unerlässlich hält: Verlage sollten weiterhin auf Qualität achten, die neuen journalistischen Möglichkeiten ausschöpfen und die Vielseitigkeit bei den Geschäftsmodellen gewinnbringend nutzen. Im anschließenden Podiumsgespräch „Digital oder gedruckt? Die Zukunft der Holzmedien“ diskutierten unter anderem Ulrike Teschke und Peter Bauer, Chefredakteur des Weser-Kuriers, zwei Vertreter der Branchen Druck und Buch. Bauer ist sich sicher: „Wer die Konvergenz zwischen digital und analog nicht hinbekommt, verschwindet vom Markt.“ Das Internet als weites Experimentierfeld biete Chancen, könne aber nicht das gedruckte Papier ersetzen. „Gute Inhalte bringen uns nach vorne“, so Bauer. Eine Meinung, die auch Teschke vertritt.

Ebenfalls auf dem Podium vertreten: Stefanie Thörmer von der Alte Jeetzel – Buchhandlung und Verlag GmbH und Andreas Jörß, Leiter der von Stern’schen Druckerei. Gemeinsam sprachen die Branchenvertreter darüber, wie Unternehmen der Region Nordost-Niedersachsen dem Medienwandel begegnen, aber auch über Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Trotz teurer Experimente in den letzten Jahren sind sich die Gesprächsteilnehmer einig: „Digitale Medien bieten große Möglichkeiten, auch wenn man früher hätte investieren sollen.“
Videos ANALOG I und II

Eindrücke der ersten beiden Ausgaben von ANALOG

Das Kompetenztandem „Hybrid Publishing“ erforscht im Rahmen des EU-Großprojekts Innovations-Inkubator Lüneburg die Auswirkungen der Digitalisierung im Verlagsbereich. Die beteiligten Wissenschaftler haben selbst in traditionellen Medienunternehmen, wie dem Medienhaus Holtzbrinck oder bei den Printmedien DIE ZEIT und Der Tagesspiegel gearbeitet. Während sie an der Leuphana Universität Lüneburg Geschäftsmodelle für die Globalisierung der Wissenschaft durch Open Access eruieren, gewinnen sie tiefe Einblicke in die Hybridisierung der Verlagswelt.