19/06 2011

Ein kleiner Schritt für eine Uni, aber ein großer Schritt für die Menschheit

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Anti-Atom, Klima, Nachhaltige Hochschule | 1 Kommentar

Gemeinsam mit Allen, die sich in den vergangenen Jahren für eine nachhaltige Energieversorgung an der Uni Lüneburg eingesetzt haben, können wir heute einen großen Erfolg feiern: Am Donnerstag gab das Präsidium bekannt, dass alle Standorte der Uni ab Januar 2012 zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt werden sollen! Den Zuschlag erhielt der Hamburger Ökostromlieferant LichtBlick AG. Die entsprechende Pressemitteilung gibt’s hier.

Für eine Umstellung auf Ökostrom hatten sich in den letzten Jahren insbesondere die Umweltkoordination sowie Teile der Professorenschaft im Rahmen des Konzepts zur klimaneutralen Universität eingesetzt. Namentlich seien hier vor allem Irmhild Brüggen, Prof. Dr. Stefan Schaltegger und Prof. Dr. Wolfgang Ruck genannt, denen wir an dieser Stelle für ihr jahrelanges Engagement in Sachen nachhaltiger Energieversorgung an der Uni herzlich danken möchten!
Aufgrund eines landesweiten Stromliefervertrages, der für alle Liegenschaften und Gebäude des Landes Niedersachsen galt, hatte die Universität bei der Wahl ihres Stromanbieters bisher jedoch kaum Handlungsspielräume.

Auch campus.grün Lüneburg forderte im Oktober 2009 zusammen mit dem NOA-Referat des AStA und dem Netzwerk Klimagerechte Hochschule die Hochschulleitung in einer Online-Petition noch einmal dazu auf, die Stromlieferverträge unter strengen ökologischen Kriterien neu auszuschreiben und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. Mit 637 Unterzeichnern konnten wir dem Präsidenten damals deutlich machen, wie wichtig das Thema nachhaltige Stromversorgung an unserer Uni ist, besonders auch unter den Studierenden. Bei der Übergabe der Unterschriften signalisierte Herr Spoun, dass die Hochschulleitung einer Ausschreibung für Ökostrom positiv gegenüberstehe.

Nun hat sie ihre Bereitschaft also in die Tat umgesetzt. Wir möchten der Hochschulleitung zu dieser wichtigen Entscheidung auf dem Weg zu einer nachhaltigen Hochschulen herzlich gratulieren! Sie reiht sich damit ein in eine wachsende Zahl von Universitäten, die sich ihrer gesellschaftlichen Vorbildfunktion im Bereich nachhaltiger Entwicklung bewusst werden und auch bei der Wahl ihres Stromanbieters Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.

Where do we go from here?
Die Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist ein wichtiger Schritt, um die Stromversorgung ökologisch verträglicher zu gestalten. Um das langfristige Ziel einer klimaneutralen und nachhaltigen Universität zu erreichen, sind jedoch weitere Schritte nötig – an der Uni Lüneburg vor allem in Richtung Energieeinsparung und Energieeffizienz. Aus unserer Sicht sollte die gesamte Hochschulgemeinschaft dabei einbezogen werden. Möglichkeiten wie jede und jeder Einzelne an der Uni Energie sparen kann, sollten noch offensiver beworben werden. Ideenwettbewerbe für ökologische Verbesserungsvorschläge sollten ausgeschrieben werden. Auch Energiesparwettbewerbe und –patenschaften können den Stromverbrauch senken. Ein anderer Ansatz wird beispielsweise an britischen Unis vorangetrieben: sogenannte „personal pledges“, also Selbstverpflichtungserklärungen, motivieren Studierende und Mitarbeitende für mehr Engagement in Sachen Energiesparen und Umweltschutz. „EcoRepresentatives“ heißen freiweillige bzw. bezahlte engagierte Studierende an zwei weiteren britischen Unis. Sie sind BotschafterInnen für nachhaltiges Verhalten an ihrer Uni. Ihre Aufgabe ist es, das Umweltmanagement zu unterstützen. Solche Ideen sollten auch für Lüneburg diskutiert werden. Ohne uns Studierende wird das Ziel einer nachhaltigen Hochschule nicht erreicht werden.

Timo Eckhardt (ehemals NOA-Referat des AStA der Uni Lüneburg und Netzwerk Klimagerechte Hochschule) und Matthias Schröter (ehemals campus.grün Lüneburg)


12/02 2011

Sei kein Pac-Man!

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Täglich entstehen in Deutschland übermäßig viele Tonnen unnötigen to-go-Mülls. Im Jahr sind das durchschnittlich 80 Pappbecher pro Person, insgesamt  6.560.000.000 Stück (Quelle: Utopia). Dieser Müll betrifft uns alle. Besonders an unserer Universität, naturgemäß ein Ort mit hohem Kaffeebedarf, spielt der to-go-Müll eine Hauptrolle in den Mülleimern.

Ende Dezember 2010 widmete wir uns diesem Laster der Moderne. Drei Tage lang sammelten wir eifrig verwendete to-go-Becher, die von Gebäude 9 bis zur Bibliothek weggeworfen wurden. Unsere Ausbeute: Fast 900 Becher (!). Und das nur im Umkreis des Hörsaalganges.

An dem gesammelten Pappmaterial ließen wir uns anschließend künstlerisch aus. Aus dem Tonnenfutter wurde eine Müllskulptur. Ausgestellt im Hörsaalgang, versehen mit der Botschaft: Sei kein Pac-Man!

Statt also täglich ein Müllmonster zu produzieren, nimm dir für Kaffee oder Tee eine Tasse. Die gibt es sowohl im Cafe 9 als auch auf Nachfrage an der Mensakasse. Kostet zwar Pfand, aber im Cafe 9 spart ihr sogar 10 Cent im Vergleich zur Pappvariante.

Oder bringt euch einen Thermobecher mit. Darin bleibt das Heißgetränk sogar heiß. Ihr habt noch keinen ? Wir versuchen gerade entsprechende Becher zu besorgen, die auch unter die Kaffeemaschinen passen und dabei keine Unmengen kosten. Sobald wir da was haben, geben wir euch Bescheid.

Radio FFN findet das übrigens auch alles ganz super, was wir so machen und hat auch (nach dem Bericht zum mEATing-freien Donnerstag) gleich wieder einen Beitrag über unseren Pac-Man gemacht. Nachzuhören über einen Klick auf das FFN-Bildchen.

Wie viele to-go-Becher wirfst Du eigentlich jede Woche in den Müll?

Auf eine Keramiktasse musst Du Pfand zahlen, ist das zu aufwendig?

Der schicke Thermobecher steht auch bei Dir zu Hause im Schrank?

Täglich entstehen in Deutschland übermäßig viele Tonnen unnötigen to-go-Mülls. Im Jahr sind das durchschnittlich 80 Pappbecher pro Person, insgesamt 6.560.000.000 Stück (Quelle: Utopia). Dieser Müll betrifft uns alle. Besonders an unserer Universität, naturgemäß ein Ort mit hohem Kaffeebedarf, spielt der to-go-Müll eine Hauptrolle in den Mülleimern.

Ende Dezember 2010 widmete wir uns diesem Laster der Moderne. Drei Tage lang sammelten wir eifrig verwendete to-go-Becher, die von Gebäude 9 bis zur Bibliothek weggeworfen wurden. Unsere Ausbeute: Fast 900 Becher (!). Und das nur im Umkreis des Hörsaalganges.

An dem gesammelten Pappmaterial ließen wir uns anschließend künstlerisch aus. Aus dem Tonnenfutter wurde eine Müllskulptur. Ausgestellt im Hörsaalgang samt der Botschaft: Sei kein Pac-Man!

Statt also täglich ein Müllmonster zu produzieren, nimm dir für Kaffee oder Tee eine Tasse. Die gibt es sowohl im Cafe 9 als auch auf Nachfrage an der Mensakasse. Kostet zwar Pfand, aber im Cafe 9 spart ihr sogar 10 Cent im Vergleich zur Pappvariante bei jedem Koffeinumtrunk.

Oder bringt einen Thermobecher mit. Darin bleibt das Heißgetränk sogar heiß. Ihr habt noch keinen ? Wir versuchen gerade entsprechende Becher zu besorgen, die auch unter die Kaffeemaschinen passen und dabei keine Unmengen kosten. Sobald wir da was haben, geben wir euch Bescheid.


30/01 2011

Donnerstag ohne mEATing

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Konsum, Nachhaltige Hochschule | Kommentieren

„Je weniger Fleisch jemand konsumiert, desto größer ist die Chance, dass er einem Wertesystem folgt, das für das Wohlergehen dieser Erde entscheidend ist.“  Jonathan Safran Foer servierte letztes Jahr mit seinem Buch „Tiere essen“  eine Portion Verantwortungsgefühl für den Esstisch. Und auch wir wollten eine Prise davon in die Mensa tragen.

Flüssiges für die Fleischlosen hieß es an den beiden vergangenen Donnerstagen. Einfach mal mEATing-frei. 1100 Studierende folgten dem Aufruf von campus.grün in Kooperation mit BINK und freuten sich über Voelkel-Saft und Bionade für lau. Viel Aufklärung mussten wir gar nicht betreiben. Kaum ein Mensagänger, der nach „dem Sinn“ unser Aktion fragte. Kein Wunder: Sind doch tierische Nahrungsmittel auf Grund von Dioxin, Dioxid (ihr wisst schon, die Klimagase) und artenfeindlicher Haltung in aller Munde. Unserer Meinung nach zu viel, wenn ihr das schlechte Wortspiel versteht (und verzeiht).

Was bleibt? Unsere Fleischabwrackprämie sollte anregen, den eigenen Speiseplan zu überdenken. Jeden Tag Geschlachetetes muss nicht sein. Oft ist es sogar nur der schnöde Trott, die einem zum Schwein, Rind oder Huhn treibt.

Die vegetarischen Gerichte in der Mensa schmecken aber zu fad? Dann sagt oder schreibt es den Küchenteams des Studentenwerks. Macht Druck. Nur so ist es damals auch zur Bio-Mensa gekommen. Wer dort sein vegetarisches Essen holt, hilft übrigens nicht nur dem Wohlergehen der Erde, sondern spart auch noch Zeit. Einfach mal die Warteschlangen in den Seminarpausen vergleichen.

Weniger und dafür besser muss das Motto sein. Auch und gerade am heimischen Herd. Bio ist nicht die Lösung allen irdischen Unheils. Aber gerade beim Fleisch sind die Qualitäts- und Geschmackunterschiede deutlich spürbar. Und dem Schwein muss nicht der Schwanz abgeschnitten werden, wie in den engen Massentierställen, wo sie “ihrem gelangweilten Artgenossen an eben jenem herumkauen”.

Einige Flaschen haben wir noch über. Ob es mit denen einen weiteren mEATing-freien Donnerstag gibt oder was wir damit anstellen, erfahrt ihr im nächsten Semester. Bis dahin: Geniest den Sonntagsbraten. Und unter der Woche vielleicht öfter mal ne Tofuschnitte oder Reisfrikadelle.

Achso, FFN, die vom Harz bis ans Meer, haben uns letzten Donnerstag auch zu Wort kommen lassen.  Zum Beitrag geht es über einen Klick auf den Button.


25/01 2011

Ohne Wurst, mit viel Durst

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Allgemein, Konsum, Nachhaltige Hochschule | Kommentieren

Nicht nur auf Facebook erntetete unser mEAT-freier Mensatag many, many “I like’s”. Etwa 500 Voelkel-Flaschen wurden letzten Donnerstag an Frau und Mann gebracht. Was uns besonders freut: In einer Blitzumfrage gaben ein Viertel der Saftschlürfer an, auf Grund unserer Aktion auf Fleisch verzichtet zu haben. Und es geht weiter: Auch an diesem Donnerstag gibt es wieder eine flüssige Belohnung für alle Meatverweigerer. Statt Saft haben wir Brause. Bionade-Brause. Einfach wieder den Gutschein an der Mensakasse abholen und damit in den Hörsaalgang. In der Bio-Mensa gibt es Falafel an Masalasauce. Wenn das kein Anreiz ist! Anbei noch ein Bericht aus der LZ. Wir sehen uns am Donnerstag.


18/01 2011

No mEATing – freiwillig fleischfreier Donnerstag

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Klima, Konsum, Nachhaltige Hochschule | Kommentieren

Vegetarische Balkanpfanne statt Kohlwurst heißt es am Donnerstag. Mit dem mEATing-freien Tag möchten campus.grün, die grüne Hochschulgruppe, und BINK (Bildungsinstitutionen und nachhaltiger Konsum) dazu anregen, den eigenen Fleischkonsum zu hinterfragen.

Rund 88 Kilogramm Fleisch und Wurst verzehrte jeder Deutsche 2009 durchschnittlich. Zu wenig wird dabei über die Folgen dieses Konsums nachgedacht: Rund ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen aus der Landwirtschaft, dabei insbesondere aus der Tierhaltung und der Nahrungsproduktion für die Nutztiere. Hinzu kommen Tierquälerei in der Massentierhaltung sowie Skandale in der industriellen Lebensmittelindustrie wie jüngst die Dioxinverseuchung.

Campus.grün und BINK wollen mit dem mEATing-freien Donnerstag niemanden zwangsvegetarisieren. Viel mehr möchten wir dazu aufrufen, einmal zu überlegen, ob es denn jeden Tag das Schnitzel sein muss oder nicht auch mal das Kartoffel-Lauch-Gratin.

Um den Weg „Zurück zum Sonntagsbraten“ aktiv zu unterstützen, gibt es für jeden, der sich am Donnerstag für die fleischfreie Variante entscheidet, einen Gutschein für einen leckeren Voelkel-Saft, den ihr direkt im Hörsaalgang einlösen könnt. Seid dabei, wenn es am Donnerstag frei nach Brecht heißt: „Erst kommt die Moral und dann das Fressen.“


22/11 2010

“Uni, Nachhaltigkeit und du” jetzt auch online!

Beitrag von: Matthias Schröter | gespeichert unter Klima, Konsum, Nachhaltige Hochschule | 1 Kommentar

Der Leitfaden “Uni, Nachhaltigkeit und du” gibt Anregungen zum nachhaltigen Studieren an unserer Uni. Es geht unter anderem um Papierverbrauch, Energiesparen, Mobilität und Partizipation. Seit kurzem ist der Leitfaden, den die neuen Studierenden in den letzten Jahren zur Begrüßung in Papierform erhalten haben, auch in einer neuen Online-Version verfügbar.
Viel Spaß beim Lesen!


8/10 2010

Cem: “Wir brauchen alle!”

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Allgemein, Hochschulpolitik, Nachhaltige Hochschule | 1 Kommentar

Nicht einmal für die Tasse Kaffee reichte die Zeit bei der Ankunft in Lüneburg. Einem Bundesvorsitzenden sind wahrlich nicht viele Ruhepausen vergönnt. Und doch fand Cem Özdemir vor seiner Rede bei der Eröffnung der diesjährigen Startwoche ein paar Minuten für campus.grün.

Cem mit campus.grün

Gestern Abend saß er noch bei Plasberg, heute Morgen ging es dann nach Lüneburg. Das Koffein hätte der ein wenig übermüdete Cem also gut gebrauchen können. Doch zwischen Ankunft in Lüneburg und seiner Rede in der St. Johannis-Kirche blieben keine 20 Minuten, um den Vorsitzenden der Grünen etwas aus studentischer Sicht über die Uni zu erzählen. Gemeinsam mit AStA-Sprecher Mathias und der Stupa-Vorsitzenden Anna wurden also im Schnelldurchlauf ein paar Punkte angesprochen, die nicht in den Prospekten auftauchen, die Cem von Vizekanzler Keller in die Hand gedrückt bekam. Etwa unseren Wunsch, Zusatzqualifikationen wie Ehrenamt nicht nur bei der  Bachelor- sondern auch bei der Master-Bewerbung zu berücksichtigen. Außerdem machten wir Cem darauf aufmerksam, dass unsere der Nachhaltigkeit verschriebenen Uni immer noch keinen Öko-Strom bezieht. Dann erschien auch schon wieder Holm Keller, um Cem pünktlich in die Kirche zu bringen. Noch schnell ein Erinnerungsfoto und schon war er wieder weg.

Mit seiner Rede wusste Cem die 1300 Erstis zu unterhalten. Auch wenn er es zu Beginn bedauerte, nicht einen solch brillanten Auftritt wie Ali G. 2004 in Harvard abliefern zu können, so gelang es dem Grünen-Vorsitzenden doch, mit Sprüchen von Monty Python und den Marx Brothers, die Frischlinge zu erheitern.

Cem Özdemir spricht vor den Erstis

Er erinnerte sie zugleich daran, welch „wunderbares Privileg“ das Studium ist. Ein Privileg, das keines sein darf: „Herkunft darf in Zukunft nicht mehr entscheiden, wer den Weg an die Universität geht“, forderte Cem. „Wir brauchen alle.“  Neben Lob für das nachhaltige Leitbild der Uni und den Aufbau des Leuphana-Bachelors samt Komplementärstudium, versäumte er es nicht, ein paar kritische Töne einzustreuen. Hatten wir ob der Kürze unseres Gesprächs etwas Sorge, unsere Punkte würden kein Gehör finden, so bewies Cem in seiner Rede, dass unser Treffen nicht nur dem freundlichen Händeschütteln diente. Denn tatsächlich sprach er unsere Kritik an der Master-Bewerbung an und tadelte die Leuphana auch für ihren Bezug von uranstrahlendem eon-Kohlestrom. Dafür gab es sogar Applaus von den ansonsten etwas träge dreinblickenden Erstis. Eine Empfehlung für einen Anbieter hatte Cem mit den Stromrebellen aus Schönau auch gleich parat.

Es war eine unaufgeregte und entgegen der Befürchtung einiger keine von Parteipolitik zersetzte Rede. Sein Koffein bekam Cem übrigens doch noch. Als kleines Geschenk gab es nämlich ’ne Bio-Cola von uns.


12/07 2010

Utopia.de – Hochschulranking: Uni Lüneburg auf Platz 3 – campus.grün will mehr

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Klima, Nachhaltige Hochschule | Kommentieren

Im zweiten „Grünen Hochschulranking“ des Nachhaltigkeitsportals Utopia.de belegte die Leuphana Universität Lüneburg einen guten dritten Platz – campus.grün Lüneburg, die grüne Hochschulgruppe der Leuphana Universität will noch mehr. „Die Uni Lüneburg ist im Bereich Nachhaltigkeit zwar schon sehr engagiert, wir sehen jedoch in einigen Punkten noch deutlich Handlungsbedarf“, meint Sebastian Strunz, Sprecher von campus.grün Lüneburg. Dazu legt campus.grün das Positions- und Diskussionspapier „Auf dem Weg zur nachhaltigen Hochschule“ vor. Hier werden die Aktivitäten der Universität zur Nachhaltigkeit in acht verschiedenen Handlungsfeldern unter die Lupe genommen.

Fahrrad fahren!

Das Utopia-Hochschulranking besteht aus zehn verschiedenen Kategorien, in denen Studenten die Nachhaltigkeitspolitik ihrer Universität bewerten. Gleich beim ersten Kriterium des Rankings zum Bioangebot der Mensa belegt die Leuphana Universität Lüneburg den ersten Platz, da täglich ein Bio-Menü in der Bio-Mensa zur Auswahl steht. Trotz des tollen ersten Platzes sieht die grüne Hochschulgruppe noch Verbesserungspotential. „Wir fordern ein breiteres Angebot an Fair-Trade-Produkten“, so Ronja Wiegel Mitglied von campus.grün, „und es wäre wünschenswert, dass die gesamte Mensa ausschließlich Fleisch aus artgerechter Tierhaltung bezieht.“
In anderen Kategorien wie z.B. Mülltrennung und Energieeffizienz schneidet die Leuphana dagegen schlechter ab und ist nicht in der Spitzengruppe der nachhaltigsten Universitäten zu finden. Felix Storck von campus.grün erklärt dazu: „Zum Beispiel im Bereich Recycling von Abfällen könnte sich die Leuphana Uni noch einiges vom Sieger des Rankings, der Alanus Hochschule in Alfter, abgucken. Die Mülltrennung an unserer Uni muss unbedingt verbessert werden, dazu gehört vor allem das Aufstellen von gesonderten Abfallbehältern. Dieser wichtige Aspekt wäre sogar ohne großen Aufwand umsetzbar.“

Auf dem Gebiet der Lehre versucht die Leuphana Universität Lüneburg eine Vorreiterrolle einzunehmen. Neben dem speziellen Studiengang „Nachhaltigkeitswissenschaften“ versucht die Leuphana allen Studenten das Thema Nachhaltigkeit im fächerübergreifenden „Leuphana-Semester“ näher zu bringen. Außerdem kann in jedem Studiengang als Nebenfach „Nachhaltigkeitshumanwissenschaften“ gewählt werden. Campus.grün sieht darin die Chance, dass sich alle zukünftigen AbsolventInnen der Universität Lüneburg kritisch mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Unser Positionspapier “Auf dem Weg zur nachhaltigen Hochschule” findet ihr hier.


28/06 2010

Auf dem Weg zur nachhaltigen Hochschule

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Nachhaltige Hochschule | 2 Kommentare

Wir haben ein Positions- und Diskussionspapier verfasst, das unsere Idee einer nachhaltigen Hochschule skizziert. Wir laden euch/Sie ein, mit uns zu diskutieren: was ist eine nachhaltige Hochschule – und wie können wir sie gemeinsam aufbauen?
Das Papier kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Auf dem Weg zur nachhaltigen Hochschule

- ein Positions- und Diskussionspapier von campus.grün Lüneburg,
der grünen Hochschulgruppe der Uni Lüneburg -

Beim Aufbau einer nachhaltigen Gesellschaft spielen Hochschulen eine entscheidende Rolle. Sie besitzen Vorbildwirkung: hier werden Ideen entwickelt und verbreitet, Studierende werden auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet. Die Universität Lüneburg zu einer nachhaltigen Universität weiter zu entwickeln, ist Ziel der grünen Hochschulgruppe campus.grün Lüneburg. Das Prinzip der Nachhaltigkeit besagt, dass wir heute so leben sollen, dass für alle heute und zukünftig lebenden Menschen ein gutes Leben möglich ist. Im Kern erfordert das den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und die gerechte Verteilung natürlicher Ressourcen. Dies beinhaltet die gerechte Verteilung von Chancen und Einkommen.

Die Idee einer nachhaltigen Hochschule zu entwickeln verlangt zunächst, ein Begriffsverständnis von Nachhaltigkeit festzulegen. „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltig“ wird oft benutzt und oft auch falsch verstanden. Es besteht angesichts der inflationären Verwendung des Begriffes die Gefahr des Abdriftens in die Beliebigkeit. Wir wollen uns beim Begriff „nachhaltige Hochschule“ auf inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit stützen, so wie es unter anderem von der Brundtland-Kommission formuliert wurde: Bedürfnisse heutiger Generationen sollen erfüllt werden, ohne dass künftigen Generationen die Möglichkeiten genommen wird, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Wir begreifen Bildung als menschliches Grundbedürfnis, welches unabdingbar für nachhaltige Entwicklung ist, und sprechen uns daher für einen offenen Zugang zu Hochschulen aus. An einer nachhaltigen Universität wollen wir ein Studien- und Arbeitsumfeld schaffen, das dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung förderlich ist.

Eine nachhaltige Hochschule geht schonend mit natürlichen und finanziellen Ressourcen um. Sie geht effizient mit Energie um und hat so mehr Geld für Bildung und Forschung zur Verfügung. Eine nachhaltige Universität schafft eine angenehme Studienumgebung durch einen ruhigen, autofreien Campus sowie möglichst viel Natur auf dem Campus. Studierende und Mitarbeitende der nachhaltigen Universität Lüneburg entwickeln während ihres Studiums und ihrer Arbeit ein umfassendes Verständnis von Nachhaltigkeit. Eine nachhaltige Hochschule ermöglicht im alltäglichen Arbeiten und Studieren Lebensstilveränderungen für nachhaltige Entwicklung. Eine nachhaltige Hochschule gewährleistet die Partizipation und Chancengleichheit der gesamten Universitätsgemeinschaft und unterstützt Diskurse über Inhalt, Ziele und Notwendigkeit nachhaltiger Entwicklung.

Die Universität Lüneburg ist den Weg zur nachhaltigen Universität bereits ein Stück weit gegangen. Sie hat sich Leitlinien zu Nachhaltigkeit gegeben und sich verpflichtet bis 2012 klimaneutral zu arbeiten. Die Lehre und Forschung zu nachhaltiger Entwicklung, ein etabliertes Umweltmanagement, eine Solaranlage sowie das Bio-Essen in der Mensa sind weitere gute Beispiele dafür.

In verschiedenen Bereichen sehen wir jedoch weiteren Handlungsbedarf. Acht Felder sind aus unserer Sicht zu bearbeiten um eine nachhaltige Hochschule zu verwirklichen. Unsere Ideensammlung ist kein reiner Forderungskatalog. Bei einigen der folgenden Vorschläge sind wir als Studierende der Universität selbst gefordert. Manche Dinge liegen allerdings nicht in unserer Hand, sodass wir hierzu den Dialog mit der Universitätsleitung und den Mitarbeitenden in Verwaltung, Forschung und Lehre anstoßen wollen.

1. Nachhaltiger Betrieb

a) Energie und Klima
Maßnahmen zur Einsparung von Wärme und Strom sind voranzutreiben. Denkbar sind hier auch technische Lösungen wie Bewegungsmelder für Licht und eine automatische Heizungsabschaltung bei offenen Fenstern. Erneuerbare Energien sollen auf dem Campus stärker gefördert werden. Vorstellbar sind die weitere Nutzung von Solarenergie zur Stromerzeugung oder zur Deckung des Warmwasserbedarfes in der Mensa. Als grüne Hochschulgruppe begrüßen wir die Absichtserkärung des Präsidiums, ab 2012 Ökostrom zu beziehen. Eventuelle Mehrkosten für erneuerbare Energien sollen mit Energiesparkampagnen begleitet werden. Die angestrebte Klimaneutralität sollte vor allem durch Vermeidung erreicht werden und möglichst ohne Hilfe von Kompensationsmaßnahmen.

b) Abfall und Wasser
Stark verbesserungswürdig ist die Trennung von Abfällen. Diese ist für Studierende bisher kaum möglich und in den Instituten nicht üblich. Einzelne Ansätze – wie das Recycling von CDs und alten Mobiltelefonen – begrüßen wir. Wir setzen uns für die verstärkte Nutzung von Regenwasser, z.B. für die Toilettenspülung, ein.

c) Beschaffung
Wir schlagen eine zentrale Beschaffung nach strengen Nachhaltigkeitskriterien, z.B. für Papier, recycelte Tonerkartuschen und energiesparende Computer, vor. Der Anteil von Recyclingpapier liegt derzeit bei lediglich 36 Prozent, obwohl bereits die Verpflichtung besteht, Umweltgesichtspunkte bei der Beschaffung zu berücksichtigen.

d) Ernährung
Das Angebot der Bio-Mensa soll erweitert werden. Wir setzen uns für die vollständige Umstellung aller Speisen und Getränke auf dem Campus auf Produkte aus ökologischem Landbau ein. Wir fordern ein verbessertes Angebot an Fair-Trade-Produkten. Die Universität und die Studierendenschaft sollten sich dazu verpflichten, für den Eigenbedarf auf ökologische and fair gehandelte Produkte zurückzugreifen.

e) Verkehr
Über Fahrgemeinschaftsbörsen sollten Mitarbeitende und Studierende, die die Uni nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, MitfahrerInnen oder Mitfahrgelegenheiten finden. An die Stadt Lüneburg geht unsere Forderung einer weiteren Verbesserung des bereits ausgebauten Busverkehrs und sicheren Radwegen in der Stadt, damit die Nutzung des Fahrrads kein Hindernis darstellt. Ein autofreier Campus ist unser Ziel.

f) Campusgestaltung und Bau
Der Campus sollte möglichst naturnah gestaltet werden. Wir wünschen uns eine Entsiegelung versiegelter Flächen. Bisher wird ein zu hoher Anteil des Campus für Parkflächen verwendet. Die Bepflanzung der Grünflächen sollte mit standorttypischen Pflanzen erfolgen, die in vorhandene Lebensgemeinschaften passen. Seltene Tier- und Pflanzenarten auf dem Campus sind zu schützen.
Nachhaltigkeitskritierien sind bei Baumaßnahmen besonders wichtig. Für uns geht der Umbau und Ausbau (etwa der Dachgeschosse) vor Neubau. Bei Neubauten ist auf höchste Umweltstandards und somit auf hohe Energieeffizienz der Gebäude und auf umweltverträgliche Baumaterialien zu achten.

2. Forschung zu nachhaltiger Entwicklung

Die Forschung zu nachhaltiger Entwicklung nimmt vor allem im Department Nachhaltigkeitswissenschaften, aber auch in den Bildungswissenschaften bereits großen Raum ein. Wir wünschen uns einen Ausbau dieser Aktivitäten, sodass Lüneburg ein etablierter Standort für Nachhaltigkeitsforschung wird. Erkenntnisse der Forschung sollten stärker als bisher in die Lehre einfließen, sodass Studierende ermutigt werden, selbst Forschung mit Nachhaltigkeitsbezug durchzuführen.

3. Lehre

Die Integration eines Moduls zu nachhaltiger Entwicklung in das erste Semester des Leuphana-Bachelors und die Einrichtung des Nebenfaches „Nachhaltigkeitshumanwissenschaften“ machen die Bemühungen der Universität deutlich, Nachhaltigkeit in der Lehre zu verankern. Wir sehen darin die Chance, dass sich alle zukünftigen AbsolventInnen der Universität Lüneburg kritisch mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt haben und während des weiteren Studiums ihre Kenntnisse vertiefen. Darüber hinaus fordern wir die Einbindung von Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung als Querschnittsthema in weitere Module, also beispielsweise auch in den Fächern Produktionstechnik sowie Steuern und Revision.
Das erste Semester sollte durch ein gesondertes Vorlesungsverzeichnis in den weiteren Semestern ergänzt werden, in dem alle Veranstaltungen mit Nachhaltigkeitsbezug aufgelistet sind. Erste Ansätze im Nachhaltigkeitsportal sollten ausgebaut und breiter bekannt gemacht werden. Hinzu kommen sollten – auch von Studierenden – organisierte Vorlesungsreihen.

4. Zusammenarbeit und Wissenstransfer

a) Interdisziplinarität in Forschung und Lehre
Die Betrachtung gesellschaftlicher Herausforderungen aus Sicht verschiedener Disziplinen kann dazu beitragen Probleme zu lösen. Viele Probleme sind so komplex, dass sie nur durch gemeinsame Bearbeitung aus unterschiedlichen Perspektiven behoben werden können. Besonders die globalen und langfristigen Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung verlangen nach einer Wissenssynthese. Wir rufen daher Lehrende und Forschende dazu auf ihre eigene Arbeit interdisziplinär zu gestalten. Studierende multi- und interdisziplinärer Studiengänge können dazu einen Beitrag leisten.

b) Zusammenarbeit mit anderen Universitäten
Die Universität Lüneburg sollte verstärkt die Zusammenarbeit mit anderen in- und ausländischen Hochschulen suchen, die sich ebenfalls dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet haben. Auch für das Auslandssemester fehlen derzeit noch Kooperationen mit Hochschulen, die zu Nachhaltigkeit forschen und lehren.

c)Wissenstransfer und Partnerschaften
Eine nachhaltige Universität gewährleistet den Wissenstransfer in die Gesellschaft, beispielsweise über Konferenzen oder Diskussionsveranstaltungen, die allen BürgerInnen offen stehen. Mitglieder der Universitätsgemeinschaft sollten sich mit AkteurInnen in Stadt, Landkreis und darüber hinaus vernetzen um auch die regionale Entwicklung nachhaltig zu gestalten. Dazu gehören Bildungsprojekte mit SchülerInnen, der Aufbau eines Wissensportals mit Ergebnissen aus der Nachhaltigkeitsforschung oder die Förderung von „sustainable entrepreneurship“.

5. Nachhaltigkeitskommunikation

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist an der Universität bereits etabliert. Zwei Nachhaltigkeitsberichte und zahlreiche Umweltberichte zeugen davon. Das Ziel muss es sein, deren Reichweite zu erhöhen und die Partizipation der Universitätsgemeinschaft an der Kommunikation sicher zu stellen. Dies kann über die Einbindung bei der Erstellung der Berichte sichergestellt werden.
Innerhalb der Hochschule sollen Informationen über Umweltauswirkungen ausgebaut werden. Die bereits vorhandenen Verbrauchsstatistiken zu einzelnen Gebäuden könnten im Internet verfügbar sein. Zu Umweltauswirkungen und Umweltmanagement soll über verschiedene Kanäle informiert werden, z.B. über Newsletter oder Poster etc. Hinweise zu umweltfreundlichem Verhalten sollen deutlich und benutzerfreundlich angebracht werden.
Energiesparwettbewerbe können einher gehen mit einem gesteigerten Umweltbewusstsein und Kostenersparnissen für Energie. Wir schlagen vor, dass Ideenwettbewerbe ökologische Verbesserungsvorschläge sowohl unter Studierenden als auch unter Mitarbeitenden durchgeführt werden. Die besten Vorschläge sollen prämiert werden.

6. Partizipation der Universitätsgemeinschaft

Ohne eine Beteiligung der Universitätsgemeinschaft ist das Ziel einer nachhaltigen Hochschule nicht erreichbar. Aus diesem Grund soll die Teilhabe von Studierenden an Entscheidungsprozessen gewährleistet werden. Wir fordern die Einrichtung offener Foren zur Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements. Ideen der Studierendenschaft und der Mitarbeitenden sollen seitens der Universitätsverwaltung offensiv gesucht und eingefordert, sowie finanziell gefördert und personell unterstützt werden.

7. Lebenswelt

Nachhaltige Lebensstile sollen von der Hochschule gefördert und ermöglicht werden. Dazu gehört die Schaffung eines Bewusstseins für gesunde und umweltbewusste Ernährung sowie Gesundheitsförderung durch Sportangebote und ergonomische Arbeitsplätze.
Um offenen Zugang zur Hochschule zu gewährleisten, soll Kinderbetreuung angeboten werden. Plurale Lebensstile verlangen nach flexiblen Zeiteinteilungen. Deshalb soll Teilzeitstudium möglich und praktikabel sein.
Ein Nachmittag der Woche ist an der Leuphana Universität Lüneburg der Zeit für Engagement vorbehalten. Die zunehmende Verschulung des Studiums führt allerdings dazu, dass sich weniger Studierende engagieren und Zeit für die Persönlichkeitsentwicklung finden. Der freie Mittwoch-Nachmittag soll beibehalten werden und darüber hinaus soll den Studierenden mehr Freiraum eingeräumt werden. Zu einer nachhaltigen Hochschule gehört nicht nur die Bildungsinstitution, sondern auch die Studierendenwohnheime. Auch diese müssen in Fragen der ökologischen Gestaltung, der Partizipation und der Bezahlbarkeit zur nachhaltigen Hochschule passen.

8. Nachhaltige Finanzen

Eine nachhaltige Hochschule lebt von einer nachhaltigen Finanzierung. Da Bildung und Forschung wichtige Gemeingüter in unserer Gesellschaft sind, soll der Grundstock zur Finanzierung der Hochschulen aus einem langfristig stabilen Staatshaushalt ohne Überschuldung stammen. Durch Dritte finanzierte Forschungsprojekte und Zustiftungen aus der Gesellschaft können diese Finanzierung ergänzen solange die Unabhängigkeit der Forschung und Lehre gewährleistet ist.
Studienbeiträge sind für uns keine „nachhaltige“ Finanzierung. Sie sind ungerecht, gesellschaftlich umstritten und erschweren den Zugang zu Hochschulen.
Nachhaltige Finanzen einer Hochschule erfordern, dass Mittel nicht verschwendet werden. Ausgaben und Investitionen, die dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung entgegen stehen, lehnen wir ab. Zu nachhaltigen Finanzen gehört auch, dass finanzielle Mittel, über die die Hochschule verfügen kann, die sie jedoch derzeit nicht benötigt, gemeinnützig orientiert und risikoarm angelegt werden. Das gilt auch für die Gelder aus Studiengebühren, solange sie existieren.

Lüneburg, im Juni 2010


26/06 2010

Exzellenz = Nachhaltigkeit – weit gefehlt! Besuch am KIT – ein Erfahrungsbericht

Beitrag von: Sebastian Heilmann | gespeichert unter Campustour, Hochschulpolitik, Nachhaltige Hochschule | Kommentieren

Ende Mai moderierte ich eine Veranstaltung zum Thema „Nachhaltige Hochschule“ an der Uni Lüneburg, im Rahmen der Campustour der Heinrich Böll Stiftung (HBS). Zu dieser waren u.a. zwei Mitglieder der Initiative „Greening the University“ (GtU) des Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) zu Besuch, die nach Lüneburg reisten aufgrund der am Tag drauf stattfindenden Tagung „Sustainable University“.

Nach der Veranstaltung kamen wir ins Gespräch über die Schwierigkeiten die unser jeweiliges Engagement für eine nachhaltige Hochschule begleiten. Ein paar Tage später erhielt ich dann eine Einladung eine ähnliche Veranstaltung in Karlsruhe zu moderieren. Nachdem mein Versuch scheiterte die Kolleg_innen zu überzeugen die Veranstaltung selbst zu moderieren, habe ich sie angenommen und mich auch über die Herausforderung gefreut. Schließlich handelt es sich beim KIT ja um „das“ Prestigeprojekt in Deutschland, was die Integration von Forschungsinstitut und Universität anbelangt.

Greening the University & Schule der Nachhaltigkeit – Zentren der Bestrebungen

Die Grüne Hochschulgruppe (GHG) Karlsruhe, personell sich stark überschneidend mit der Initiative GtU, richtete die Podiumsdiskussion (auch im Rahmen der Campustour) aus und organisierte zudem auch Veranstaltungen zu den Themenfeldern Leitbilder und Demokratie. Die mit etwa 50 Personen gut besuchte Veranstaltung am 09. Juni 2010 begann mit kurzen Präsentationen von GtU und der „Schule der Nachhaltigkeit“ (SdN). Bei der SdN handelt es sich um eine Gruppe von Lehrenden des KIT, die eine verstärkte Integration von Nachhaltigkeit in die Curricula am KIT anstreben. Angesiedelt am HoC (House of Competences), wo Veranstaltungen zur Kompetenzschulung gebündelt werden, ist langfristig eine Vernetzung aller Veranstaltungen mit Nachhaltigkeitsbezug angedacht. Die SdN verbindet ein klassisches kognitives/rationales (vgl. Achim Grunwald) Verständnis von Nachhaltigkeit mit einem emotionalen/personalen (vgl. Hans-Jörg Seng). Um diese Verbindung zu ermöglichen gilt es eine Kultur der Nachhaltigkeit zu schaffen und zu leben. Die Initiative GtU beschreibt eine „Vision eines nachhaltigen KIT“ in der ein zertifiziertes Umweltmanagement eingeführt wird, nachhaltiges Handeln in die Lehre integriert wird und eine Vernetzung von Forschung im Bereich Nachhaltigkeit stattfindet. Fundament soll dabei die Motivation der Mitglieder der Hochschule sein.

Podium

Podium “Der Karlsruher Weg zur nachhaltigen Hochschule”: Jürgen Becker, Peter Schneider, Sebastian Heilmann, Hans-Jörg Seng, Lena Keul (v.l.n.r.)

Nach dieser etwa halbstündigen Einführung wurde mir klar, dass ich mich an einer zentralen Stelle geirrt hatte. Ich ging in meiner Vorbereitung wie selbstverständlich davon aus, dass die Aktiven an einer technischen Hochschule natürlich auch und vor allem technokratische Argumente für die Nachhaltigwerdung ihrer Institution anbringen würden. Zentral wurden so in der Diskussion die Fragen wie Energie und Ressourcen sinnvoll eingespart werden können und auch eine Integration von nachhaltiger Entwicklung in die Lehre stattfinden kann.

Umweltmanagement, Excellenz und studentisches Engagement – verschiedene Wege zur nachhaltigen Hochschule

Das Podium war gut besetzt. Als Ersatz für den leider verhinderten Präsidenten Horst Hippler kam Jürgen Becker, Vizepräsident und zuständig für Lehre am KIT, der sagte, man könne ihn praktisch als „Double“ von Hippler ansehen, weshalb er auch hinter einem spannenden Zitat von Hippler stehe: „Mittelfristig legen wir es darauf an, mit der ETH Zürich auf gleicher Augenhöhe zu sein, langfristig mit dem Namensvetter MIT in den USA.“ Ein Zitat, welches mich motivierte ein T-Shirt der Elite-Uni zu tragen (ob zur Ironie, oder Unterstützung, blieb der interessierten Zuhörer_in überlassen). In der Diskussion betonte er stets die Notwendigkeit einer Wiederholung des Erfolgs bei der Excellenzinitiative. Er sagte weitergehende Unterstützung der Integration von Ideen einer nachhaltigen Entwicklung in Lehre und Forschung zu, insb. dann wenn Studierende direkt in interdisziplinäre Forschung eingebunden werden und sah auch, dass es unbedingt notwendig ist mehr sozialwissenschaftliche Forscher_innen an die Hochschule zu holen. Bei der Forderung der Einführung verweis er jedoch immer auf geringe Mittel im Haushalt, insb. bei der Forderung nach der Einführung einer Stabstelle „Sustainability“, die auch das einzuführende Umweltmanagement koordiniert. Jedoch musste er auch eingestehen, dass Hochschulen, die EMAS eingeführt haben, wie etwa Tübingen und Lüneburg auch viel Unterstützung erhielten und jetzt durchaus ein Argument mehr haben, dass die Landespolitik motiviert die Hochschulen besser zu fördern – ja, Nachhaltigkeit ist zum Standortfaktor geworden.

Prof. Dr. Jürgen Becker - Vizepräsident für Lehre am KIT & Befürworter einer EMAS-Einführung(?)

Prof. Dr. Jürgen Becker – Vizepräsident für Lehre am KIT & jetzt Befürworter einer EMAS-Einführung(?)

Unterstützung fanden diese Ideen z.B. von Lena Keul, die GtU Tübingen auf dem Podium vertrat. In Tübingen ist es durch eine bottom-up-Bewegung und Unterstützung durch das Umweltministerium gelungen ein EMAS einzuführen, sowie ein stetig wachsendes „Studium Oecologicum“, welches im General Studies Bereich angeboten wird und sich wachsender Beliebtheit erfreut. Sie weiß darauf hin, dass eine Vernetzung der Aktiven unbedingt notwendig ist, um mit einer möglichst großen Stimme zu sprechen. Auch Peter Schneider, ehemaliger Studierender der TU Karlsruhe, im Umweltministerium nun für die Unterstützung bei der Einführung von EMAS in Baden-Württemberg zuständig ist. Er lobte die Einführung von EMAS in Tübingen und bot auch eine Unterstützung in Karlsruhe an. Die HIS GmbH hat sich bspw. auf die Einführung von EMAS an Hochschulen spezialisiert. Das positive Image, welches sich durch ein Umweltmanagement schaffen lässt, kann durch die Partizipation von Studierenden institutionell verankert werden. An dieser Stelle ließ sich auch eine Verbindung zu den Ideen von Hans-Jörg Seng finden, der neben seiner Professur im Bereich Wasser und Gesellschaft auch Yoga-Lehrer ist. Die Vorstellung, dass auch und gerade eine Kultur der Nachhaltigkeit weit mehr zu erreichen vermag, als eine reine technokratische Betrachtung leitet sich aus seinem durch Yoga beeinflussten Verständnis ab. Er sieht einen inneren Auftrag zu Nachhaltigkeit, den es (wieder) zu finden gilt. Dies ist sicherlich die größte Herausforderung, gerade da innehalten und reflektieren nicht gerade den Status Quo in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, geschweige denn der Gesellschaft als Ganzem.

Prof. Dr. Hans-Jörg Seng - Begründer der \

Prof. Dr. Hans-Jörg Seng – Begründer der “Schule der Nachhaltigkeit” am KIT

Matthias Hettel, wissenschaftlicher Mitarbeiter merkte während der Diskussion im Plenum an, dass das KIT bisher fast kein Recyclingpapier verwende, was wundere, wo dieser Bereich sich doch schon seit Jahren aus „Öko-Ecke“ herausentwickelt hat und viele (Elite-)Hochschulen bereits zentral ausschließlich Recyclingpapier beschaffen.

anregende Fragen z.B. zum Einsatz von Recyclingpapier brachte das Plenum ein

anregende Fragen z.B. zum Einsatz von Recyclingpapier brachte das Plenum ein

Fazit wie immer: Es ist noch viel zu tun!

Zum Abschluss gab es Pflanzen für die Podiumsteilnehmer_innen aus einem Garten der Hochschule, sowie intensives Visitenkarten austauschen. Einen Startschuss für den angestrebten Entwicklungsprozess ist damit auf jeden Fall getan – nur wohin? Die Veranstaltung hat einiges offen gelegt. Zum einen bestehen am KIT noch fundamental unterschiedliche Verständnisse von Nachhaltigkeit. Herr Becker wechselte bspw. zwischen der umgangssprachlichen (wie bspw. „nachhaltige Entfernung von Kopfschuppen“) und der Variante, die sich konkret als (ökologisches) Gerechtigkeitsprinzip versteht. Es gilt hier also noch viel Basisarbeit zu leisten. Dies zeigt sich insb. darin, dass selbst die Einführung eines EMAS eine große Herausforderung darstellt – nur muss sie unbedingt genutzt werden, in der Phase der Umgestaltung des KIT. Was mich im Verlauf dann immer wieder faszinierte, war wie häufig mit der Entwicklung an der „Leuphana“ argumentiert wurde. Die Integration von Nachhaltigkeit in alle Studienfächer ist bundesweit tatsächlich ein Novum – und wird zugleich als anzustrebendes Ziel gesehen. So sehr ich die Entwicklungen meiner eigenen Hochschule zuweilen heftig kritisierte, so muss ich doch sehen, dass wir an vielen Punkten schon keilensteine weiter, als die exzellente Hochschule in Karlsruhe.

Schön fand ich auch einen Kommentar von Lena Keul zum Schluss, der die wirklichen Herausforderungen schön zusammenfasst: „Nicht Exzellenz ist Nachhaltigkeit – sondern Nachhaltigkeit ist Exzellenz.“

In diesem Sinne wünsche ich den Aktiven am KIT viel Erfolg und Durchhaltevermögen, während wir in Lüneburg eindeutig aufgefordert sind die nächsten Schritte zu gehen. EMAS haben wir, Integration in die Lehre auch. Jetzt gilt es dies alles qualitativ zu verbessern, sowie weiter Ideen zu sammeln wie sich die Lebenswelt Hochschule als Ganzes nachhaltig gestalten lässt.

Nehmen wir die Herausforderung an!

Alle Fotos in diesem Beitrag sind dankenswerterweise von Tim Schaffarzyk – GHG Karlsruhe bereitgestellt und unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

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