29/10 2009

Eine nachhaltige Universität braucht nachhaltigen Strom!

Die Leuphana Universität Lüneburg hat sich im Rahmen des Konzepts zur klimaneutralen Universität ehrgeizige Ziele gesetzt. Ihr Vorhaben, bis 2012 durch Energieeinsparungen und Kompensationen ihren Ausstoß von Klimagasen zu minimieren und auszugleichen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ein bedeutender Baustein ist hierbei die geplante weitere Förderung der Solarenergiegewinnung auf den Hochschuldächern.
Bei der Stromversorgung zeigt sich jedoch, dass zwischen der Vision einer klimaneutralen und nachhaltigen Universität und deren Umsetzung eine Lücke klafft: Obwohl die Hochschule einerseits zur solaren Energiewende beitragen will, bezieht sie weiterhin Strom vom Energiekonzern E.ON Avacon. Dieser wird zu einem Drittel in Atomkraftwerken und zu 45% aus fossilen Energieträgern produziert. Während in den Uni-Fluren das Licht brennt, in Hörsälen der Beamer summt und im Rechenzentrum die Computer arbeiten, fallen an anderer Stelle radioaktiver Abfall und klimaschädliche Emissionen an. Dies schwächt die Glaubwürdigkeit der universitären Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie.
Strom aus Kohle- und Atomkraft ist keine nachhaltige Form der Stromerzeugung, denn:

• Atomkraft ist eine Risikotechnologie. Die Vorfälle in Krümmel machen deutlich, dass auch deutsche Atomkraftwerke erhebliche Sicherheitslücken aufweisen.

• Atomkraftwerke produzieren hochradioaktive Abfälle, für die es noch immer keine sichere Entsorgungsmöglichkeit gibt. Kommenden Generationen werden hochgiftige Stoffe hinterlassen, deren sichere Lagerung letztlich niemand garantieren kann.

• Die Energiegewinnung aus Stein- und Braunkohle belastet das Klima und verschmutzt die Luft.

• Atomenergie und fossile Energieträger sind nicht erneuerbar. Die weltweiten Uran- und Kohlevorräte sind begrenzt und ihr Abbau führt zu verheerenden Umweltzerstörungen.

• Die unflexiblen großen Atom- und Kohlekraftwerke vertragen sich nicht mit der schwankenden Stromerzeugung durch Sonne und Wind und behindern daher eine schnelle Markteinführung erneuerbarer Energien.

Die nachhaltige Alternative ist Strom aus regenerativen Energiequellen. Während andere Universitäten – in Deutschland die Uni Bremen und in Großbritannien die Universitäten Cambridge und Oxford Brookes – bereits Ökostrom beziehen, hinkt die Uni Lüneburg hier hinterher.
Deshalb fordern wir die Hochschulleitung dazu auf, ihrem Anspruch auf Vorbildfunktion auch bei der Wahl ihres Stromanbieters nachzukommen. Sie muss sich gegen die Nutzung von umwelt- und gesundheitsschädigenden Risikotechnologien und für eine nachhaltige Form der Stromversorgung entscheiden. Die Stromlieferverträge sind unter strengen ökologischen Kriterien neu auszuschreiben, und die Universität muss zu einem Ökostromanbieter wechseln!

Verfasst von: Timo Eckhardt (Netzwerk Klimagerechte Hochschule, NOA-Referat des AStA-Lüneburg), Matthias Schröter (campus.grün Lüneburg)

Unsere Petition wurde insgesamt 637 mal unterzeichnet. Vielen Dank für eure Unterstützung!