Grünes Licht am Horizont.
Bremen hat ihn. Marburg hat ihn. Cambridge hat ihn. Und in zwei Jahren hoffentlich auch die Uni Lüneburg – echten Ökostrom. Zumindest ist das von der Hochschulleitung geplant. Und ab heute hat das Präsidium dafür die Unterstützung von 637 UnterzeichnerInnen unserer Petition, überwiegend Lüneburger Studierenden. Im Oktober letzten Jahres hatten wir hier die Universitätsleitung in der Online-Petition „Eine nachhaltige Uni braucht nachhaltigen Strom“ aufgefordert, den Stromvertrag der Universität unter ökologischen Kriterien neu auszuschreiben und zu einem echten Ökostromanbieter zu wechseln. Die Unterschriften haben wir Uni-Präsident Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun heute überreicht.
Unsere Forderung
Wir verstehen die 637 Unterschriften als Unterstützung für die begonnene Transformation hin zu einer nachhaltigen Hochschule mit nachhaltigem Strom. Die hohe Resonanz zeigt, wie wichtig das Thema Ökostrom an unserer Uni ist, besonders auch unter den Studierenden.
Aus unserer Sicht sind bei der Ökostrom-Ausschreibung zwei Dinge besonders wichtig: Die Wahl muss auf echten Ökostrom fallen, bei dem ein festgeschriebener Teil des Strompreises in die Investition in neue Anlagen fließt. Etikettenschwindel, wie es beispielsweise bei RECS-zertifiziertem Strom der Fall ist, sollte ausgeschlossen werden. Und es muss sichergestellt sein, dass an der Uni dauerhaft Ökostrom bezogen wird.
Aktueller Stand
Sascha Spoun hat uns bei der Übergabe der Unterschriften signalisiert, dass die Uni einer Ausschreibung für Ökostrom positiv gegenüberstehe. Das Ziel klimaneutrale Hochschule solle nicht allein über Kompensationen, sondern vor allem durch Vermeidung von Treibhausgasen erreicht werden. Derzeit sei die Uni bis Ende 2011 an einen landesweiten Stromvertrag gebunden, der zentral ausgeschrieben wird. Er sehe zwei Möglichkeiten: Zum einen Einfluss darauf auszuüben, dass die landesweite Ausschreibung auf Ökostrom umgestellt werde, zum anderen, dass sich die Uni aus der zentralen Vergabe löse und selbst Ökostrom ausschreibe. Letztere Möglichkeit ist aus Sicht des Präsidenten die realistischere. Zur Zeit sei es aber noch nicht geklärt, ob das tatsächlich möglich ist.

Nun muss die Liebe nur noch den Verwaltungsweg gehen…
Where do we go from here?
Aus unserer Sicht sollte die gesamte Hochschulgemeinschaft dabei einbezogen werden, das Ziel einer nachhaltigen Hochschule zu erreichen. Mögliche Mehrkosten für ökologisch verträglichen Strom müssen wir gemeinsam an anderer Stelle einsparen. Dabei sollten wir Studierende uns aktiv beteiligen und auch beteiligt werden.
Möglichkeiten wie jede und jeder Einzelne an der Uni Energie sparen kann, sollten noch offensiver beworben werden. Ideenwettbewerbe für ökologische Verbesserungsvorschläge sollten ausgeschrieben werden. Auch Energiesparwettbewerbe und –patenschaften können den Stromverbrauch senken. Ein anderer Ansatz wird beispielsweise an britischen Unis vorangetrieben: sogenannte „personal pledges“, also Selbstverpflichtungserklärungen, motivieren Studierende und Mitarbeitende für mehr Engagement in Sachen Energiesparen und Umweltschutz. „EcoRepresentatives“ heißen freiweillige bzw. bezahlte engagierte Studierende an zwei weiteren britischen Unis. Sie sind BotschafterInnen für nachhaltiges Verhalten an ihrer Uni. Ihre Aufgabe ist es, das Umweltmanagement zu unterstützen. Solche Ideen sollten auch für Lüneburg diskutiert werden. Ohne uns Studierende wird das Ziel einer nachhaltigen Hochschule nicht erreicht werden.
Hintergrund – Warum sollte unsere Uni Ökostrom beziehen?
Die Uni Lüneburg hat sich im Bereich nachhaltige Entwicklung einen Namen gemacht. Innerhalb der Hochschule tragen verschiedene Gruppen dazu bei, dass die Uni dem Ziel der nachhaltigen Hochschule näher kommt: Das Präsidium durch den angestoßenen Neuausrichtungsprozess, in dessen Rahmen das Nachhaltigkeits-Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ eingeführt wurde, sowie durch die Stärkung der Nachhaltigkeit im Forschungsbereich.
Im Jahr 2004 wurde unsere Uni nach dem EMAS-Umweltmanagement zertifiziert – als erste Hochschule in Europa. Das Studentenwerk Braunschweig hat die Bio-Mensa eingerichtet, in dem täglich ein vegetarisches Bio-Bericht angeboten wird.
Last but not least: die Studierenden. Das Ökologie-Referat des AStA hat die Nachhaltigkeitsziele der Uni seit Beginn unterstützt – so half es beispielsweise aktiv bei der Einrichtung der Bio-Mensa, es führte eine Kampagne zur Benutzung von Recyclingpapier durch und veranstaltet Filme, Ausstellungen und Diskussionsrunden rund um das Thema Nachhaltige Entwicklung. Und nicht zu vergessen der Leitfaden „Uni, Nachhaltigkeit und du“, dessen zweite Auflage vom Präsidium finanziert wurde und der mittlerweile mit dazu beiträgt, dass die Uni Lüneburg als Pionier in Sachen Nachhaltigkeit bundesweit bekannt wird – mehrere Hochschulgruppen in anderen Städten (z.B. Marburg, Duisburg-Essen, Darmstadt) sind dabei den Leitfaden auf ihre Uni zu übertragen. Der Leitfaden leistet einen Beitrag dazu, dass durch die Sensibilisierung für Energiethemen die Energiekosten der Uni mittel- bis langfristig sinken werden.
Hinzu kommt, dass die Uni Lüneburg weltweit führend mit dem Ziel ist, bis 2012 klimaneutral zu arbeiten. Da ist es nur konsequent, durch den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien und durch Energiesparmaßnahmen einen Großteil der rund 1100 Tonnen CO2, die an der Uni jährlich anfallen, von vornherein zu vermeiden, anstatt sie nachträglich durch teure Zertifikate auszugleichen. Die Tatsache, dass die Uni noch immer Atom- und Kohlestrom von Eon-Avacon bezieht, ist mit dem Anspruch, eine nachhaltige Uni zu sein, nicht vereinbar.
Timo Eckhardt (Netzwerk Klimagerechte Hochschule) und Matthias Schröter (campus.grün Lüneburg)




Februar 11th, 2010 at 15:37
Danke für den Artikel!