19/06 2011

Ein kleiner Schritt für eine Uni, aber ein großer Schritt für die Menschheit

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Anti-Atom, Klima, Nachhaltige Hochschule | 1 Kommentar

Gemeinsam mit Allen, die sich in den vergangenen Jahren für eine nachhaltige Energieversorgung an der Uni Lüneburg eingesetzt haben, können wir heute einen großen Erfolg feiern: Am Donnerstag gab das Präsidium bekannt, dass alle Standorte der Uni ab Januar 2012 zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt werden sollen! Den Zuschlag erhielt der Hamburger Ökostromlieferant LichtBlick AG. Die entsprechende Pressemitteilung gibt’s hier.

Für eine Umstellung auf Ökostrom hatten sich in den letzten Jahren insbesondere die Umweltkoordination sowie Teile der Professorenschaft im Rahmen des Konzepts zur klimaneutralen Universität eingesetzt. Namentlich seien hier vor allem Irmhild Brüggen, Prof. Dr. Stefan Schaltegger und Prof. Dr. Wolfgang Ruck genannt, denen wir an dieser Stelle für ihr jahrelanges Engagement in Sachen nachhaltiger Energieversorgung an der Uni herzlich danken möchten!
Aufgrund eines landesweiten Stromliefervertrages, der für alle Liegenschaften und Gebäude des Landes Niedersachsen galt, hatte die Universität bei der Wahl ihres Stromanbieters bisher jedoch kaum Handlungsspielräume.

Auch campus.grün Lüneburg forderte im Oktober 2009 zusammen mit dem NOA-Referat des AStA und dem Netzwerk Klimagerechte Hochschule die Hochschulleitung in einer Online-Petition noch einmal dazu auf, die Stromlieferverträge unter strengen ökologischen Kriterien neu auszuschreiben und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. Mit 637 Unterzeichnern konnten wir dem Präsidenten damals deutlich machen, wie wichtig das Thema nachhaltige Stromversorgung an unserer Uni ist, besonders auch unter den Studierenden. Bei der Übergabe der Unterschriften signalisierte Herr Spoun, dass die Hochschulleitung einer Ausschreibung für Ökostrom positiv gegenüberstehe.

Nun hat sie ihre Bereitschaft also in die Tat umgesetzt. Wir möchten der Hochschulleitung zu dieser wichtigen Entscheidung auf dem Weg zu einer nachhaltigen Hochschulen herzlich gratulieren! Sie reiht sich damit ein in eine wachsende Zahl von Universitäten, die sich ihrer gesellschaftlichen Vorbildfunktion im Bereich nachhaltiger Entwicklung bewusst werden und auch bei der Wahl ihres Stromanbieters Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.

Where do we go from here?
Die Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist ein wichtiger Schritt, um die Stromversorgung ökologisch verträglicher zu gestalten. Um das langfristige Ziel einer klimaneutralen und nachhaltigen Universität zu erreichen, sind jedoch weitere Schritte nötig – an der Uni Lüneburg vor allem in Richtung Energieeinsparung und Energieeffizienz. Aus unserer Sicht sollte die gesamte Hochschulgemeinschaft dabei einbezogen werden. Möglichkeiten wie jede und jeder Einzelne an der Uni Energie sparen kann, sollten noch offensiver beworben werden. Ideenwettbewerbe für ökologische Verbesserungsvorschläge sollten ausgeschrieben werden. Auch Energiesparwettbewerbe und –patenschaften können den Stromverbrauch senken. Ein anderer Ansatz wird beispielsweise an britischen Unis vorangetrieben: sogenannte „personal pledges“, also Selbstverpflichtungserklärungen, motivieren Studierende und Mitarbeitende für mehr Engagement in Sachen Energiesparen und Umweltschutz. „EcoRepresentatives“ heißen freiweillige bzw. bezahlte engagierte Studierende an zwei weiteren britischen Unis. Sie sind BotschafterInnen für nachhaltiges Verhalten an ihrer Uni. Ihre Aufgabe ist es, das Umweltmanagement zu unterstützen. Solche Ideen sollten auch für Lüneburg diskutiert werden. Ohne uns Studierende wird das Ziel einer nachhaltigen Hochschule nicht erreicht werden.

Timo Eckhardt (ehemals NOA-Referat des AStA der Uni Lüneburg und Netzwerk Klimagerechte Hochschule) und Matthias Schröter (ehemals campus.grün Lüneburg)


29/10 2010

Lüneburg steigt aus. Was ist mit deiner WG?

Beitrag von: Matthias Schröter | gespeichert unter Anti-Atom, Klima, Politik in Lüneburg | 1 Kommentar

Vor ein paar Tagen ist die Kampagne www.lueneburg-steigt-aus.de gestartet. Wir, junge Grüne und die Grüne Jugend aus Lüneburg, wollen erreichen, dass möglichst viele Menschen auf Ökostrom umsteigen. Wir beobachten, dass auf der einen Seite im Moment eine hohe Wechselbereitschaft da ist, dass es aber viele Menschen gibt, die diesen Schritt noch nicht gegangen sind.

Wie sieht es bei dir aus? Ist deine WG schon auf Ökostrom umgestiegen? Im Heinrich-Böll-Haus in der Katzenstraße gibt es Aufkleber, mit denen ihr zeigen könnt: “Strom ohne Kohle und Atom – Wir sind dabei”.

Aufkleber für den Briefkasten


5/05 2010

Mitmachen für den Atomausstieg!

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Anti-Atom, Politik in Lüneburg | 2 Kommentare

Damit aus der 120.000-Menschen-Kette eine Kettenreaktion wird, sollten wir jetzt nicht locker lassen. Es gibt zwei einfache Dinge, die jede/r schnell und einfach tun kann:

a) Campact hat eine Aktion gestartet, die sich an die direkt gewählten Bundestagsabgeordneten richtet. Mach bei der Aktion mit und schreibe eine Mail an Eckhard Pols (CDU) und zeige ihm, dass er mit seiner Pro-Atom-Position hier in Lüneburg ziemlich allein da steht.

b) Unterschreibe eine Petition an den Deutschen Bundestag, die sich gegen die geplante Laufzeitverlängerung richtet.

Warum sollte man die Laufzeitverlängerung ablehnen? Es gibt viele gute Gründe, die hier nicht noch einmal genannt werden brauchen. Viel interessanter wird es, wenn man sich mal diese beiden Zitate anschaut:

Zitat 1 “Die Kernenergie kann nicht allein die Lösung des Klimaproblems sein; jedoch gibt es keine Lösung ohne Kernenergie, solange eine umweltverträgliche Alternative nicht verfügbar ist. Wer jetzt aus der Kernenergie aussteigen will, gefährdet unser Klima. Wir müssen CO2-freie Alternativen entwickeln und damit eine Energieversorgung ohne Kernenergie erst noch erfinden; nur insoweit kann die Kernenergie als Übergangstechnologie verstanden werden.”

Zitat 2: “Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden kann. Andernfalls werden wir unsere Klimaziele erträgliche Energiepreise und weniger Abhängigkeit vom Ausland, nicht erreichen.”

Man könnte meinen, diese beiden Texte geben ganz gut die aktuellen Positionen der schwarz-gelben Bundesregierung wieder. Bemerkenswert ist, dass zwischen beiden Texten geschlagene 20 (!) Jahre liegen. Zitat 1 stammt aus dem CDU-Umweltprogramm von 1989, Zitat 2 aus dem Koalitionsvertrag vom letzten Jahr. Seit nun mehr als 20 Jahren will uns die CDU Atomkraft als Brückentechnologie verkaufen. Wir kaufen’s ihr aber nicht ab!


4/05 2010

Interview beim Katerfrühstück.

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Anti-Atom, Politik in Lüneburg | 1 Kommentar

Das Radiointerview mit campus.grün Lüneburg zur KettenReAktion gibt’s jetzt als Podcast zum Nachhören… Am 23.4.2010 war Anna von campus.grün zu Gast beim Katerfrühstück auf Radio Zusa, der Radiosendung direkt vom AStA-Radioreferat. Die letzte Sendung findet Ihr hier (Anna im Scream ab 11:55).

Katerfrühstück


28/04 2010

Protest-Renaissance mit Event-Charakter.

Beitrag von: Matthias Schröter | gespeichert unter Anti-Atom, Politik in Lüneburg | 1 Kommentar

Von Escheburg bei Geesthacht haben wohl noch nicht allzu viele Leute gehört, aber an diesem Samstag ist es das Ausflugziel von vielen hundert Menschen. Escheburg liegt auf der Strecke für die Menschenkette zwischen den AKWs Krümmel und Brunsbüttel. Dass diese Kette über 120 Kilometer um 14:30 Uhr wirklich stehen wird, daran haben wohl nicht nur wir Zweifel, als wir am Samstag morgen losfahren.
Um 10 Uhr gibt es die erste (wirklich als solche angemeldete) kleine Demo: 200-300 Menschen fahren von Lüneburg aus mit dem Rad in die Elbtalaue, in Richtung AKW Krümmel und zeigen, dass Fortbewegung auch anders geht. Nach etwas mehr als 30 Kilometern kommen wir vor dem Ortseingang von Geesthacht an. Hier herrscht auf einer Wiese, die ein Bauer zur Verfügung gestellt hat, Festivalstimmung: gut, die Musik fehlt, aber parkende Autos und Fahrräder auf staubigem Grün, Dixie-Klos, Essensschlangen und in der Sonne liegende Menschen haben Event-Charakter. Eine friedlich-fröhliche Stimmung. Eine Polizistin wird später mit den Worten zitiert: „Wenn der Anlass nicht so ernst wäre, könnte man von einem riesigen Straßenfest sprechen.“ Stimmt, der Anlass ist ernst, schließlich geht es darum, ob unsere Gesellschaft weiterhin auf eine Risikotechnologie setzt, die lebensgefährlichen Atommüll produziert, und bei der katastrophale Unfälle durch menschliches oder technisches Versagen nicht vollständig ausgeschlossen werden können. Und dennoch diese Freundlichkeit und die Familienfest-Atmosphäre. Verbitterung und Trotz, die im herbstlichen Gorleben zu spüren sind, weichen hier der frühlingshaften Freude darüber, dass wir so viele sind. Sie weichen dem Spaß an der Eigentümlichkeit dieser wahnsinnigen Idee, eine unüberschaubar lange Menschenkette zu bilden.

Straßenfest in Escheburg

Halb zwei macht sich dann leichte Verwirrung breit: wo soll es lang gehen und wie werden diese vielen Menschen nun aufgeteilt? Es geht zunächst die Landstraße hinein nach Escheburg, von wo aus es wieder zurück und dann doch wieder hinein geht. So ganz klar ist es nicht, wo noch Menschen gebraucht werden An vielen Orten stehen schon Leute und warten auf ihren Einsatz, anderswo klaffen noch große Lücken.
Fünf Minuten vor dem geplanten Schluss der Kette geht es dann los: auf dem Mittelstreifen der Dorfstraße sammeln sich die Menschen und siehe da: wir sind so viele, dass wir uns problemlos an den Händen fassen können. Mitgebrachte Transparente und Bänder können im Rucksack bleiben. Für eine halbe Stunde gibt es nun horizontale und vertikale La-Olas, klatschen, hüpfen und pfeifen, Hubschraubern winken, eine Menge Spaß also.

Menschenkette bei Escheburg

Dass die Kette mit phänomenalen 120.000 Menschen wirklich geschlossen war, erfahren wir erst, als wir in Krümmel beim AKW zur Abschlussdemo angekommen sind. Das ist die größte Demo in Deutschland überhaupt seit vielen Jahren und der größte Anti-AKW-Protest seit den 70er Jahren. Fest steht: Wer auch immer versuchen sollte, am Atomausstieg zu rütteln, wird sich wohl ziemlich viel Ärger einhandeln.

Krümmelmonster

Ein Video zur Menschenkette gibt es bei graswurzel.tv.

Subkontur berichtet, dass auf dem 4,5 km langen “Lüneburger” Abschnitt etwa 5000 Menschen mitgemacht haben.


Auf unserem Blog veröffentlichen wir verschiedene Arten von Beiträgen. Unter dem Autorennamen “campus.grün Lüneburg” werden Beiträge verfasst, die die Meinung der gesamten Gruppe widerspiegeln. Unter anderen AutorInnen-Namen werden Einzelbeiträge verfasst, die die Meinung der Autorin/des Autors wiedergeben. Dazu gehört dieser Beitrag.


22/03 2010

Jeder Meter zählt.

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Anti-Atom | 1 Kommentar

Komm mit zur Menschenkette am 24. April zwischen den AKWs Brünsbüttel und Krümmel. campus.grün Lüneburg wird sich beteiligen. Weitere Infos folgen…


22/02 2010

Einmischung und Möglichkeiten.

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Allgemein, Anti-Atom, Bildung, Klima, Konsum, Nachhaltige Hochschule, Politik in Lüneburg | 1 Kommentar

Seit einem Jahr gibt es die grüne Hochschulgruppe campus.grün Lüneburg – Zeit für eine kleine Bilanz und einen Ausblick.

Wer sind wir und was machen wir?

Wir sind Studierende an der Uni Lüneburg, die sich für grüne Politik interessieren. Kuwis, Uwis und Wisos haben sich hier zusammengefunden, um sich für eine nachhaltige Hochschule einzusetzen, politische Bildungsarbeit zu machen, miteinander zu diskutieren und sich einzumischen.

Unsere Themen bisher: Nachhaltigkeit auf dem Campus, soziale Bildungspolitik, Atompolitik und anderes.

Ganz konkret haben wir

… mit Sven Giegold und Jan Philipp Albrecht, die jetzt beide im Europaparlament sitzen, über die Idee des Green New Deal und die Rechte des Europaparlamentes auf gut besuchten Diskussionsveranstaltungen gesprochen.

… den Film „The Corporation“ gezeigt und eine kleine Weihnachtsgeschenkebörse organisiert

… gegen die Veranstaltung einer Schnitzelmeisterschaft in Lüneburg argumentiert

… mit Jochen Stay von .ausgestrahlt über die Atompolitik nach der Bundestagswahl gesprochen

637 Unterschriften für Ökostrom an der Uni Lüneburg gesammelt und diese dem Präsidenten übergeben

… bei der Großdemo im September in Berlin für den Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert

… zu Ostern auf das Problem Käfighaltung hingewiesen

… die DirektkandidatInnen aus dem Wahlkreis Lüneburg-Lüchow-Dannenberg zur Bundestagswahl nach ihren Vorhaben gefragt.

… uns im Rahmen der Bildungsstreikwelle kritisch mit den Folgen des Bologna-Prozesses in der deutschen Hochschullandschaft auseinandergesetzt und dazu eine Stellungnahme verfasst

Es gibt noch viel mehr zu tun. Studis an der Uni für grüne Themen begeistern, die Mensa dazu drängen keine gefährdete Fischarten anzubieten. Den Datenschutz an unserer Uni kritisch unter die Lupe zu nehmen. Politik in Lüneburg kritisch begleiten. Für den Atomausstieg mobilisieren. Für das Studierendenparlament kandidieren. Was fällt euch noch ein?

Wir brauchen Nachwuchs!

Einige von uns sind am Ende ihres Studiums angelangt und jetzt seid ihr gefragt. Wie wollen wir die Hochschule gestalten? Kommt zu unserem nächsten Treffen am 1. März, 18 Uhr ins PONS am Stint und macht mit!
Per Mail erreicht ihr uns über campus.gruen @ uni-lueneburg.de. „Einmischung ist die einzige Möglichkeit, realistisch zu bleiben“, hat Heinrich Böll gesagt. Recht hatte er.


9/02 2010

Grünes Licht am Horizont.

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Allgemein, Anti-Atom, Klima, Nachhaltige Hochschule | 1 Kommentar

Bremen hat ihn. Marburg hat ihn. Cambridge hat ihn. Und in zwei Jahren hoffentlich auch die Uni Lüneburg – echten Ökostrom. Zumindest ist das von der Hochschulleitung geplant. Und ab heute hat das Präsidium dafür die Unterstützung von 637 UnterzeichnerInnen unserer Petition, überwiegend Lüneburger Studierenden. Im Oktober letzten Jahres hatten wir hier die Universitätsleitung in der Online-Petition „Eine nachhaltige Uni braucht nachhaltigen Strom“ aufgefordert, den Stromvertrag der Universität unter ökologischen Kriterien neu auszuschreiben und zu einem echten Ökostromanbieter zu wechseln. Die Unterschriften haben wir Uni-Präsident Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun heute überreicht.

Unsere Forderung

Wir verstehen die 637 Unterschriften als Unterstützung für die begonnene Transformation hin zu einer nachhaltigen Hochschule mit nachhaltigem Strom. Die hohe Resonanz zeigt, wie wichtig das Thema Ökostrom an unserer Uni ist, besonders auch unter den Studierenden.
Aus unserer Sicht sind bei der Ökostrom-Ausschreibung zwei Dinge besonders wichtig: Die Wahl muss auf echten Ökostrom fallen, bei dem ein festgeschriebener Teil des Strompreises in die Investition in neue Anlagen fließt. Etikettenschwindel, wie es beispielsweise bei RECS-zertifiziertem Strom der Fall ist, sollte ausgeschlossen werden. Und es muss sichergestellt sein, dass an der Uni dauerhaft Ökostrom bezogen wird.

Aktueller Stand

Sascha Spoun hat uns bei der Übergabe der Unterschriften signalisiert, dass die Uni einer Ausschreibung für Ökostrom positiv gegenüberstehe. Das Ziel klimaneutrale Hochschule solle nicht allein über Kompensationen, sondern vor allem durch Vermeidung von Treibhausgasen erreicht werden. Derzeit sei die Uni bis Ende 2011 an einen landesweiten Stromvertrag gebunden, der zentral ausgeschrieben wird. Er sehe zwei Möglichkeiten: Zum einen Einfluss darauf auszuüben, dass die landesweite Ausschreibung auf Ökostrom umgestellt werde, zum anderen, dass sich die Uni aus der zentralen Vergabe löse und selbst Ökostrom ausschreibe. Letztere Möglichkeit ist aus Sicht des Präsidenten die realistischere. Zur Zeit sei es aber noch nicht geklärt, ob das tatsächlich möglich ist.

Nun muss die Liebe nur noch den Verwaltungsweg gehen...
Nun muss die Liebe nur noch den Verwaltungsweg gehen…

Where do we go from here?

Aus unserer Sicht sollte die gesamte Hochschulgemeinschaft dabei einbezogen werden, das Ziel einer nachhaltigen Hochschule zu erreichen. Mögliche Mehrkosten für ökologisch verträglichen Strom müssen wir gemeinsam an anderer Stelle einsparen. Dabei sollten wir Studierende uns aktiv beteiligen und auch beteiligt werden.
Möglichkeiten wie jede und jeder Einzelne an der Uni Energie sparen kann, sollten noch offensiver beworben werden. Ideenwettbewerbe für ökologische Verbesserungsvorschläge sollten ausgeschrieben werden. Auch Energiesparwettbewerbe und –patenschaften können den Stromverbrauch senken. Ein anderer Ansatz wird beispielsweise an britischen Unis vorangetrieben: sogenannte „personal pledges“, also Selbstverpflichtungserklärungen, motivieren Studierende und Mitarbeitende für mehr Engagement in Sachen Energiesparen und Umweltschutz. „EcoRepresentatives“ heißen freiweillige bzw. bezahlte engagierte Studierende an zwei weiteren britischen Unis. Sie sind BotschafterInnen für nachhaltiges Verhalten an ihrer Uni. Ihre Aufgabe ist es, das Umweltmanagement zu unterstützen. Solche Ideen sollten auch für Lüneburg diskutiert werden. Ohne uns Studierende wird das Ziel einer nachhaltigen Hochschule nicht erreicht werden.

Hintergrund – Warum sollte unsere Uni Ökostrom beziehen?

Die Uni Lüneburg hat sich im Bereich nachhaltige Entwicklung einen Namen gemacht. Innerhalb der Hochschule tragen verschiedene Gruppen dazu bei, dass die Uni dem Ziel der nachhaltigen Hochschule näher kommt: Das Präsidium durch den angestoßenen Neuausrichtungsprozess, in dessen Rahmen das Nachhaltigkeits-Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ eingeführt wurde, sowie durch die Stärkung der Nachhaltigkeit im Forschungsbereich.
Im Jahr 2004 wurde unsere Uni nach dem EMAS-Umweltmanagement zertifiziert – als erste Hochschule in Europa. Das Studentenwerk Braunschweig hat die Bio-Mensa eingerichtet, in dem täglich ein vegetarisches Bio-Bericht angeboten wird.
Last but not least: die Studierenden. Das Ökologie-Referat des AStA hat die Nachhaltigkeitsziele der Uni seit Beginn unterstützt – so half es beispielsweise aktiv bei der Einrichtung der Bio-Mensa, es führte eine Kampagne zur Benutzung von Recyclingpapier durch und veranstaltet Filme, Ausstellungen und Diskussionsrunden rund um das Thema Nachhaltige Entwicklung. Und nicht zu vergessen der Leitfaden „Uni, Nachhaltigkeit und du“, dessen zweite Auflage vom Präsidium finanziert wurde und der mittlerweile mit dazu beiträgt, dass die Uni Lüneburg als Pionier in Sachen Nachhaltigkeit bundesweit bekannt wird – mehrere Hochschulgruppen in anderen Städten (z.B. Marburg, Duisburg-Essen, Darmstadt) sind dabei den Leitfaden auf ihre Uni zu übertragen. Der Leitfaden leistet einen Beitrag dazu, dass durch die Sensibilisierung für Energiethemen die Energiekosten der Uni mittel- bis langfristig sinken werden.

Hinzu kommt, dass die Uni Lüneburg weltweit führend mit dem Ziel ist, bis 2012 klimaneutral zu arbeiten. Da ist es nur konsequent, durch den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien und durch Energiesparmaßnahmen einen Großteil der rund 1100 Tonnen CO2, die an der Uni jährlich anfallen, von vornherein zu vermeiden, anstatt sie nachträglich durch teure Zertifikate auszugleichen. Die Tatsache, dass die Uni noch immer Atom- und Kohlestrom von Eon-Avacon bezieht, ist mit dem Anspruch, eine nachhaltige Uni zu sein, nicht vereinbar.

Timo Eckhardt (Netzwerk Klimagerechte Hochschule) und Matthias Schröter (campus.grün Lüneburg)


29/10 2009

Eine nachhaltige Universität braucht nachhaltigen Strom!

Die Leuphana Universität Lüneburg hat sich im Rahmen des Konzepts zur klimaneutralen Universität ehrgeizige Ziele gesetzt. Ihr Vorhaben, bis 2012 durch Energieeinsparungen und Kompensationen ihren Ausstoß von Klimagasen zu minimieren und auszugleichen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ein bedeutender Baustein ist hierbei die geplante weitere Förderung der Solarenergiegewinnung auf den Hochschuldächern.
Bei der Stromversorgung zeigt sich jedoch, dass zwischen der Vision einer klimaneutralen und nachhaltigen Universität und deren Umsetzung eine Lücke klafft: Obwohl die Hochschule einerseits zur solaren Energiewende beitragen will, bezieht sie weiterhin Strom vom Energiekonzern E.ON Avacon. Dieser wird zu einem Drittel in Atomkraftwerken und zu 45% aus fossilen Energieträgern produziert. Während in den Uni-Fluren das Licht brennt, in Hörsälen der Beamer summt und im Rechenzentrum die Computer arbeiten, fallen an anderer Stelle radioaktiver Abfall und klimaschädliche Emissionen an. Dies schwächt die Glaubwürdigkeit der universitären Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie.
Strom aus Kohle- und Atomkraft ist keine nachhaltige Form der Stromerzeugung, denn:

• Atomkraft ist eine Risikotechnologie. Die Vorfälle in Krümmel machen deutlich, dass auch deutsche Atomkraftwerke erhebliche Sicherheitslücken aufweisen.

• Atomkraftwerke produzieren hochradioaktive Abfälle, für die es noch immer keine sichere Entsorgungsmöglichkeit gibt. Kommenden Generationen werden hochgiftige Stoffe hinterlassen, deren sichere Lagerung letztlich niemand garantieren kann.

• Die Energiegewinnung aus Stein- und Braunkohle belastet das Klima und verschmutzt die Luft.

• Atomenergie und fossile Energieträger sind nicht erneuerbar. Die weltweiten Uran- und Kohlevorräte sind begrenzt und ihr Abbau führt zu verheerenden Umweltzerstörungen.

• Die unflexiblen großen Atom- und Kohlekraftwerke vertragen sich nicht mit der schwankenden Stromerzeugung durch Sonne und Wind und behindern daher eine schnelle Markteinführung erneuerbarer Energien.

Die nachhaltige Alternative ist Strom aus regenerativen Energiequellen. Während andere Universitäten – in Deutschland die Uni Bremen und in Großbritannien die Universitäten Cambridge und Oxford Brookes – bereits Ökostrom beziehen, hinkt die Uni Lüneburg hier hinterher.
Deshalb fordern wir die Hochschulleitung dazu auf, ihrem Anspruch auf Vorbildfunktion auch bei der Wahl ihres Stromanbieters nachzukommen. Sie muss sich gegen die Nutzung von umwelt- und gesundheitsschädigenden Risikotechnologien und für eine nachhaltige Form der Stromversorgung entscheiden. Die Stromlieferverträge sind unter strengen ökologischen Kriterien neu auszuschreiben, und die Universität muss zu einem Ökostromanbieter wechseln!

Verfasst von: Timo Eckhardt (Netzwerk Klimagerechte Hochschule, NOA-Referat des AStA-Lüneburg), Matthias Schröter (campus.grün Lüneburg)

Unsere Petition wurde insgesamt 637 mal unterzeichnet. Vielen Dank für eure Unterstützung!


6/09 2009

Das andere WIR: Die Anti-Atom-Bewegung ist wieder da.

Beitrag von: Matthias Schröter | gespeichert unter Anti-Atom | 1 Kommentar

Am Ende des Tages steht die wichtigste Nachricht: die größte Anti-Atom-Demo in Deutschland seit dem GAU in Tschernobyl. Die Zahlen schwanken naturgemäß zwischen Polizei- und Veranstalterangaben zwischen 36.000 und 50.000 Menschen. Was mit dem Trecker-Treck ab Gorleben am vergangenen Samstag begann, endete in strahlendem Sonnenschein am Brandenburger Tor in der Hauptstadt: Bunt, jung und alt, viele Menschen, 350 Traktoren, vor allem aus dem Wendland, auf der Straße des 17. Juni.

Protestzug an der Straße des 17. Juni.
Protestzug an der Straße des 17. Juni.

Los geht es am Samstag morgen für über 800 Menschen (die Landeszeitung spricht nun gar von 1.300), darunter fünf campus.grün-Mitglieder, mit dem Sonderzug des VCD. Ein Platz im 1.-Klasse-Coupé wird für die Hinfahrt gesichert, die Stimmung ist gut. Bange Blicke aus dem Fenster: die Wetterverhältnisse werden die Größe der Demo viel mehr bestimmen als die Wahlbeteiligung an verregneten Sonntagen. Noch hält es sich. Der zweite Halt des Zuges in Schnega dauert etwas länger: das Wendland steigt ein. Der Bahnsteig ist für den Sonderzug nicht lang genug, in gerade mal drei von 15 Waggons können die Leute einsteigen. Auf dem kurzen Bahnsteig steht der Kern der Bewegung: Die Anti-Atom-Veteranen aus dem Wendland bringen nun schon ihre Enkel mit zur Demo. Und als der Strom an unserem Abteil einfach nicht abreißen will, fragen wir uns: auf welcher Seite ist die Freude wohl größer? Wir freuen uns, dass alte Menschen jung und in Bewegung geblieben sind und mit uns nach Berlin fahren. Diese lachen zurück und freuen sich wohl, dass eine neue Generation ihr Anliegen forführt, dass wir mit ihnen mitfahren. Ich muss kopfschüttelnd an das Gerede von der sogenannten „bürgerlichen Mehrheit“ denken, die da von Schwarz-Gelb erstritten werden soll. Fahren nicht in diesem Augenblick zigtausend Menschen nach Berlin um ein ureigenes „Bürger“recht wahr zu nehmen? Wen vertreten die dann eigentlich, die da von bürgerlich faseln?

Morgens um acht in Schnega: das Wendland steigt ein.
Morgens um acht in Schnega: das Wendland steigt ein.

In Berlin wird bei jedem durchfahrenen Bahnhof aus dem Zug gejubelt. Einzelne Berliner winken zurück. „Also, wie jesacht, det mit dem Atomstrom kann die Angie gleich ma stecken lassen.“ Wie viele werden sich uns heute anschließen, damit es ne richtig große Sache wird? Aussteigen, orientieren, Anti-Atom-Fahne kaufen. Dann ab zum Kanzlerinamt. „ATOM-ANGIE ABSCHALTEN“ steht auf unserem Transparent, das wir, Gesetzesbrecher, die wir sind, in der Bannmeile hissen. Die Kanzlerin hält sich vornehm zurück, weicht aus. Die gleiche Prozedur dann nochmal vor der Legislative, wo wir auf einigen Urlaubsfotos landen („Ich schick das gleich mal an meine Lokalzeitung, klasse, viel Glück wünsch ich Ihnen.“) und dann sehr freundlich, aber bestimmt, von zwei Berliner Polizisten gebeten werden, unser Transparent erst wieder auf der Hauptstrecke zu entrollen.

campus.grün protestiert vor dem Kanzleramt. Die Kanzlerin zeigte sich auch diesmal zurückhaltend.
campus.grün protestiert vor dem Kanzleramt. Die Kanzlerin zeigte sich auch diesmal zurückhaltend.

Zurück zum Bahnhof, wo auch unabhängigen BeobachterInnen schnell klar wird: der Anti-Atom-Protest ist ampelfarben: Rot-Gelb leuchtet die Anti-Atom-Sonne mit dem 80er-Jahre-Slogan „Atomkraft? Nein Danke!“ von lachenden Gesichtern, Rucksäcken, unzähligen Flaggen und später auch etlichen verschönerten CDU-Plakaten am Rande der Demostrecke. Daneben dominiert eine politische Farbe: grün.

Viele grüne und ein paar rote Fahnen. Hier zum Beispiel die der Schweizer Botschaft.
Viele grüne und ein paar rote Fahnen. Hier zum Beispiel die der Schweizer Botschaft.

Obwohl wir nicht annähernd abschätzen können, wieviele Menschen sich hier rund um den Bahnhofsvorplatz versammelt haben, erste Ernüchterung: das sollen zigtausend sein? Als es dann aber eine dreiviertel Stunde dauert, bis auch wir uns in Bewegung setzen können, wird klar: da vorn wollen einige dazustoßen. Eine überdimensionierte Kanzlerin schaut dem Demozug verschmitzt lächelnd zu: KLUG AUS DER KRISE, ruft es von einem Großflächenplakat, das bereits einige Anti-Atom-Sonnen verpasst bekommen hat, als wir es passieren.

Wir laufen etwa eine Stunde, da kommt die Meldung einer Freundin: stehe noch am Hauptbahnhof – und hinter mir sind immer noch welche. Wir sind hier und wir sind viele! Als wir auf die Straße des 17. Juni einbiegen, zollen wir den Wendländer Bäuerinnen und Bauern Respekt: da gehört schon ein unglaublich starker Wille dazu, die Arbeit eine Woche liegen zu lassen, ihre tonnenschweren Geräte hunderte Kilometer in die Hauptstadt zu befördern und hier den Mittelstreifen kilometerlang in zwei Reihen zuzuparken. DIE haben die Kraft. Und Kreativität dazu. Die Stimmung zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule ist friedlich und entspannt. Die Anti-Atom-Bewegung ist wieder da. WIR haben es geschafft. Es ist dies nicht der Pluralis majestatis, den wir noch einige Wochen auf den Angie-Plakaten werden ertragen müssen. Gemeint ist das andere WIR.

Etwa 350 Trecker, vor allem aus dem Wendland.
Etwa 350 Trecker, vor allem aus dem Wendland.
Weitere Eindrücke von der Demo findet ihr hier.