8/10 2010

Cem: “Wir brauchen alle!”

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Allgemein, Hochschulpolitik, Nachhaltige Hochschule | 1 Kommentar

Nicht einmal für die Tasse Kaffee reichte die Zeit bei der Ankunft in Lüneburg. Einem Bundesvorsitzenden sind wahrlich nicht viele Ruhepausen vergönnt. Und doch fand Cem Özdemir vor seiner Rede bei der Eröffnung der diesjährigen Startwoche ein paar Minuten für campus.grün.

Cem mit campus.grün

Gestern Abend saß er noch bei Plasberg, heute Morgen ging es dann nach Lüneburg. Das Koffein hätte der ein wenig übermüdete Cem also gut gebrauchen können. Doch zwischen Ankunft in Lüneburg und seiner Rede in der St. Johannis-Kirche blieben keine 20 Minuten, um den Vorsitzenden der Grünen etwas aus studentischer Sicht über die Uni zu erzählen. Gemeinsam mit AStA-Sprecher Mathias und der Stupa-Vorsitzenden Anna wurden also im Schnelldurchlauf ein paar Punkte angesprochen, die nicht in den Prospekten auftauchen, die Cem von Vizekanzler Keller in die Hand gedrückt bekam. Etwa unseren Wunsch, Zusatzqualifikationen wie Ehrenamt nicht nur bei der  Bachelor- sondern auch bei der Master-Bewerbung zu berücksichtigen. Außerdem machten wir Cem darauf aufmerksam, dass unsere der Nachhaltigkeit verschriebenen Uni immer noch keinen Öko-Strom bezieht. Dann erschien auch schon wieder Holm Keller, um Cem pünktlich in die Kirche zu bringen. Noch schnell ein Erinnerungsfoto und schon war er wieder weg.

Mit seiner Rede wusste Cem die 1300 Erstis zu unterhalten. Auch wenn er es zu Beginn bedauerte, nicht einen solch brillanten Auftritt wie Ali G. 2004 in Harvard abliefern zu können, so gelang es dem Grünen-Vorsitzenden doch, mit Sprüchen von Monty Python und den Marx Brothers, die Frischlinge zu erheitern.

Cem Özdemir spricht vor den Erstis

Er erinnerte sie zugleich daran, welch „wunderbares Privileg“ das Studium ist. Ein Privileg, das keines sein darf: „Herkunft darf in Zukunft nicht mehr entscheiden, wer den Weg an die Universität geht“, forderte Cem. „Wir brauchen alle.“  Neben Lob für das nachhaltige Leitbild der Uni und den Aufbau des Leuphana-Bachelors samt Komplementärstudium, versäumte er es nicht, ein paar kritische Töne einzustreuen. Hatten wir ob der Kürze unseres Gesprächs etwas Sorge, unsere Punkte würden kein Gehör finden, so bewies Cem in seiner Rede, dass unser Treffen nicht nur dem freundlichen Händeschütteln diente. Denn tatsächlich sprach er unsere Kritik an der Master-Bewerbung an und tadelte die Leuphana auch für ihren Bezug von uranstrahlendem eon-Kohlestrom. Dafür gab es sogar Applaus von den ansonsten etwas träge dreinblickenden Erstis. Eine Empfehlung für einen Anbieter hatte Cem mit den Stromrebellen aus Schönau auch gleich parat.

Es war eine unaufgeregte und entgegen der Befürchtung einiger keine von Parteipolitik zersetzte Rede. Sein Koffein bekam Cem übrigens doch noch. Als kleines Geschenk gab es nämlich ’ne Bio-Cola von uns.


26/06 2010

Exzellenz = Nachhaltigkeit – weit gefehlt! Besuch am KIT – ein Erfahrungsbericht

Beitrag von: Sebastian Heilmann | gespeichert unter Campustour, Hochschulpolitik, Nachhaltige Hochschule | Kommentieren

Ende Mai moderierte ich eine Veranstaltung zum Thema „Nachhaltige Hochschule“ an der Uni Lüneburg, im Rahmen der Campustour der Heinrich Böll Stiftung (HBS). Zu dieser waren u.a. zwei Mitglieder der Initiative „Greening the University“ (GtU) des Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) zu Besuch, die nach Lüneburg reisten aufgrund der am Tag drauf stattfindenden Tagung „Sustainable University“.

Nach der Veranstaltung kamen wir ins Gespräch über die Schwierigkeiten die unser jeweiliges Engagement für eine nachhaltige Hochschule begleiten. Ein paar Tage später erhielt ich dann eine Einladung eine ähnliche Veranstaltung in Karlsruhe zu moderieren. Nachdem mein Versuch scheiterte die Kolleg_innen zu überzeugen die Veranstaltung selbst zu moderieren, habe ich sie angenommen und mich auch über die Herausforderung gefreut. Schließlich handelt es sich beim KIT ja um „das“ Prestigeprojekt in Deutschland, was die Integration von Forschungsinstitut und Universität anbelangt.

Greening the University & Schule der Nachhaltigkeit – Zentren der Bestrebungen

Die Grüne Hochschulgruppe (GHG) Karlsruhe, personell sich stark überschneidend mit der Initiative GtU, richtete die Podiumsdiskussion (auch im Rahmen der Campustour) aus und organisierte zudem auch Veranstaltungen zu den Themenfeldern Leitbilder und Demokratie. Die mit etwa 50 Personen gut besuchte Veranstaltung am 09. Juni 2010 begann mit kurzen Präsentationen von GtU und der „Schule der Nachhaltigkeit“ (SdN). Bei der SdN handelt es sich um eine Gruppe von Lehrenden des KIT, die eine verstärkte Integration von Nachhaltigkeit in die Curricula am KIT anstreben. Angesiedelt am HoC (House of Competences), wo Veranstaltungen zur Kompetenzschulung gebündelt werden, ist langfristig eine Vernetzung aller Veranstaltungen mit Nachhaltigkeitsbezug angedacht. Die SdN verbindet ein klassisches kognitives/rationales (vgl. Achim Grunwald) Verständnis von Nachhaltigkeit mit einem emotionalen/personalen (vgl. Hans-Jörg Seng). Um diese Verbindung zu ermöglichen gilt es eine Kultur der Nachhaltigkeit zu schaffen und zu leben. Die Initiative GtU beschreibt eine „Vision eines nachhaltigen KIT“ in der ein zertifiziertes Umweltmanagement eingeführt wird, nachhaltiges Handeln in die Lehre integriert wird und eine Vernetzung von Forschung im Bereich Nachhaltigkeit stattfindet. Fundament soll dabei die Motivation der Mitglieder der Hochschule sein.

Podium

Podium “Der Karlsruher Weg zur nachhaltigen Hochschule”: Jürgen Becker, Peter Schneider, Sebastian Heilmann, Hans-Jörg Seng, Lena Keul (v.l.n.r.)

Nach dieser etwa halbstündigen Einführung wurde mir klar, dass ich mich an einer zentralen Stelle geirrt hatte. Ich ging in meiner Vorbereitung wie selbstverständlich davon aus, dass die Aktiven an einer technischen Hochschule natürlich auch und vor allem technokratische Argumente für die Nachhaltigwerdung ihrer Institution anbringen würden. Zentral wurden so in der Diskussion die Fragen wie Energie und Ressourcen sinnvoll eingespart werden können und auch eine Integration von nachhaltiger Entwicklung in die Lehre stattfinden kann.

Umweltmanagement, Excellenz und studentisches Engagement – verschiedene Wege zur nachhaltigen Hochschule

Das Podium war gut besetzt. Als Ersatz für den leider verhinderten Präsidenten Horst Hippler kam Jürgen Becker, Vizepräsident und zuständig für Lehre am KIT, der sagte, man könne ihn praktisch als „Double“ von Hippler ansehen, weshalb er auch hinter einem spannenden Zitat von Hippler stehe: „Mittelfristig legen wir es darauf an, mit der ETH Zürich auf gleicher Augenhöhe zu sein, langfristig mit dem Namensvetter MIT in den USA.“ Ein Zitat, welches mich motivierte ein T-Shirt der Elite-Uni zu tragen (ob zur Ironie, oder Unterstützung, blieb der interessierten Zuhörer_in überlassen). In der Diskussion betonte er stets die Notwendigkeit einer Wiederholung des Erfolgs bei der Excellenzinitiative. Er sagte weitergehende Unterstützung der Integration von Ideen einer nachhaltigen Entwicklung in Lehre und Forschung zu, insb. dann wenn Studierende direkt in interdisziplinäre Forschung eingebunden werden und sah auch, dass es unbedingt notwendig ist mehr sozialwissenschaftliche Forscher_innen an die Hochschule zu holen. Bei der Forderung der Einführung verweis er jedoch immer auf geringe Mittel im Haushalt, insb. bei der Forderung nach der Einführung einer Stabstelle „Sustainability“, die auch das einzuführende Umweltmanagement koordiniert. Jedoch musste er auch eingestehen, dass Hochschulen, die EMAS eingeführt haben, wie etwa Tübingen und Lüneburg auch viel Unterstützung erhielten und jetzt durchaus ein Argument mehr haben, dass die Landespolitik motiviert die Hochschulen besser zu fördern – ja, Nachhaltigkeit ist zum Standortfaktor geworden.

Prof. Dr. Jürgen Becker - Vizepräsident für Lehre am KIT & Befürworter einer EMAS-Einführung(?)

Prof. Dr. Jürgen Becker – Vizepräsident für Lehre am KIT & jetzt Befürworter einer EMAS-Einführung(?)

Unterstützung fanden diese Ideen z.B. von Lena Keul, die GtU Tübingen auf dem Podium vertrat. In Tübingen ist es durch eine bottom-up-Bewegung und Unterstützung durch das Umweltministerium gelungen ein EMAS einzuführen, sowie ein stetig wachsendes „Studium Oecologicum“, welches im General Studies Bereich angeboten wird und sich wachsender Beliebtheit erfreut. Sie weiß darauf hin, dass eine Vernetzung der Aktiven unbedingt notwendig ist, um mit einer möglichst großen Stimme zu sprechen. Auch Peter Schneider, ehemaliger Studierender der TU Karlsruhe, im Umweltministerium nun für die Unterstützung bei der Einführung von EMAS in Baden-Württemberg zuständig ist. Er lobte die Einführung von EMAS in Tübingen und bot auch eine Unterstützung in Karlsruhe an. Die HIS GmbH hat sich bspw. auf die Einführung von EMAS an Hochschulen spezialisiert. Das positive Image, welches sich durch ein Umweltmanagement schaffen lässt, kann durch die Partizipation von Studierenden institutionell verankert werden. An dieser Stelle ließ sich auch eine Verbindung zu den Ideen von Hans-Jörg Seng finden, der neben seiner Professur im Bereich Wasser und Gesellschaft auch Yoga-Lehrer ist. Die Vorstellung, dass auch und gerade eine Kultur der Nachhaltigkeit weit mehr zu erreichen vermag, als eine reine technokratische Betrachtung leitet sich aus seinem durch Yoga beeinflussten Verständnis ab. Er sieht einen inneren Auftrag zu Nachhaltigkeit, den es (wieder) zu finden gilt. Dies ist sicherlich die größte Herausforderung, gerade da innehalten und reflektieren nicht gerade den Status Quo in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, geschweige denn der Gesellschaft als Ganzem.

Prof. Dr. Hans-Jörg Seng - Begründer der \

Prof. Dr. Hans-Jörg Seng – Begründer der “Schule der Nachhaltigkeit” am KIT

Matthias Hettel, wissenschaftlicher Mitarbeiter merkte während der Diskussion im Plenum an, dass das KIT bisher fast kein Recyclingpapier verwende, was wundere, wo dieser Bereich sich doch schon seit Jahren aus „Öko-Ecke“ herausentwickelt hat und viele (Elite-)Hochschulen bereits zentral ausschließlich Recyclingpapier beschaffen.

anregende Fragen z.B. zum Einsatz von Recyclingpapier brachte das Plenum ein

anregende Fragen z.B. zum Einsatz von Recyclingpapier brachte das Plenum ein

Fazit wie immer: Es ist noch viel zu tun!

Zum Abschluss gab es Pflanzen für die Podiumsteilnehmer_innen aus einem Garten der Hochschule, sowie intensives Visitenkarten austauschen. Einen Startschuss für den angestrebten Entwicklungsprozess ist damit auf jeden Fall getan – nur wohin? Die Veranstaltung hat einiges offen gelegt. Zum einen bestehen am KIT noch fundamental unterschiedliche Verständnisse von Nachhaltigkeit. Herr Becker wechselte bspw. zwischen der umgangssprachlichen (wie bspw. „nachhaltige Entfernung von Kopfschuppen“) und der Variante, die sich konkret als (ökologisches) Gerechtigkeitsprinzip versteht. Es gilt hier also noch viel Basisarbeit zu leisten. Dies zeigt sich insb. darin, dass selbst die Einführung eines EMAS eine große Herausforderung darstellt – nur muss sie unbedingt genutzt werden, in der Phase der Umgestaltung des KIT. Was mich im Verlauf dann immer wieder faszinierte, war wie häufig mit der Entwicklung an der „Leuphana“ argumentiert wurde. Die Integration von Nachhaltigkeit in alle Studienfächer ist bundesweit tatsächlich ein Novum – und wird zugleich als anzustrebendes Ziel gesehen. So sehr ich die Entwicklungen meiner eigenen Hochschule zuweilen heftig kritisierte, so muss ich doch sehen, dass wir an vielen Punkten schon keilensteine weiter, als die exzellente Hochschule in Karlsruhe.

Schön fand ich auch einen Kommentar von Lena Keul zum Schluss, der die wirklichen Herausforderungen schön zusammenfasst: „Nicht Exzellenz ist Nachhaltigkeit – sondern Nachhaltigkeit ist Exzellenz.“

In diesem Sinne wünsche ich den Aktiven am KIT viel Erfolg und Durchhaltevermögen, während wir in Lüneburg eindeutig aufgefordert sind die nächsten Schritte zu gehen. EMAS haben wir, Integration in die Lehre auch. Jetzt gilt es dies alles qualitativ zu verbessern, sowie weiter Ideen zu sammeln wie sich die Lebenswelt Hochschule als Ganzes nachhaltig gestalten lässt.

Nehmen wir die Herausforderung an!

Alle Fotos in diesem Beitrag sind dankenswerterweise von Tim Schaffarzyk – GHG Karlsruhe bereitgestellt und unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Creative Commons Lizenzvertrag


Auf unserem Blog veröffentlichen wir verschiedene Arten von Beiträgen. Unter dem Autorennamen “campus.grün Lüneburg” werden Beiträge verfasst, die die Meinung der gesamten Gruppe widerspiegeln. Unter anderen AutorInnen-Namen werden Einzelbeiträge verfasst, die die Meinung der Autorin/des Autors wiedergeben. Dazu gehört dieser Beitrag.


7/06 2010

Geht hochschulwählen!

Beitrag von: campus.grün Lüneburg | gespeichert unter Hochschulpolitik, Nachhaltige Hochschule | 1 Kommentar

Noch bis Mi., 9.06., 13 Uhr finden an der Uni Lüneburg die studentischen und akademischen Wahlen statt. campus.grün Lüneburg ruft dazu auf, an den Wahlen teilzunehmen! Wir treten in diesem Jahr nicht mit einer eigenen Liste an. Wir haben uns die Wahlprogramme der BewerberInnen angeschaut. Wir sehen unsere Vorstellungen am ehesten in zwei Listen vertreten und empfehlen daher für die Wahl des StuPa die Liste “UniDiversität” und für die Wahl zum Senat die Liste “EINE Uni für ALLE”. Unabhängig davon sind wir gespannt auf die Ergebnisse und hoffen auf eine hohe Wahlbeteiligung.

Die KandidatInnen stellen sich in der AStA-Wahlzeitung vor.