Der Sozialunternehmer Heinecke kam jetzt mit Studierenden, Wissenschaftlern und anderen Social Entrepreneurship-Vorreitern zur Konferenz „AnSCHub 2010: Social Entrepreneurship“ auf dem Campus der Leuphana Universität Lüneburg zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, Social Business in Wissenschaft, Lehre, Praxis und Gesellschaft voranzutreiben. Organisiert wurden die Dialogtage von der Plattform Social Change Hub (SCHub) der Leuphana in Zusammenarbeit mit Studierenden des Seminars „AnSCHub 2010“. Kooperationspartner war die Non-Profit-Organisation „Ashoka Deutschland“ – die erste und größte Förderorganisation von Social Entrepreneurship weltweit.

Auch Heinecke, 2006 von der Harvard Business School mit dem Deutschen Unternehmer Preis ausgezeichnet, ist ein sogenannter „Ashoka-Fellow“. Den Gedanken des nachhaltigen und sozialen Unternehmertums treibt er seit knapp 20 Jahren voran. „Social Entrepreneurship ist keine neue Bewegung. Aber es muss noch mehr passieren, um den Gedanken von Social Business weitaus mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Täglich sterben 40.000 Kinder an Hunger, eine Milliarde Menschen sind obdachlos. Was muss noch passieren? In der Umsetzung muss dringend mehr gemacht werden“, appellierte Heinecke in seinem Vortrag „Mythos und Realität von Social Entrepreneurship“ an die Zuhörer. Problematisch sei, dass „es keinen Kapitalmarkt gibt, der Social Entrepreneurship-Projekte regelt“, so Heinecke. Der Profi weiß: „Als Social Entrepreneur braucht man Durchhaltevermögen.“ Dennoch könne jeder Mensch einen Beitrag leisten, sei er auch noch so marginal. „Ein solcher Gedanke ist im sozialen Unternehmertum besonders wichtig.“ Gleichzeitig warnt er vor einer Idealisierung des Social-Entrepreneurship-Gedankens. Eine solche Bewegung bedeute „kreative Zerstörung“.

Prof. Johanna Mair von der IESE Business School Barcelona ist ebenfalls Expertin auf dem Gebiet Social Entrepreneurship. Sie sprach zum Thema „Innovation on dual frontiers – How social entrepreneurs kickstart change“. Auch Mair ist überzeugt: „Die Inhalte von Social Entrepreneurship müssen noch mehr im Mainstream verankert werden. Das Ziel ist jedoch nicht, alle Studierende zu Sozialunternehmern zu machen. Wichtig ist, das Phänomen zu vermitteln.“

Neben Diskussionen hatten die Konferenzteilnehmer die Möglichkeit in Workshops praktische Erfahrungen zu sammeln. In Zusammenarbeit mit Tom Leppert (Heldenrat – Beratung für soziale Bewegungen) entwickelten Studierende kreative Ideen für eigene soziale Projekte, während Ashoka-Fellow Murat Vural (Chancenwerk) neue Ansätze zur Integration diskutierte. In einer Werkstatt von Mathias Ahrberg (Fairliebt) entwickelten die Studierenden nachhaltige Unterwäsche, die sie „Underwhere“ nannten. Michael Fritz diskutierte mit seinen Workshopteilnehmern eine mögliche Kooperation von Viva con Agua mit der Leuphana Universität Lüneburg. Und Susanna Krüger (betterplace lab) bewertete den bisherigen Erfolg der studentischen Initiative Amikeco und erarbeitete in der Gruppe Strategien, wie man das Projekt weiter ausbauen kann.

Der Begriff „Social Entrepreneurship“ bezeichnet den Ansatz, auf unternehmerische Weise innovative Lösungen für wichtige gesellschaftliche Anliegen zu suchen, pragmatisch weiterzuentwickeln und langfristig umzusetzen. Die Dialogtage „AnSCHub 2010“ thematisierten diesen Ansatz im Rahmen des interaktiven Veranstaltungsangebotes der Plattform „Social Change Hub“ (SCHub). Unter der Leitung von Juniorprofessor Dr. Markus Beckmann hat SCHub es sich zur Aufgabe gemacht, studentisches Engagement zu fördern, junge Menschen bei eigenen Projektideen zu unterstützen und sie mit Verantwortlichen aus sozialunternehmerischen Organisationen zu vernetzen. Beckmann lehrt seit November 2009 in Lüneburg. Mit der seiner Ernennung hatte die Leuphana als deutschlandweit erste Universität das Thema Social Entrepreneurship mit einer eigenständigen Professur besetzt.

Für seine herausragende wissenschaftliche Arbeit über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ist Prof. Dr. Markus Beckmann im Mai in Berlin mit dem „Max-Weber-Preis für Wirtschaftsethik“ ausgezeichnet worden.